Benedikt, der deutsche Papst

ROM/TRIER. (dpa/sey) Joseph Ratzinger ist neuer Papst. Er gab sich den Namen Benedikt XVI. Damit ist erstmals seit rund 480 Jahren wieder ein Deutscher zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt.

Der neue Papst Bendedikt XVI. wurde von mehr als 100 000 Menschen auf Petersplatz in Rom stürmisch gefeiert. "Liebe Schwestern und Brüder, nach dem großartigen Papst Johannes Paul II. haben mich die Herren Kardinäle als einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn zum Diener der Kirche gewählt", sagte Joseph Ratzinger auf dem Balkon des Petersdoms. Er bat die Gläubigen um ihr Gebet und äußerte die Zuversicht, dass ihm Maria zur Seite stehen werde. Danach spendete er den päpstlichen Segen Urbi et Orbi (der Stadt und dem Erdkreis). Die im Konklave versammelten 115 Kardinäle hatten sich für den Deutschen, der im bayerischen Marktl am Inn geboren wurde, im vierten Wahlgang entschieden. Notwendig war eine Zweidrittelmehrheit, also mindestens 77 Stimmen. Die Entscheidung fiel nur 26 Stunden nach dem die Papstwähler in die Sixtinische Kapelle eingezogen waren. Um 17.50 Uhr stieg weißer Rauch aus dem Schornstein der Kapelle auf - die Entscheidung war gefallen. Zunächst schien unklar, ob es möglicherweise doch nur schwarzer Rauch gewesen sein könnte. Als Minuten später die Glocken des Petersdomes läuteten, blieb kein Zweifel mehr. Tausende Menschen strömten im Laufschritt zum Petersplatz, in den Straßen ertönte ein Hupkonzert. Der Verkehr brach streckenweise zusammen. Ratzinger hatte bis zuletzt als Favorit gegolten. Er ist der 265. Papst in der Kirchengeschichte und der achte Deutsche auf dem Stuhle Petri. Der Papst ist das Oberhaupt von weltweit über einer Milliarde Katholiken. Experten in Rom hatten nach drei ergebnislosen Wahlgängen schon über eine Spaltung der 115 Purpurträger in zwei Lager spekuliert. Ratzinger gilt wegen seiner theologischen Ansichten als Konservativer, der die Linie von Johannes Paul II. fortsetzen dürfte. In der Messe vor der Eröffnung des Konklaves hatte er der Anpassung des Glaubens an den Zeitgeist eine deutliche Absage erteilt und die "Diktatur des Relativismus" verurteilt. Er freue sich sehr, sagte gestern Abend der Trierer Bischof Reinhard Marx dem TV. Ratzinger sei ein "großer Theologe" und weltweit einer der brillantesten Köpfe der katholischen Kirche. "Es wird ein interessantes und bereicherndes Pontifikat", sagte Marx. "Wir katholische Christen im Bistum Trier freuen uns über den neuen Papst Benedikt XVI." Die Nachricht von der Wahl Ratzingers hat sich auch in Trier in Windeseile verbreitet. Einige Gläubige standen vor dem Dom, allerdings vor verschlossener Tür. Die Glocken des Domes hatten kurz nach 18 Uhr geläutet. Die Meinungen der vom TV befragten Passanten über die Wahl des als konservativ geltenden Kirchenmannes waren geteilt. Der Weltjugendtag in Köln hofft auf einen guten Draht des neuen Papstes Benedikt XVI. zur Jugend. "Wir sind überzeugt, dass der Papst ein enges und tiefes Verhältnis zur Jugend aufbauen wird", sagte der Generalsekretär des Weltjugendtags, Heiner Koch. Dort findet im August das Treffen von Jugendlichen aus aller Welt statt. "Wir freuen uns auf den damit verbundenen Besuch des Papstes", sagte Koch und gab sich damit überzeugt, dass Benedikt XVI. nach Köln kommen wird. Die Entscheidung für Joseph Kardinal Ratzinger sei richtungsweisend für die Kirche, sagte Koch. THEMEN DER ZEIT 3, 4