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Tipps: So finden Sie das passende Fitnessstudio

Serie „Echt fit!“ : Tipps: So finden Sie das passende Fitnessstudio

Fitnesscenter machen inzwischen ganz verschiedene Trainings-Angebote – für den schmalen und besser gefüllten Geldbeutel. Aber wie wähle ich für mich das richtige Konzept aus? Branchenkenner aus der Region Trier geben Ratschläge – für Einsteiger und Umsteiger.

Für wen eignen sich Fitnessstudios – und für wen nicht?

„Grundsätzlich eignet sich ein Fitnessstudio für jeden, der etwas für seine Figur, Fitness und Gesundheit tun möchte – unabhängig des Leistungsniveaus. In den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zur körperlichen Aktivität wird explizit Kraft- und Ausdauertraining empfohlen. Beides gemeinsam lässt sich eigentlich nirgendwo besser trainieren als in einem Fitnessstudio“, sagt Friedhelm Hill von der Hill-Fitness GmbH, die sich als Trainings- und Ernährungsspezialist sieht. Sie betreibt Studios im sogenannten ,Premium-Discounter‘-Segment in Hermeskeil, Saarburg, Schweich und Zell-Barl.

Hiltrud Schilz, Geschäftsführerin des PST Trier, der ein vereinseigenes Fitnesstudio mit einem Schwerpunkt auf gesundheitsorientiertem Kraft- und Ausdauertraining hat, stützt diese These: „Korrekt durchgeführt, kann Krafttraining Schmerzen beseitigen und vorbeugen, weil es den Halteapparat stabilisiert und damit falschen Bewegungen oder Fehlhaltungen entgegenwirkt. Kraftsport allein reicht aber nicht aus, es ist zudem ein Herz-Kreislauf-Training notwendig.“

Körperliche oder psychische Einschränkungen sind nach Ansicht von Ramona Heß und Carsten Braun dabei grundsätzlich kein Hindernis. „Das entsprechende Training muss natürlich individuell angepasst werden“, sagt das Duo vom SFG Bernkastel-Kues, der in Mülheim an der Mosel ein Studio für Fitness und Gesundheit betreibt. Schilz ergänzt: „Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen und ab dem mittleren Alter sollte vor dem Besuch des Fitnessstudios sicherheitshalber ein Arzt zum Gesundheits-Check konsultiert werden.“

Kinder indes sollten nach Ansicht von Heß und Braun noch kein Fitnessstudio nutzen, um sich sportlich zu betätigen: „Hierfür bieten sich verschiedene  Breiten- und Freizeitsportarten an.“

Welche Kriterien sollten Freizeitsportler bei der Wahl eines Fitnessstudios beachten?

Die Ausstattung sollte zur Zielsetzung passen. „Möchte jemand zum Beispiel  optischen Muskelaufbau betreiben, profitiert er von einem guten Hantelbereich. Möchte eine Frau zum Beispiel Bodyshaping erzielen, sollte im Studio eine gute Ausstattung für die Körperregionen Bauch/Beine/Po vorhanden sein“, nennt Friedhelm Hill Beispiele.

Zudem mache es bei der Wahl einen Unterschied, ob der Interessierte ein Anfänger oder ein ,alter Hase‘ ist. Hill: „Ein Anfänger muss in ein Studio mit einer guten Betreuung und Hilfestellung gehen, sonst wird das Training schlecht.“

Außerdem sollte das Studio ein Spezialist für die Zielsetzung des Kunden sein. Hill: „Mit sehr gut passenden Trainingsstrategien ist deutlich mehr möglich als mit weniger Knowhow für das jeweilige Ziel.“

Und – mehr als nur ein Randaspekt neben Faktoren wie Ambiente und Freundlichkeit: Der Monatsbeitrag spielt eine wichtige Rolle. „Die jeweilige Preisstruktur der Studios in Verbindung mit möglichen Zusatzangeboten wie zum Beispiel Wellness oder Gastronomie kann für den Einzelnen ausschlaggebend sein“, sagen Ramona Heß und Carsten Braun vom SFG.

