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Tischtennis: Eberhard Schöler wird 80 - Trierer Verein gratuliert „Mister Pokerface“

Tischtennis : Eberhard Schöler wird 80: Trierer Verein gratuliert „Mister Pokerface“

Eberhard Schöler war Deutschlands erster Weltklasse-Tischtennisspieler. Zu dessen 80. Geburtstag gibt’s auch Glückwünsche des TTC Gelb-Rot – aus gutem Grund.

Brechend volle Zuschauer-Tribünen in der Mäusheckerweg-Halle in Ehrang. Und auf dem Parkett internationale Topspieler wie Jörgen Persson, Andrzej Grubba, Jan-Ove Waldner oder Ma Wenge: Der einst aus den internationalen Trierer Stadtmeisterschaften hervorgegangene und bis 1999 existente Deutschland-Cup für Tischtennisspieler war eins der bestbesetzten Privatturniere weltweit.

Eng mit der Entwicklung des Turniers in Trier verbunden war neben den Machern des TTC Gelb-Rot Trier um den heutigen Ehrenvorsitzenden Heinz Guillaume vor allem einer: Eberhard Schöler. Erst drückte er den Meisterschaften an der Mosel als Spieler den Stempel auf – mit sieben Siegen zwischen 1964 und 1976, als noch in anderen Trierer Hallen gespielt wurde. Und später als Funktionär im Deutschen Tischtennis-Bund.

„Er war einer derjenigen, die unser Turnier so richtig groß gemacht haben“, ordnet Herbert Stöhr, der heutige Vorsitzende des TTC Gelb-Rot, das Wirken Schölers ein.

Der Ehrenvorsitzende Guillaume, inzwischen 92 Jahre alt ist, bezeichnet Schöler als einen seiner besten Freunde: „Er half uns, dass Turnier in Trier aufzubauen. Er war ein toller Sportsmann und hat Trier geliebt.“

Pünktlich zum heutigen 80. Geburtstag von Schöler haben Guillaume und der Jubilar dieser Tage telefoniert. „Das machen wir immer einmal im Jahr rund um Weihnachten“, sagt Guillaume.

Als bislang einziger deutscher Spieler erreichte Schöler ein WM-Finale im Einzel. Am 27. April 1969 war er in der Münchner Eislaufhalle ganz nah dran an der Krone. Schöler führte im Endspiel gegen den Japaner Shigeo Ito bereits mit 2:0-Sätzen. Doch bei hoher Luftfeuchtigkeit und großer Wärme verlor er die nächsten drei Sätze. Aus der Traum vom WM-Titel.

Doch Schöler gewann an Reputation und Beliebtheit. 1969 wurde er Zweiter bei der Wahl zu Deutschlands Sportlern des Jahres. 2011 wurde er in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Nach seiner aktiven Karriere, die 1986 mit dem zweiten Platz bei der Senioren-WM in der Altersklasse Ü 40 endete, bekleidete Schöler Ämter im nationalen Verband sowie in den internationalen Tischtennis-Organisationen.

Schöler war ein Defensivspezialist par excellence. Sein Revier – meist weit hinter dem Tisch. Die Abwehrbälle des Brillenträgers mit Unterschnitt waren gefürchtet – ebenso dessen Beherrschtheit und Ruhe, was ihm den Spitznamen „Mister Pokerface“ einbrachte. Doch Schöler konnte auch explodieren. Wenn er pfeilschnell zum Gegenangriff überging und mit harten Schlägen aus dem Handgelenk seine Gegner überraschte. Dann packte er seine „Schöler-Peitsche“ aus. 

„Eberhard Schöler hat als Spieler immer einen besonnenen Eindruck gemacht. Er ist als Person eher sehr zurückhaltend. Aber er konnte im Spiel auch richtig attackieren. Gegen seine ,Peitsche‘ war kein Kraut gewachsen“, erinnert sich der Gelb-Rot-Vorsitzende Stöhr. An seine erste Begegnung mit Schöler kann er sich noch erinnern: „Das war 1968. Ich stand wie in einer Sardinenbüchse auf der Tribüne der Sporthalle des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums. Eberhard musste sich in einem packenden Finale  Günter Köcher geschlagen geben.“

Coronabedingt wird’s im Hause Schöler in Kaarst-Holzbüttgen heute kein größeres Fest zum 80. Geburtstag mit Verwandten, Freunden und Bekannten geben. „Nur der engste Familienkreis wird erwartet“, sagt der gebürtige Westpreuße, der mit seiner aus England stammenden Frau Diane seit Jahrzehnten in der Nähe von Düsseldorf lebt.

 Guillaume
Guillaume Foto: Jürgen Braun/Picasa

Den Tischtennis-Sport verfolgt der neunmalige deutsche Einzelmeister und 155-malige Nationalspieler nach eigenem Bekunden weiterhin sehr interessiert. Aktiv am Tisch steht er aber nicht mehr. Schöler in einem Beitrag des Deutschen Tischtennis-Bunds: „Bis vor zehn Jahren habe ich noch in einem Seniorenteam gespielt. Dann haben wir damit Schluss gemacht und angefangen, Skat zu spielen.“