1. Meinung

Weinkolumne zur Moselromantik

Auslese : Die Rückkehr der Moselromantik

Wenn die Sonne richtig steht, es nicht zu bewölkt ist, aber dennoch ein zarter Dunst in der Atmosphäre hängt, dann bietet sich kurz vor der Auffahrt von der A 1 auf die A 602 Richtung Trier, in Höhe der Moselbrücke am Abend ein faszinierendes Panorama:  Die Mosel schimmert im rötlichen Licht des Sonnenuntergangs, im Dunst zeichnen sich zarte Pastellfarben ab – irgendwo hinter der Moselschleife blinken die Lichter von Trier verhalten.

Diesen Anblick kannten schon die berühmten Moselmaler wie William Turner oder George Clarkson Stanfield, die unsere Flusslandschaft im 19. Jahrhundert in ihren Gemälden interpretierten. Damals sprach man von der „Moselromantik“. Während gerade in Großbritannien die industrielle Revolution auf Hochtouren lief, die Welt immer technischer wurde, sehnten sich  die Bewohner der britischen Insel, jener „Mutter der Industrialisierung“, nach  Urtümlichkeit, nach Natur und Ruhe. Und die fanden sie in den romantischen Moselorten, natürlich mit dem dazugehörigen Getränk, dem Wein. Daran hat sich bis heute nichts geändert, denn Wein und Landschaft gehören zusammen. Der Riesling spiegelt diese mit Blick auf Turners Bilder eher pastellige Landschaft mit seinem feinen Charakter wunderbar  wider. Er ist auch ein urtümliches Getränk, das schon seit mehreren Jahrtausenden weltweit und auch an der Mosel angebaut wird.

Ein wenig fühlt man sich in diesen Zeiten an die Mosel-Romantik erinnert. Die Welt wird immer komplexer, durch das Internet und digitale Medien ist man rund um die Uhr erreichbar und man spürt – wie im 19. Jahrhundert –, dass sich  große Veränderungen anbahnen. Deshalb, sobald das Wetter es zulässt: den Picknickkorb und eine Flasche Riesling einpacken, sich ein schönes Plätzchen mit Blick auf die Mosel suchen und: das Smartphone ausschalten.

hp.linz@volksfreund.de