Rainer Böer vom Studio MAP Sport & Fitness in Bitburg, das sich in den Bereichen Gesundheit, Gewichtsreduktion und Ernährungsberatung sowie Leistungsfähigkeit/ Leistungssteigerung positioniert, legt eine 13 Punkte umfassende Checkliste vor:

  • Ambiente und Atmosphäre sollten stimmen: Fühle ich mich wohl?
  • Räumliche Gegebenheiten: Sind Platzangebot, Trainingsflächen, Umkleiden, Duschen oder auch ein Sauna-Bereich ausreichend?
  • Angenehme Luftqualität und Hygiene: Gibt es Hygienemaßnahmen und ein Lüftungskonzept besonders im Zusammenhang mit Corona?
  • Klientel im Studio: Passen die anderen Trainierenden zu mir?
  • Fitnessziele: Besteht im Vorfeld die Möglichkeit eines Beratungsgesprächs zur Abstimmung der persönlichen Ziele?
  • Geräte-Anzahl: Sind ausreichend (Ausdauer-)Geräte, die oft längere Zeit belegt sind, vorhanden? Gibt es Wartezeiten?
  • Geräte-Ausstattung: Stimmt die Qualität? Und sind verschiedene Gerätesysteme für Krafttraining vorhanden, um auszuprobieren, welches einem am besten liegt? Es gibt biomechanisch optimierte, digitalgesteuerte sowie funktionelle Fitnessgeräte und Trainingsmöglichkeiten, Athletik-Geräte, Freihantel-Bereiche.
  • Ist ein sogenannter Mobilitäts- und Flexibilitäts-Circle (beispielsweise ,Five‘) mit Faszien-Konzept vorhanden?
  • Wird Ernährungsberatung angeboten?
  • Gibt es ein Gruppentrainingsangebot/Kurse?
  • Werden Trainingskonzepte mit individueller Trainingsplanung vorgehalten?
  • Werden Lösungen bei gesundheitlichen Einschränkungen und Zielen angeboten?
  • Ist die Betreuung gut? Sind die Trainer und Mitarbeiter kompetent und sympathisch?

Wie wichtig ist den Kunden eine Spezialisierung von Studios –  und welche gibt es da inzwischen?

Laut Friedhelm Hill gibt es mittlerweile ganz viele unterschiedliche Konzepte, für die es alle einen Markt gebe: „Generell kann man sagen, dass im Schnitt größere Anlagen eher Generalisten sind und mehrere Zielgruppen ansprechen. Kleinere Studios sind meist sogenannte Spezialisten, die sich auf eine oder zwei Zielgruppe(n) konzentrieren. Beides hat seine Daseinsberechtigung.“

Fitnessstudios galten früher vor allem als, Muckibuden‘. Wie  sieht das heute aus?

Längst ganz anders. „,Fitness‘ ist in Deutschland und fast auf der ganzen Welt die ,Sportart Nummer eins‘“, sagt Friedhelm Hill. Im Vordergrund stehen also die Verbesserung oder der Erhalt der (ganz-)körperlichen Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

„Heute gibt es nur noch wenige ,Muckibuden‘, wie es sie damals in den 1980er Jahren gab. Heute sind es vielfach Gesundheitsstudios, die Wert auf ein gesundheitsbetontes Training legen“, sagt Hiltrud Schilz vom PST Trier.

Gleichwohl macht Hill einen Trend aus: „In den letzten zehn Jahren ist das ambitionierte Training für Muskelaufbau, Leistung und Figurtraining wieder ein sehr starker Aspekt im deutschen Fitnessmarkt geworden.  Das war prozentual im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends etwas weniger vertreten.“

So sagen denn auch Ramona Heß und Carsten Braun vom SFG Bernkastel-Kues, die in ihrem Studio Wert auf ein gesundheitsorientiertes Fitnesstraining legen: „Es gibt weiterhin Studios, die ihre Angebotsauslegung eher im puren Kraftsport und Bodybuilding-Bereich sehen. Das ist legitim, und sie sollten nicht abwertend als ,Muckibude’ bezeichnet werden.“

Darauf verweist auch Rainer Böer von MAP Sport & Fitness, der dazu einen Blick in die Geschichte wirft: „Die ältesten Aufzeichnungen körperlicher Betätigung liegen circa 4000 Jahre zurück. Krafttraining war Bestandteil der Entwicklung von Kampffertigkeiten, Regeneration und Heilung. Ein muskulöser Körper war damals schon von Interesse. Das moderne Fitnesstraining und Bodybuilding entwickelte sich mit Arnold Schwarzenegger. Dabei ist das erklärte Ziel, meist von Männern, den Körper mit Muskelaufbau zu formen. Etwas später fanden Frauen über Jane Fonda und Aerobic den Weg ins Fitnessstudio. Heute gibt es neben Aerobic eine Vielzahl von Gruppentrainingsformen. Bodybuilding ist eine Form von intensiver Betätigung im Fitnessstudio und sollte nicht negativ als ,Muckibude‘  abgetan werden.“

Rein mit Muskelvolumen werden gesundheitliche Ziele, beispielsweise die Linderung von Rücken- und Gelenkschmerzen oder die Gewichtsreduktion, indes nicht erreicht, betont Böer: „Die Trainingslehre wurde und wird in der modernen Forschung ständig weiterentwickelt. Aktuell richtet die Forschung den Fokus auf Zusammenhänge von Gehirn und Muskulatur, die Neuroathletik. Der Mensch macht keine muskuläre Aktivität, ohne dass das Gehirn einverstanden ist.“

Worauf sollten Fitnessstudio-Anfänger achten, damit die ersten Schritte nicht schiefgehen?

