1. Meinung

Wer oder was ist Guter Heinrich

Wer oder was ist Guter Heinrich

Die ersten Wildkräuter für die Gnocchi sprießen. Gnocchi sind diese aus gekochten Kartoffeln, Mehl, Ei und viel Salz zusammen gemengten Klöße aus Bella Italia.

Ich mische zwei, drei Hände voll klein gehackte Brennnesselspitzen, Gierschblätter, so lange sie noch jung und zusammengefaltet sind, sowie den Guten alten Heinrich unter. Die Blattrosetten des spinatähnlichen Blattgemüses sind in diesem milden Winter munter weiter gewachsen. Damit ist mir der Vitamin-C-Lieferant fast noch lieber als Spinat.

Lange bevor der ursprünglich im Iran in Kultur genommene Spinat die Gärten Mitteleuropas eroberte, hatten Guter Heinrich, Gartenampfer, Melde und Mangold die mittelalterliche Gartenszene dominiert. Mit dem zarten Blattgemüse - geschmacklich feiner, höher im Ertrag und schneller zu kultivieren - erwuchs ihnen ernsthafte Konkurrenz. Verdrängungswettbewerb würde man das heute nennen. Ein Produktmanager hätte das Knock-out-Kriterium schnell analysiert: Eine völlig überalterte Imagekampagne.

Märchenerzähler und Sprachwissenschaftler Jakob Grimm erklärte den Leuten, dass sich Heinrich vom germanischen König des Hages ableitete, und das war nichts anderes als ein Heinzel. "Wollen Sie einen Kobold mit platten Gänsefüßen im Garten stehen haben, der sich einem Haushalt anschließt, um dort nach dem Rechten zu sehen?!", würden Werbestrategen auf Facebook posten. Mir gefällt's - den Guten Heinrich im Gemüsegarten wachsen zu sehen.

Und es gibt immer mehr Küchengärtner, die das unverwüstliche Blattgemüse schätzen. Nichtsdestotrotz soll auch der Spinat seine Reihen bekommen. In milden Lagen beginnt jetzt die Aussaat. Junge Blättchen landen schon bald im Salat - na, klar, italienischer Insalata mista.

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