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Kriminalität
Erschreckend, unerträglich

Zum Artikel „,Alle Juden müssen sterben’“ (TV vom 29. Oktober) schreiben Prof. Dr. Silja Graupe und Rolf Gänz:

Es ist erschreckend und vollkommen inakzeptabel, wie der Trierische Volksfreund die Ansichten eines Massenmörders und Antisemiten in den Mittelpunkt seiner Berichterstattung stellt.

„Alle Juden müssen sterben“, lautet ohne jede Spur von Kritik oder erklärender Einbettung die Überschrift zur Berichterstattung der schrecklichen Geschehnisse in Pittsburgh. So wird dem Mörder und seinen schrecklichen Fantasien eine prominente Bühne geboten. Dies setzt sich nach dem Titel am Eingang des Artikels bruchlos fort. Auch hier finden sich diese Fantasien vermischt mit einem wirren Verschwörungsglauben unreflektiert wiedergegeben – und zwar so, als wären sie es, die der gesamten Berichterstattung einen erklärenden Rahmen bieten könnten! Eine solche Verrohung des Journalismus macht uns fassungslos. Wem möchte man eine Bühne bieten? Den Opfern? Den Helfern? Der Zivilgesellschaft, die mit furchtbaren Taten wie dieser ringt? Den politischen Taten, die folgen müssen? Oder dem Täter? Der Trierische Volksfreund hat sich für Letzeres entschieden. Man muss in keiner Weise die deutsche Geschichte und unsere besondere Verantwortung betonen, die wir Deutschen seit dem Dritten Reich als Volk tragen, um zu erkennen, dass dies unerträglich ist. Es reicht dafür aus, ein Mensch mit Takt und Mitgefühl zu sein.

Prof. Dr. Silja Graupe, Rolf Gänz, Bernkastel-Kues