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Mehr als nur Gedenken: Antisemitismustagung in Trier

Forschung : Junge Wissenschaftler wollen mehr als nur Gedenken

An der Universität Trier ging es drei Tage lang darum, Antisemitismus zu erforschen und zu bekämpfen.

Bei der ersten interdisziplinären Antisemitismustagung für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an der Universität Trier haben Teilnehmer aus Deutschland, Großbritannien, Kroatien und Schweden ihre Forschungen zum Thema präsentiert. „Eine moderne Antisemitismusforschung kann den Forschungs­gegen­stand des Antisemitismus nicht handhaben wie jeden anderen. Sie muss vielmehr zum Ziel haben, den Gegenstand ihrer Forschung aktiv abzuschaffen“, sagte Lennard Schmidt, der stellvertretend für die Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA) gesprochen hat. Auch Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Anti­semitismus­fragen in Rheinland-Pfalz, wies in seinem Grußwort auf akuten Handlungsbedarf hin, neue Strategien zur Bekämpfung des Antisemitismus zu finden.

Das dreitägige Treffen gab den Teilnehmenden nicht nur die Möglichkeit, ihre eigene Forschung vorzustellen, sondern sich auch untereinander und mit Gästen zu vernetzen. Denn nur durch eine Vernetzung verschiedener Akteure aus Forschung und Zivilgesellschaft könne ein Begriff von Antisemitismus entstehen, der alle Facetten dieses vielschichtigen Phänomens betrachte, beschreibt Salome Richter, Mitglied der IIA, ein wichtiges Ziel der Tagung.

Es gab ein weites Feld von Vorträgen aus ganz verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen und Perspektiven. Die Forschungsvielfalt erstreckte sich über Themen wie israel­bezogenen Antisemitismus, Antisemitismus in popkulturellen Medien wie dem US-Hip-Hop und Videospielen bis zu Antisemitismus in der Frauenbewegung. Diese Themenvielfalt zeigt, dass das Phänomen sich in verschiedenen Gesellschaftsschichten und -bereichen findet und viele Facetten unseres Leben durchdringt.

Doch neben dieser düsteren Erkenntnis ist während der Tagung auch Hoffnung aufgekommen. Denn es scheint, als seien sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin einig gewesen, dass es diesen Antisemitismus zu bekämpfen gilt. Sie zeigten sich ermutigt, neue Ansätze zu finden und zu erforschen sowie sie in bildungspolitschen Konzepten unterzubringen.