In vier Jahren einmal um die Welt gerudert

In vier Jahren einmal um die Welt gerudert

Das tägliche Training eines Spitzenruderers ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Für den Trierer Richard Schmidt haben sich die Mühen gelohnt.

2012 wurde er Olympiasieger mit dem prestigeträchtigen Achter. Nun hat der 28-Jährige das nächste Ziel vor Augen: die Titelverteidigung 2016 in Rio de Janeiro. "Krass, wie lange es schon her ist". Richard Schmidt kann kaum glauben, dass seit seinem größten sportlichen Triumph bereits drei Jahre ins Land gezogen sind. 1. August 2012. Der Lake Dorney. 50 Kilometer westlich von London. Um 12.36 Uhr Ortszeit wird Schmidts Kindheitstraum wahr. Mit dem Deutschland-Achter rudert der heute 28-Jährige zu Gold.

Schmidt ist der erste und bislang einzige Trierer, dem ein Olympiasieg gelungen ist. Der Wirtschaftsingenieur-Student kann sich noch gut an den damaligen Tag erinnern. "Der Druck, den ich mir selbst gemacht hatte, war enorm. Als wir dann als Erster durchs Ziel gerudert sind, ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen. Das war Erleichterung pur. Die Siegerehrung, das Wiedersehen mit Freunden und der Familie - es waren tolle Momente."

Schmidts Lebensmittelpunkt ist Dortmund. Dort ist das Ruder-Bundesleistungszentrum beheimatet. Mit Ruderkollegen bildet er eine Wohngemeinschaft. Wenn Schmidt am Schreibtisch seines Zimmers sitzt, liegt die Goldmedaille neben ihm. 85 Millimeter Durchmesser, sieben Millimeter dick, 400 Gramm schwer - die Olympia-Auszeichnung ist weiterhin ein treuer Begleiter des Modellathleten. Etwas ungewollt. "Ich habe für die Medaille noch keinen richtig guten Platz gefunden", räumt der Trierer ein.

Der Trierische Volksfreund begleitet seine Karriere seit Jahren. "Im Jungen-Einer der Leichtgewichte bis 13 Jahre konnte Richard Schmidt nach einem beherzten Rennen den Sieg herausfahren" - so lautete im August 2000 ein Satz in einem Bericht über die südwestdeutschen Ruder-Meisterschaften. Schmidt war früh vom Erfolgsvirus infiziert. "Nach Siegen in den ersten Kinderrennen wollte ich auch bei den Junioren gewinnen. Später, nach Bronze und Silber bei der Junioren-Weltmeisterschaft, wollte ich unbedingt Gold." Und irgendwann zu Olympia.

"Mein Ehrgeiz wurde immer größer. Schon als Kind habe ich die Olympischen Spiele mit großen Augen und großem Interesse verfolgt", erinnert sich Schmidt, der dem RV Treviris Trier angehört.

Nach oben zu kommen, ist enorm schwer. Oben zu bleiben, ist eine nochmals größere Herausforderung. Das spürt der 1,91 Meter große und 96 Kilo schwere Spitzensportler in diesen Monaten. Schmidts nächstes großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2016. Schon jetzt wird ihnen alles untergeordnet. "Momentan kann ich nicht sagen, ob ich einen Platz für Rio haben werde. Das entscheidet sich erst in einigen Monaten. Jede Trainingseinheit ist ein Konkurrenzkampf mit den anderen Ruderern. Damit muss man klarkommen", macht Schmidt deutlich, dass neben körperlichen auch mentale Strapazen zu meistern sind.

In den Trainingshochphasen kommt einiges zusammen. Neben Kraft-, Stabilisations-, Aerobic- und Gymnastik-Einheiten legt Schmidt pro Woche rund 200 Kilometer im Ruderboot zurück. Macht in vier Jahren hochgerechnet eine Weltumrundung. Zu Wasser gelassen werden die Boote im Dortmund-Ems-Kanal. "Schwimmer zählen Kacheln, ich die Spundwandelemente links und rechts des Ufers", seufzt Schmidt. Die Monotonie als Feind des Spitzensportlers.
Für die kräftezehrende Vorbereitung muss Schmidt ordentlich futtern. Sein täglicher Kilokalorien-Umsatz ist drei- bis viermal so hoch wie bei einem Durchschnittsbürger. Entsprechend größer sind seine Portionen. "Wenn ich in der Uni-Mensa bin, muss ich mir manchmal ein zweites Mittagessen nachbestellen."

Abschalten kann Schmidt, wenn er zu Hause bei seinen Eltern in Trier ist. Dann schlendert er gerne durch die Stadt, geht ins Südbad oder läuft durch den Mattheiser Wald. Doch Besuche in der Heimat sind selten. Dabei vermisst er in Dortmund die Weinberge. Und manch alte Römerbauten. "Wenn man in Trier aufwächst, ist das alles selbstverständlich. Wenn man längere Zeit weiter weg lebt, merkt man erst, wie geschichtlich einzigartig die Stadt ist."