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Gesundheit: Ein bisschen leiser, bitte

Gesundheit : Ein bisschen leiser, bitte

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Lydia Marx, Michael Herrmann, Christine Schaab und Lorenz Müller:

Systemrelevante Großeltern! Als Großmutter von vier Enkeln (zwei Kindergartenkinder und zwei Grundschulkinder) möchte ich einmal auf unsere Situation aufmerksam machen. Wir sind jederzeit bereit, unsere Enkel zu betreuen und zu bekochen. Unsere Kinder sind das Liebste, was wir besitzen.

Wenn die Schulen und Kindergärten wieder öffnen, sind wir durch die momentane Corona-Situation, insbesondere durch die neuen Mutationen, erheblich gefährdet. Es müsste in Schulen und Kindergärten wenigstens regelmäßig getestet werden. Es kann doch nicht sein, dass zu dem fehlenden Impfstoff auch noch zu wenige Tests zur Verfügung stehen.

Hiermit möchte ich im Allgemeinen und insbesondere die politisch Verantwortlichen auf diese Situation aufmerksam machen. Ohne Tests und ohne Impfungen sehen wir Alten uns schutzlos einer schweren Erkrankung ausgeliefert – die große stille Reserve, die nirgends genannt wird.

Lydia Marx, Korlingen

Meine Frau und ich, beide über 80, sind bei der Impfterminvergabe seit 15. Januar registriert. Nach gut vierwöchiger Wartezeit hoffte ich, beim Info-Telefon eine wie auch immer approximative Auskunft zu erhalten über die Terminaussichten für die nächsten Wochen oder Monate. Antwort: keinerlei Auskunft möglich, weder über mögliche Termine, noch über die Aussichten für mögliche Termine. Man fühlt sich erinnert an einen alten DDR-Witz: „Gibt es hier keine Betttücher? Nein, keine Betttücher gibt’s im ersten Stock.“ Sinngemäß übertragen : „Keine Auskunft gibt’s am Info-Telefon.“

Michael Herrmann, Trier

Als Inhaberin eines kleinen kreativen Einzelhandelsgeschäftes in der Trierer Neustraße nehme auch ich, wie viele andere Betroffene, die Verlängerungen des Lockdowns stillschweigend zur Kenntnis, versuche auf Online-Wegen wenigstens mit einigen Kunden in Kontakt zu bleiben und nutze ansonsten die Zeit, meine drei Kinder geduldig durch die Zeit des Home-Schoolings zu begleiten.

In den letzten Tagen wächst jedoch mein Unmut, wenn in den Medien fast überall die Friseure im Vordergrund stehen und man den Eindruck gewinnen kann, dass es dieser Branche mit Abstand am schlechtesten geht und ein schnelles Wiedereröffnen dringend erforderlich ist.

Ich freue mich ganz ehrlich für jeden, der mit seinem Beruf schnell wieder Geld verdienen, seine Angestellten aus der Kurzarbeit zurück holen, seine Kunden glücklich machen kann – aber geht es nicht ein bisschen leiser?

Es gibt so viele Branchen, etwa Gastronomie und Hotellerie, die schon viele Wochen länger ihre Betriebe geschlossen halten müssen, ohne Aussicht auf baldige Wiedereröffnung.

Die Kulturbranche und alle, die davon abhängig sind, die selbst, als wir Einzelhändler im letzten Sommer zeitweise wieder ein kleines Gefühl von Normalität hatten, weiterhin keine Einnahmen hatten.

Bereiche im Einzelhandel, denen die Ware verdirbt und die jetzt schon hellseherisch in die Zukunft schauen müssen, wie viel Ware sie für den nächsten Winter ordern.

Vergessen darf man auch nicht, dass in vielen Bereichen der Onlinehandel zu einem immer größeren Problem werden wird, je länger der Lockdown dauert. Möglicherweise können sich die Kunden bald nicht mehr daran erinnern, wie schön es doch war, durch belebte Innenstädte zu bummeln und werden es vielleicht auch in Zukunft nicht vermissen und ihre Ware lieber im Internet bestellen?

Aber einen Haarschnitt kann und wird man sich nicht online bestellen können und die Haare hören auch nicht auf zu wachsen. So denke ich, dass sich das Friseur-Handwerk doch ziemlich sicher sein kann, dass die Kunden wieder strömen wie eh und je und einfach leise aufmachen – wir anderen warten dann noch ein bisschen.

Christine Schaab, Trier

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, dieser faszinierende erste Satz im Grundgesetz wird nun auch beim Buhlen um den Impfstoff mit Füßen getreten. Trotz einiger Initiativen, allen Menschen genügend Impfstoff zur Verfügung zu stellen, sichern sich die reichen Länder und Zusammenschlüsse einen Großteil des begehrten Stoffs. Eine Politikerin meinte dazu geradezu gönnerhaft, man könne ja, falls etwas übrig bleibe, an arme Länder verschenken. Dieses „wir zuerst“ und wenn dann etwas übrig bleibt auch arme Länder ist nicht nur inhuman und unsolidarisch, es ist auch einfach dumm und ignorant.

Es muss Ziel sein, möglichst viele Menschen weltweit zu impfen. Zum einen, weil das Humanität und Respekt vor Menschenleben gebietet, zum anderen aber auch, weil es darum gehen muss, Mutationen soweit möglich (?) zu begrenzen.

Uns nützt es nichts, wenn hier alle geimpft sind, in Südafrika aber zum Beispiel, mangels Impfstoff, die Pandemie weiter wütet. Die Mutationen werden eventuell nicht durch die jetzt gefundenen Impfstoffe behandelt werden können, zumindest nicht auf lange Zeit hin. Und Grenzen interessieren das Virus in einer globalisierten Welt nicht. Die Aufhebung von Patentschutz auf lebenswichtige Medikamente muss auch armen Ländern den Zugriff erleichtern.

Der schöne Satz „von der Würde des Menschen“ muss weltweit gelten, diese Utopie lasse ich mir nicht ausreden. Das Coronavirus hat deutlich gezeigt, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Uns fällt sonst unsere Ignoranz und Herzlosigkeit so was von auf die Füße, aber darin sind wir ja spitze.

Lorenz Müller, Aktion 3%, Föhren