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Regionale Wirtschaft
Hochkarätiges in Hülle und Fülle

Zum Artikel „Wein und Kultur sollen mehr Touristen in die Region locken“ (TV vom 19. September) schreibt Tobias Scharfenberger:

Die Region und Rheinland-Pfalz insgesamt bräuchten mehr solcher hochkarätiger Kulturveranstaltungen, wird Gereon Haumann zitiert.

Die Region und Rheinland-Pfalz haben, sehr geehrter Herr Haumann, seit nunmehr 33 Jahren mit dem Mosel Musikfestival ein von meinem Vorgänger Hermann Lewen visionär gegründetes, hochkarätiges, leider (wie fast alle anderen unserer Festivalkollegen auch) unterfinanziertes und von weiten Teilen des Tourismus ignoriertes Destinationenfestival, das alljährlich zwischen 50 und 65 Kulturveranstaltungen auf alleroberstem Niveau bietet. Gegründet aus genau dem Grund, das touristische Angebotsspektrum zu erweitern.

Mittlerweile haben wir: Nibelungen-Festspiele Worms, Eifel-Literaturfestival, Burgfestspiele Mayen, RheinVokal-Festival am Mittelrhein, Villa Musica Rheinland-Pfalz, Mittelrhein Musik Festival, Internationale Konzerttage Mittelrhein, Internationales Musikfestival Koblenz, International Guitar Festival & Academy Koblenz und NatureOne.

Wir verfügen über zahlreiche Unesco-Weltkulturerbestätten, eine reiche Landschaft an Stadt- und Staatstheatern, Sinfonie- und Kammerorchestern, um die andere Nationen uns beneiden, eine staatliche Musikhochschule, herausragende Museen, Kulturkarawane, Landesausstellungen, Jazzclubs, soziokulturelle Zentren, die Außerordentliches anbieten und leisten. (Diejenigen die ich jetzt auf die Schnelle nicht erwähnt habe, mögen es mir verzeihen).

Wir brauchen nicht noch mehr „solche hochkarätigen Veranstaltungen“, denn wir haben sie in Hülle und Fülle. Wir benötigen nur endlich eine gegenseitige Kenntnis und Wertschätzung dessen, was da ist, und einen Masterplan und eine gemeinsame Strategie, die diese fantastischen Angebote im Land und über die Landesgrenzen hinaus gezielt anbietet, bewirbt und vermarktet. Das muss auf zeitgemäßen Kanälen und in einer entsprechenden Ansprache geschehen.

Es braucht vor allen Dingen auch ein ausreichendes, attraktives und qualitativ hochstehende Hotel- und Restaurantangebot, sodass wir unseren Festivalgästen und -künstlern nicht immer erklären müssen, dass nach einer Veranstaltung bereits um 21.30 Uhr die meisten Küchen geschlossen haben. Sprechen Sie mit den Kultur­anbietern. Es geht bei den kulturellen Veranstaltungen überhaupt nicht um mehr Wachstum, sondern um Identifikation mit dem und Kenntnis dessen, was tatsächlich bereits an kulturellem Reichtum im Land vorhanden ist. Es ist mehr als genug, um nicht nur den Tourismus voranzubringen!

Tobias Scharfenberger, Geschäftsführender Intendant Mosel Musikfestival, Bernkastel-Kues