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Alte Obst- und Gemüsesorten punkten mit Vielfalt im Geschmack

Topinambur und Sternrenette : Alte Sorten bringen Vielfalt auf die Zunge

(sop) Gartenliebhaber, die neben den üblichen Verdächtigen wie Schlangengurke und Cocktailtomate auch einmal ungewöhnliche Sorten ausprobieren wollen, stoßen unter historischen Sorten geradewegs auf vergessene Exoten.

Gute Luise und Ochsenherz kennt man als Birnen- und Tomatensorten noch, der Malabarspinat gibt ja im Namen Hinweise auf seine Zubereitungsart, aber bei Eiszapfen, Erfurter Dreienbrunnen und Hunderup braucht es schon etwas mehr Fantasie.

Oder eine Datenbank wie die für „Historisch genutztes Gemüse“. Das Projekt der Berliner Humboldt Universität listet Informationen zu 7000 alten Gemüsesorten auf, die zwischen 1836 und 1956 gebräuchlich waren. Die scheinbar große Auswahl relativiert sich aber, denn Dreiviertel der Sorten gelten als verschollen – ihr Saatgut ist nicht aufzufinden. Da ein weiteres Sechstel nur in Genbanken oder bei Saatgutinitiativen lagert, gelten diese Arten als gefährdet. Die verbleibenden neun Prozent werden noch gehandelt. Da ist dann von lila Karotten, nussigem Topinambur oder zarten Mairüben viel Abwechslung möglich.

Für den Obstgarten oder die Streuobstwiese, gerade wenn es Sorten sein sollen, die regional angebaut wurden, können Hobbygärtner mit dem Roten Trierer Weinapfel, der Metzer Mirabelle oder der Bühlertaler Frühzwetschge Vielfalt pflanzen. „Alte Sorten decken viele Geschmacksbereiche ab und bieten zwischen süß und sauer eine größere Bandbreite“, sagt Harry Lavall, Fachberater für Obst- und Gartenbau des Saarpfalzkreises. Andererseits sind alte Sorten nicht zwangsläufig besser als neue Züchtungen. „Viele alte Sorten existieren heute mit Fug und Recht nicht mehr, beispielsweise, weil sie zu anfällig für Krankheiten waren“, erklärt Lavall. Empfehlen kann der Experte die Apfelsorte Boskoop, deren Früchte säuerlich im Geschmack sind, und sich zum Lagern als auch zum Kochen eignen. Lavalls persönlicher Favorit ist aber die Rote Sternrenette. „Das ist ein kleiner Apfel mit rot marmoriertem Fruchtfleisch, robust und gut schmeckend.“

Birnenliebhaber haben es schwerer, da die Früchte alter Sorten schnell verbraucht werden müssen. Wer lagern will, kann die Sorte Alexander Lucas in Betracht ziehen. Was Apfel und Birne gleichermaßen benötigen – egal, ob alte oder neue Sorte –, ist die Kronenerziehung durch Schnitt und das frühe Entfernen von Misteln.

 Ein Apfel der Sorte Roter Trierer steht am Donnerstag (13.10.2011) in Frankfurt am Main auf dem Hof der Kelterei Possmann auf dem Rand einer Kiste. Die hessischen Kelterer erwarten aufgrund des warmen Frühjahrs eine gute Apfelernte 2011. In Hessen werden pro Jahr rund 65.000 Tonnen Kelteräpfel zu Apfelwein verarbeitet. Foto: Marc Tirl dpa/lhe  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Ein Apfel der Sorte Roter Trierer steht am Donnerstag (13.10.2011) in Frankfurt am Main auf dem Hof der Kelterei Possmann auf dem Rand einer Kiste. Die hessischen Kelterer erwarten aufgrund des warmen Frühjahrs eine gute Apfelernte 2011. In Hessen werden pro Jahr rund 65.000 Tonnen Kelteräpfel zu Apfelwein verarbeitet. Foto: Marc Tirl dpa/lhe +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: dpa/Marc Tirl

Datenbank „Historisch genutztes Gemüse“ unter https://pgrdeu.genres.de/rlistgemuese
Broschüre „60 heimische Obstsorten im Überblick“ unter www.saarland.de/216298.htm