Vitelliusbad: Auf ein Cabriodach verzichten

Vitelliusbad : Auf ein Cabriodach verzichten

Zum Bericht im TV vom 8. Juli von den Rekordbesucherzahlen im Juni 2019 und im Juli 2018 im Vitelliusbad schreibt dieser Leser Die Berichte zeigen, dass das Wittlicher Freibad auch im jetzigen Zustand, obwohl in den letzten Jahren nur noch notwendigste Reparaturen erfolgten, ungebrochen viele Besucher anzieht. Dennoch habe ich den Ruf nach einer Modernisierung seit Jahren wiederholt unterstützt. Dabei geht es mir (fast) ausschließlich um energetische Verbesserungen. Die anfängliche Vorstellung war, dass die im UG des Hallenbades untergebrachte Technik ausgebaut und durch neue effiziente Technik ersetzt wird. Dann hätten die gesamten Gebäude- und Beckenanlagen bis auf notwendige Beton-Sanierungen, Reparaturen und Verbesserung der Wärmedämmung so bleiben können. Einen Neubau des Hallenbades – ähnlich der aktuellen Planung -für eine kombinierte Nutzbarkeit von Hallen- und Freibad in der Freibadsaison - halte ich besonders bei Verständigung auf nachstehende Nutzungsvorgaben auch energetisch - für sinnvoll: Beheizung des Freibades: ausschließlich mittels regenerativer Energie: hauptsächlich durch thermische Solaranlage, unter Verzicht auf fossile Energieträger, jedoch Inkaufnahme sinkender Wassertemperatur bei bedecktem oder regnerischem Wetter. (Der Wirkungsgrad einer ausreichend dimensionierten Solaranlage ist gerade nach abgesunkener Beckentemperatur hoch, und kann gut zum günstigen Ausgleich von wechselhaftem Wetter beitragen.) Beheizung des Hallenbades: ganzjährige und wetterunabhängige garantierte übliche Bade-Wassertemperatur. Auf dieser Nutzungsvorgabe könnte meines Erachtens auch über die energetisch bedingte Forderung der Förderbehörde nach Reduzierung der Wasserfläche für das Freibad neu verhandelt werden, da die energetische Begründung entfällt. Auf dieser Grundlage könnte meines Erachtens auch die gesamte Freibadbeckenanlage nicht nur umfänglich, sondern auch baulich bleiben, abgesehen von einer Anpassung beziehungsweise Arrondierung an das neue Hallenbadgebäude. Auf ein Cabriodach sollte man verzichten: Da im Cabriodachbereich keine thermische Solaranlage installiert werden kann, womit sich entsprechend des Umfangs der solaren Beckenbeheizung reduziert. Trotz spezieller pneumatischer Abdichtung ist die Wärmedämmung schlechter als bei einem herkömmlichen Dach und die Dichtigkeit – zum einen die innere Luftdichtigkeit, als auch die äußere Schließdichtigkeit gegen Luftzug und Kälte, an der Anschlussstrecke rundherum gefährdet. Nach Ablauf der Gewährleistung besteht das Risiko, dass verschleißbedingte und alterungsbedingte Undichtigkeiten aufwändig zu reparieren sind. Nach einer gewissen Alterung wird vermutlich die gesamte Abdichtung erneuerungsbedürftig, was mehrmals innerhalb der Gesamtnutzungsdauer des Bades nötig werden kann. In der Möglichkeit das Dach zur Herstellung einer gewissen Freibadatmosphäre auffahren zu können, sehe ich keinen Sinn und Nutzen, insofern die Badegäste zwischen den Optionen, Schwimmen im Freibadbecken oder in der Halle unter Beschattung durch das Dach, - optional bei geöffneter Seitenwand – wählen können. In der Hallenbadsaison würde auch bei vorhandenem Cabriodach eine Öffnung aus energetischen Gründen entfallen. Die Entscheidungsträger der Stadt Wittlich stehen mit dem Hallenbadneubau vor einer schwierigen, wichtigen Weichenstellung und Jahrhundertentscheidung, bei der nicht vorübergehende Neuigkeitseffekte, sondern Nachhaltigkeit, Klimaverantwortung, Schul- und Familienfreundlichkeit leitende Kriterien sein sollen. Selbst für eine Umplanung ist es nicht zu spät – das Ergebnis, mit dem die nächsten Generationen leben müssen, ist entscheidend. Rudolf Kemmer, Wittlich