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Bundestagswahl: Dorothea Hafner kandidiert für Grüne in Bitburg

Bundestagswahl : Dorothea Hafner (Grüne) will für den Wahlkreis Bitburg in den Bundestag

Politische Themen sind wichtig bei einer Wahl. Aber was treibt die Kandidaten in ihrem Alltag an? Der Blick in das Leben einer Kandidatin. Heute Dorothea Hafner von den Grünen.

Die Direktkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl 2021 heißt Dorothea Hafner. Für die 53-jährige Familienmutter und Großmutter steht der Erhalt einer lebenswerten Zukunft an erster Stelle.

„Wir müssen uns als Gesellschaft die Frage stellen, wie wir leben wollen und was uns wichtig ist“, sagt Hafner, die im Wahlkreis Bitburg antritt. „Denn so wie jetzt geht es nicht weiter. Wir leben im Luxus auf Kosten anderer Menschen und zukünftiger Generationen. Alle reden nur vom Wachstum der Wirtschaft, aber nie über soziales Wachstum oder ein Wachstum der Nachhaltigkeit. Das finde ich falsch.“

Dorothea Hafner: Das macht die grüne Kandidatin beruflich

Die staatlich geprüfte Betriebswirtin arbeitet schon seit mehr als 20 Jahren in der Verwaltung einer Senioreneinrichtung. Daher hat sie auch eine gute Vorstellung, wie es in der Branche aktuell aussieht: „Es ist ein unglaublich schöner Beruf, in dem man mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat und in dem es eigentlich nie langweilig wird. Aber der Personalmangel und die fehlende Wertschätzung in Altenheimen und Krankenhäusern sind eine Katastrophe. Warum müssen Krankenhäuser Profit abwerfen? Warum steht der wirtschaftliche Aspekt immer über dem sozialen Aspekt? Der Mittelpunkt muss in dieser Sache ganz klar wieder der Mensch sein.“

Gleichzeitig sieht Hafner die zunehmend problematische Betreuung von Kindern kritisch. Hier müsse man endlich Synergien nutzen, sagt Hafner. „Alte Menschen strikt in Pflegeheimen und Kinder in Kindergärten unterzubringen, ist unnötig. Wir müssen Alt und Jung zusammenbringen, damit sie voneinander profitieren. So könnte man langfristig den Personalmangel in beiden Bereichen entlasten.“

Lokale Themen für den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021

An Wochenenden ist Hafner gerne in der Eifel unterwegs. Die Maare, Schluchten und Wasserfälle verzaubern sie immer wieder. Diese Ruhe und Vielfalt müsse um jeden Preis erhalten bleiben, sagt Dorothea Hafner:

„Wir leben in einer Region, in der andere Leute Urlaub machen. Das ist purer Luxus. Gleichzeitig sind wir aber auch vom Tourismus abhängig. Unzählige Betriebe in der Eifel brauchen zwingend eine gesunde Natur. Vor allem die Wälder müssen wieder vielfältiger und stärker werden, um den Aufgaben unserer Zeit gewachsen zu sein“.

Auch die Mobilität spiele hier laut Hafner eine große Rolle. Endlich mehr ÖPNV in der Eifel und sinnvolle Alternativen zum Auto. „Ohne Auto ist man bei uns oft aufgeschmissen. Dabei gibt es so viele Ansätze, das Problem anzupacken. Mitfahrer-Apps, leicht zugängliche Mietfahrzeuge oder Mitfahrerbänke können helfen, dass nicht jeder Erwachsene ein eigenes Auto braucht.“

Dorothea Hafner will den Kleinbauern helfen

Ein weiteres, typisch grünes, Thema ist für Hafner die Landwirtschaft. Vor elf Jahren ist sie zusammen mit ihrem Mann in ein Bauernhaus gezogen und hat das Grundstück in einen blühenden Garten verwandelt. Wildblumen und Kräuter mischen sich zwischen Salat, Möhren, Tomaten und Sellerie. Für die Bauern der Region hat sie ziemlich konkrete Pläne:

„Wir müssen den Kleinbauern aktiv helfen, um der Massenproduktion die Stirn zu bieten. Die Bauern brauchen mit regionaler Direktvermarktung und Genossenschaften eine Chance, angemessen Geld zu verdienen, ohne den Preiskampf der Molkereien und Discounter. Auch der biologische Anbau und die biologische Tierhaltung müssen weiter gefördert und zugänglicher gemacht werden.“

Sie selbst ist seit fast 30 Jahren Vegetarierin. Das sei eine zutiefst persönliche Entscheidung, wie sie sagt: „Die Bilder aus der Massentierhaltung lassen einen nicht mehr los. Man fragt sich wirklich, wo wir als Gesellschaft angekommen sind. Ich möchte niemanden missionieren, aber man sollte schon überlegen, wo das Fleisch auf dem Teller herkommt. Weniger und dafür besseres Fleisch sollte zumindest eine Möglichkeit sein.“

Wie die Grüne Dorothea Hafner zur Politik kam

Hafner war lange nicht aktiv in der Politik tätig. Aber nach der Geburt ihrer Kinder habe sie die Augen nicht mehr verschließen können. Besonders die Tierhaltungs- und Umweltskandale der 90er hätten sie wachgerüttelt:

„Ich mache keine Politik für mich, denn ich habe den Großteil meines Lebens gelebt. Ich mache Politik für meine Kinder, Enkel und Urenkel. Ich wünschte, ich könnte ihnen jetzt schon eine unbeschwerte und sichere Zukunft garantieren. Aber schon heute spürt man die gravierenden Veränderungen um uns herum. Die Natur verändert sich schneller, als wir uns als Menschen anpassen können. Und sie wird sich weiter in rasantem Tempo ändern, wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen.“

Bei der Bundestagswahl 2021 am 26. September bewerben sich als Direktkandidaten für den Wahlkreis 202 Eifelkreis/Vulkaneifelkreis und Teile vom Kreis Bernkastel-Wittlich: Clemens Ruhl aus Pelm (ÖDP), Markus Riebschläger aus Gillenfeld (Die Partei), Oliver Eisinger aus Wittlich (WiR2020), Patrick Schnieder aus Arzfeld (CDU), Lena Werner aus Wittlich (SPD), Beate Härig-Dickersbach aus Pelm (AfD), Dorothea Hafner aus Gerolstein-Oos (Bündnis 90/Die Grünen), Manuel Eppers aus Herforst (Die Linke), Christoph Lutz aus Trier (dieBasis), Ralf Markus Berlingen aus Daun (FDP) und Petra Fischer aus Oberkail (Freie Wähler).

(axw)