Aus Sicht von Friedhelm Hill sind drei Dinge das A und O: „Wichtig sind die fachmännische Beratung und Einweisung, ein gut abgestimmter Trainingsplan sowie das Wissen, dass Trainingserfolge nicht von heute auf morgen kommen.“ Eine Betreuung sei dabei nicht nur eine Sache von ein paar Wochen: „Das reicht nicht. Gute Folgetrainingspläne sind zum Beispiel sowohl zur Zielerreichung als auch zur Motivation wichtig.“

Ramona Heß und Carsten Braun vom SFG Bernkastel-Kues raten Anfängern zu einem von Fachpersonal geführten Probetraining: „Im Anschluss daran empfehlen wir eine ausführliche Anamnese sowie eine individuelle Trainingsplanerstellung, die für Anfänger und die individuellen Ziele geeignet ist. Auch gilt es immer, die vertragliche Situation vorab zu beachten.“

Was ist bei den inzwischen vielfältigen Preismodellen zu beachten?

In den Preistabellen wimmelt es von kreativen Modellen und Begrifflichkeiten. Es gibt Jahresverträge, monatlich kündbare Verträge, Vollmitgliedschaften, Good-Morning-Tarife, Schüler- und Studententarife oder zuweilen auch die Möglichkeit, abseits einer Mitgliedschaft per Einmalzahlungen ein Studio zu besuchen. „Der Kunde sollte nach einer Beratung oder einem Probetraining genau wissen, was er für welche Leistung zahlt. Die Preismodelle sollten transparent und übersichtlich sein“, sagt Friedhelm Hill.

Hiltrud Schilz vom PST Trier rät jedem, für sich zunächst zu klären, was er wirklich benötigt – um am Ende nicht unnötig Geld auszugeben: „Der Kunde kann wählen, ob er ein einfaches Studio bevorzugt oder lieber gerne mehr Geld ausgeben möchte, um in einer etwas exklusiveren Atmosphäre mit Sauna und Wellnessbereich zu trainieren.“

Zusammengefasst empfiehlt Rainer Böer (MAP Sport & Fitness) einen Vier-Punkte-Check:

  • Kosten - Nutzen abwägen: Welche Qualität erwarte ich?
  • Preis-Leistungs-Verhältnis genau anschauen: Welche Möglichkeiten werden angeboten?
  • Umso länger die Laufzeit, umso günstiger der Preis. Wichtig: Neue Verträge müssen nach der Erstlaufzeit monatlich kündbar sein.
  • Auf versteckte Kosten achten.

Was sind die aktuellen Trends in der Fitnessstudio-Szene?

Schlingentraining – eine Ganzkörper-Trainingsmethode mit Hilfe von Seil- und Schlingensystemen, Personal-Training, Mentalfitness (wie zum Beispiel Yoga), Social Fitness (Motto: ,Gemeinsam stärker und fitter werden‘), Functional Training (individuell und in der Gruppe), Recovery Workout, SpineFitter, Faszien-Training, Achtsamkeit und Atmung, Mobilität und Flexibilität, Pilates mit Equipment, Hybrides Training (also Training für zu Hause mit professioneller Unterstützung aus dem Fitnessstudio) – die Branchenkenner machen eine Reihe von neuen Entwicklungen aus.

Sie vereinen aus Sicht von Friedhelm Hill von der Hill-Fitness GmbH dabei zwei Haupttrends: „Gesundheit und Figuroptimierung.  Letztgenanntes wird durch die sozialen Medien stark gepusht, erstgenanntes durch die Corona-Pandemie und den demografischen Wandel. Man möchte gesund alt werden.“

Aus Sicht von Ramona Heß und Carsten Braun vom SFG Bernkastel-Kues kommen und gehen Trends in der Fitnessbranche indes grundsätzlich sehr schnell: „Eine gute Grundausstattung und eine gesundheitsorientierte Philosophie sind aus unserer Sicht eine gute Basis. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden.“