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Auslese: Weinkolumne heute: Asiatische Gerichte und Riesling

Auslese : Je schärfer, desto süßer

Die Weihnachtszeit mit ihren leckeren, aber oft auch recht wuchtigen, meist sehr traditionellen Gerichten ist vorbei. Der eine oder andere wird auf der Waage etwas zugelegt haben, zumal der sportliche Ausgleich wegen geschlossener Fitness-Center fehlt.

Deshalb lohnt es, sich gerade in diesen Tagen mit der asiatischen Küche zu beschäftigen. Sie betont Reis und Gemüse, Fleisch oder Fisch ist eher in kleineren Mengen vertreten, und sie zeichnet sich durch besonders raffinierte Saucen und Gewürze aus. Sie ist zudem sehr vielfältig, denn sie reicht von Japan über Kambodscha und Indien bis nach Afghanistan.

Ein idealer Begleiter dazu ist Weißwein, vor allem Riesling, wegen seiner Finesse und seiner Leichtigkeit. Als Multitalent gelten dabei fruchtsüße Rieslinge, die viele asiatische Würzmischungen – von salzig bis süß-sauer – sehr gut ausgleichen. Besonders bei den süß-sauren Gewürzmischungen kommen bei fruchtsüßen Rieslingen manche versteckten Aromen heraus, die man gewissermaßen „überschmeckt“, wenn man sie pur trinkt.

Was überrascht: Die manchmal sehr scharfen Gerichte aus der indischen Küche, die auf Pfeffer- und Curry-Noten setzt, lassen sich gut mit Beeren- oder gar mit Trockenbeerenauslesen kombinieren, also Weinen, die in unserer Küche eher als Dessertweine gelten. Je schärfer das Gericht, desto süßer sollte der Wein sein. In vielen Ländern Asiens ist die Sojasauce beliebt. Sie hat einen sehr eigenen, sehr intensiven Geschmack, der manchmal mit frisch geschnittenen Frühlingszwiebeln verstärkt wird. Auf den ersten Blick scheint es schwierig zu sein, dazu einen passenden Wein zu finden. Aber auch für diese Kombination gibt es einen spannenden Partner: einen schon etwas überreifen Riesling. Es lohnt sich daher, einmal in die hinteren Regale im Keller zu schauen und zu einem schon etwas betagteren Riesling ein Gericht mit Sojasauce zu kochen.

hp.linz@volksfreund.de