Große Perspektive an der Pfeife

Große Perspektive an der Pfeife

Im September 2005 pfiff der schmächtige und noch sehr junge Schiedsrichter Christoph Zimmer sein erstes Spiel in der C-Jugend-Kreisliga. Nachdem es in den darauffolgenden Jahren rasant bergauf ging, avancierte der heute 23-Jährige zum ranghöchsten Referee der Schiedsrichter-Vereinigung Mosel.

Wittlich. Christoph Zimmer pfeift in der Oberliga und in der B-Junioren-Bundesliga als Schiedsrichter, agiert in der A-Junioren-Bundesliga als Assistent. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Seitdem der 23-jährige Wittlicher im September 2005 sein erstes Kreisligaspiel in der Jugend pfiff, lief die weitere Karriere wie im Film ab: Jedes Jahr ging es eine Liga nach oben - Zimmer kam in die Nachwuchsförderung des Verbandes, pfiff Bezirksliga, Verbandsliga und schließlich Oberliga.
Allein gegen alle


"Der Erfolg ist nicht planbar, erfordert die ständige Weiterentwicklung durch Weiterbildung. Wenn man ganz nach oben will, muss man früh in der Oberliga oder Regionalliga pfeifen. Dazu brauchst du immer auch Beobachtungen und die Förderung von Entscheidungsträgern", betont Zimmer, dessen Förderer vor allem Arno Görg war. Der Schiri-Obmann des Spielkreises Mosel entdeckte früh das Talent des bis zur B-Jugend noch selbst kickenden Christoph Zimmer.
Doch der BWL-Student nennt auch Horst Jonas, Jürgen Michalski oder Marco Brixius als die "Väter" seiner späteren Entwicklung. Welche Schwierigkeiten sieht Zimmer im Schiedsrichterwesen derzeit? "Das Problem ist, dass du als Mann in Schwarz meist allein pfeifst und Abseitssituationen schwerer zu bewerten sind. In der Oberliga ist es so, dass die Spieler die ersten 15 Minuten auch dazu nutzen, um den Schiri auszutesten, wie weit man gehen kann. Wenn man nicht aufpasst, wickeln die dich um den Finger, - viel eher als in den Kreisligen. Der Unterschied ist auch im Niveau sichtbar. In der Oberliga spielen sie Fußball, kämpfen ihn nicht so. In den Kreisligen musst du mehr auf die saubere Spielweise achten, da geht es körperbetonter und haariger zu."
Positive Trainer-Reaktionen freuen den in Wittlich geborenen und lebenden passionierten Tennisspieler besonders. "Es ist auch schön, wenn ich irgendwo hinfahre, die Leute kenne und man mit denen normal reden und sich nach Spielschluss die Hand geben kann. Ich will dabei nie im Vordergrund stehen."
Erfolg ist nicht planbar


Die Oberliga soll noch nicht die Endstation sein. "Der DFB hat gerne junge Schiedsrichter in den hohen Klassen. Die sollen bei guten Leistungen schnell nach oben gepusht werden. Wenn ich gute Beobachtungen bekomme und man viel Glück hat, soll es für mich noch ein paar Klassen nach oben gehen. Doch der Erfolg ist nicht planbar", sagt Zimmer über seine Perspektive.
Was ärgert Zimmer? "Vor allem unsachliche Kritik von Zuschauern. Speziell im Jugendbereich nehmen Eltern massiv Einfluss durch verbale Attacken und Beleidigungen. Das ist ein großes Problem." Welche kuriose Situation gab es schon? "Im Vorjahr pfiff ich das Rheinland-Pokalspiel Mehring gegen Eintracht Trier. Ich musste das Spiel in der 65. Minute vor 1000 Zuschauern wegen starken Nebels abbrechen. Das war schon ungewöhnlich vor so einem Rahmen."
Vor drei Wochen musste Zimmer das B-Junioren-Spiel FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart nach zwei Minuten abbrechen, als sich ein Stuttgarter Spieler schwer verletzte. "Man muss immer seine Erfahrungen sammeln", sagt Zimmer.