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Energie
Stoppt den Raubbau, stoppt die Raffgier!

Zum Artikel „Schartz verteidigt Rodungen“ (TV vom 21. September) und zum Hambacher Forst schreibt Elmar Kohl:

Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg, hat im Jahr 2017 als RWE-Aufsichtsrat laut Vergütungsbericht des Unternehmens 120 000 Euro erhalten. Im TV bezeichnet er die Besetzungen des Hambacher Forsts als nicht akzeptabel und verteidigt das rigorose VoR(WEg)gehen zur Rodung mit dem Argument, als Industrieland sei Deutschland auf eine bezahlbare und sichere Energieversorgung angewiesen.

Ihm ist es anscheinend egal, wie dreckig die Energie erzeugt wird.  Hauptsache, die Schornsteine rauchen kräftig und die Euros rieseln weiter reichlich in die Taschen von (Kommunal-)Politikern und Gewerkschaftsbossen (Verdi-Chef Frank Bsirske erhielt als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats 2017 satte 400 000 Euro vom RWE). Da schwillt doch jedem Bürger mit einem kleinem Einkommen oder einer kleinen Rente der Hals!

Der TV hat in der Vergangenheit immer wieder über die noch vorhandenen Aktienpakete der hiesigen Landkreise berichtet, zum Beispiel im August 2017. Herr Schartz traf damals über die RWE-Aktien die Aussage: „Aussicht auf langfristig stabile Dividenden“. Den wahren Grund, warum der RWE-Aufsichtsrat immer noch an den Anteilen festhält, nannte der TV in einem Kommentar: „Schließlich wäre der Posten irgendwann weg, wenn die Aktien weg wären.“

Laut diesem Bericht im August 2017 verfügten die Landkreise über folgende Aktien: Kreis Trier-Saarburg 297 210, Eifelkreis Bitburg-Prüm 556 136, Kreis Bernkastel-Wittlich 413 201, Vulkaneifelkreis 242 920, Stadt Trier null Aktien. 1,2 Millionen Aktien wurden 2007/08 für rund 71 Millionen Euro verkauft. Damals war der Wert fast viermal so hoch.

Kann durch das Roden des Hambacher Forsts der Wert der RWE-Aktien noch wesentlich steigen? Ich glaube nicht, denn in der „Geiz ist geil“-Zeit findet man die RWE-Produkte bei Preisvergleichen meist abgeschlagen hinter vielen Mitbewerbern. Ein rasanter Kursanstieg ist unwahrscheinlich,  die Landkreise werden wohl noch lange auf fette Dividenden warten.

Angesichts des nicht mehr zu leugnenden Klimawandels mit Gletscherschmelze, Meeresspiegelanstieg und dem Auftauen von riesigen Permafrostgebieten am nördlichen Polarkreis, welches zu gewaltigen Kohlenstofffreisetzungen führen wird, finde ich die Untätigkeit unserer Politiker nicht nur unverantwortlich gegenüber den Menschen auf den Atollen im Pazifik, denen schon jetzt das Wasser bis zum Hals steht, sondern auch gegenüber unseren nachfolgenden Generationen, die sich auf Migrationsströme von Menschen aus den überschwemmten Gebieten in unvorstellbaren Ausmaßen einstellen müssen. Hungersnöte durch die weltweite Überschwemmung der fruchtbarsten landwirtschaftlichen Nutzflächen an den Meeresküsten werden diese Probleme zusätzlich verstärken.

Daher gilt mein Respekt und meine Unterstützung den Leuten, die ohne jegliches Gewinnstreben seit Jahren den Hambacher Forst, in unser aller Interesse, friedlich verteidigen. Die Rote Karte bei den nächsten Wahlen hingegen für alle untätigen (Kommunal-)Politiker und Funktionäre, die an veralteten, lebensgefährlichen Formen der Energieerzeugung festhalten, die Misswirtschaft von Konzernen und Kommunen unterstützen oder mittragen und auf unser aller Kosten kräftig in die eigene Tasche wirtschaften!

Elmar Kohl, Piesport