Klima: Falsche Hoffnungen

Klima : Falsche Hoffnungen

Zum Artikel „Pack die Sonne in den Tank!“ (TV vom 16. Juli) schreibt Frank Baumhardt:

Die Herstellung von Kraftstoffen und auch Wasserstoff aus elektrischer Energie ist sicherlich eine interessante technische Möglichkeit, um überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu speichern. Allerdings sollte das Potenzial dieser Technik nicht überbewertet werden. Das größte Problem sind  die Umwandlungsverluste von der hochwertigen elektrischen Energie in chemische Energie. So wird derzeit bei der Umwandlung Power to Gas mit einem Wirkungsgrad von 55 bis 60 Prozent gerechnet. Das heißt, dass fast die Hälfte des erzeugten Stromes verloren geht. Bei der Herstellung, dem Transport und der anschließenden Verbrennung in Motoren ergäbe sich dann nur noch ein Wirkungsgrad von 13 Prozent.

Einige Gedanken zu den Möglichkeiten: Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beträgt der Gesamtenergieverbrauch im Sektor Mobilität 2017 circa 765 TWh (Terawattstunden), bei einem Wirkungsgrad von 13 Prozent ergäbe sich dann ein Energiebedarf von circa 5884 TWh elektrischer Energie, um diese Energiemenge mit E-Fuel abzudecken. Die Gesamtstromerzeugung in Deutschland 2018 beträgt aber nur circa 650 TWh. Ohne einen Input aus wind- und sonnenreichen Ländern außerhalb von Europa wäre eine Energieversorgung mit unserem derzeitigen System durch E-Fuels unmöglich, würde aber wieder zu einer Abhängigkeit wie bei Erdöl führen.

Die größten Probleme bei E-Fuels stellen die Verbrennungsmotoren dar, deren Wirkungsgrade maximal zwischen 30 und 40 Prozent liegen. Wohingegen sich in einem batterieelektrischen Fahrzeug circa 70 Prozent des erzeugten elektrischen Stroms direkt nutzen ließen. Eine Verbesserung des Wirkungsgrades bei Verbrennungsmotoren ist technisch kaum noch möglich und durch die Gesetze der Thermodynamik begrenzt, ist daher der größte Hemmschuh. Wohingegen in batterieelektrischen Fahrzeugen noch große Entwicklungsmöglichkeiten stecken. Auch bei Wasserstofffahrzeugen ist die verlustreiche Umwandlung von elektrischer Energie zu Wasserstoff notwendig, wenn der Wasserstoff nachhaltig und nicht aus Erdgas erzeugt werden soll. Trotzdem sollte die Technologie des Power to X weiterverfolgt werden, allerdings als Speichertechnologie für überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien.

Der Verkehrssektor ist einer der größten CO2-Verursacher in Deutschland, und es wird keinen bequemen Weg geben, hier etwas zu ändern. Der Artikel weckt dahingehend falsche Hoffnungen.

Dipl.-Ing. (FH) Frank Baumhardt, Pelm