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leserbriefe
Unreflektierte Ärzteschelte

Zu den Artikeln „In der Region nehmen Ärzte keine Abtreibungen mehr vor“ und „Der schwierige und lange Weg zur Abtreibung“ (TV vom 31. August) sowie zu einem Leserbrief unter der Überschrift „Frauen, schämt euch!“ (TV vom 8./9. September) schreibt Joachim Sels:

Ich habe die Berichterstattung über Abtreibungsmöglichkeiten im Großraum Trier gelesen. Die Kritik von Gaby Mutmann-Klassen an den Äußerungen der Mediziner kann ich nicht nachvollziehen. Es wurde ganz allgemein von Möglichkeiten der Verhütung gesprochen. Ich glaube kaum, dass ein seriöser Mediziner in einem solchen Statement die von Männern zu benutzenden Kondome nicht auch als Verhütungsmöglichkeit selbstverständlich einschließt. Schließlich ging es im Artikel nicht um Verhütung, sondern primär um Abtreibung. Und die Ursachen von ungewollter Schwangerschaft sind mannigfaltig, zwei der besonders tragischen wurden durch den Arzt beispielhaft genannt.

Letztendlich kann nur die Frau alleine entscheiden, ob der Mann verhüten muss oder nicht. Denn nur sie selbst weiß – entsprechende Aufklärung vorausgesetzt –, ob eine zusätzliche Verhütung durch den Mann erforderlich ist oder nicht. Im Falle des genannten One-Night-Stands scheint mir die ungewollte Schwangerschaft sogar noch unverständlicher. Manche Menschen träumen heute scheinbar immer noch von den aids- und gebärmutterhalskrebsfreien 60er Jahren, wenn sie mit unbekannten Partnern Sex haben.

Denn aus Gründen der vielen Infektionsmöglichkeiten ist bei spontanem Sex auch ganz losgelöst von der Verhütungsfrage die Benutzung des Kondoms angeraten (Aids, Gebärmutterhalskrebs, Syphilis, um nur einige der gefährlicheren zu nennen).

Also aufgemerkt: Unreflektierte Ärzteschelte mag zwar feministisch korrekt sein und bedient auch perfekt unsere täglich gepflegte Empörungskultur, richtiger wird sie dadurch aber auch nicht.

Joachim Sels, Ralingen