Cyberkriminalitäts-Experte: „Das Katz-und-Maus-Spiel geht auf jeden Fall weiter“

Bunker in Traben-Trarbach : Cyberkriminalitäts-Experte: „Das Katz-und-Maus-Spiel geht auf jeden Fall weiter“

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit den Machenschaften in dem ehemaligen Bundeswehrbunker verfolgt er aufmerksam. Er bewertet es als großen Erfolg, dass es den Ermittlern offenbar gelungen ist, die gut gesicherten Server zu knacken und so an die Daten von Betreibern und Kunden illegaler Seiten zu kommen.

Und an die Betreiber der riesigen Serveranlage tief unter der Erde. Ihnen wird vorgeworfen, dort in dem Bunker einen sogenannten Bulletproof-Hoster betrieben zu haben. Bulletproof heißt übersetzt kugelsicher. Und diese Sicherheit wurden den Kunden des Unternehmens Cyberbunker versprochen. Ihre über die Traben-Trarbacher Server laufenden Seiten sollten sicher sein vor dem Zugriff von Fahndern und staatlichen Behörden. Über solche Bulletproof-Hoster werden alle Daten verschlüsselt und anonymisiert.

Und genau das mache die Ermittlungen in solchen Fällen so schwierig, sagt Moßbrucker. Dass es den Fahndern gelungen sei, sei eben bemerkenswert. Die Aktion reihe sich ein in die Riege der zahlreichen anderen erfolgreichen Ermittlungen gegen Betreiber illegaler Seiten im sogenannten Darknet. Und offenbar wird dieses dunkle Netz immer heller. Mittlerweile sei das Darknet nicht mit dem etwa vor fünf Jahren zu vergleichen, sagt der Experte. Zwar gebe es dort noch immer kriminelle Machenschaften. Aber längst nicht mehr so viel wie vor einiger Zeit. Studien zeigten, dass nur etwa ein Prozent des weltweiten Umsatzes im Drogenhandel über das Darknet erwirtschaft werde. Und bereits im Jahr 2014 waren von rund 31 000 kinderpornografischen Websites nur etwa 0,2 Prozent im Darknet zu finden.

Der Rest laufe über das „normale“ Internet, wo es auch jede Menge illegale Seiten gebe, die zum Beispiel über die Bulletproof-Hoster laufen. Die Kriminellen wollten es damit ihren „Kunden“ einfacher machen, sie zu finden. Ins Darknet kommt man hingegen vergleichsweise schwerer. Die in dem Traben-Trarbacher gefundene Anlage sei in Deutschland vermutlich eine der größten. Aber, so der Experte, in Russland oder China gebe es noch weitaus leistungsstärkere Bulletproof-Hoster.  Mit dem Zugriff vor drei Wochen hätten die Ermittler die komplette kriminelle Infrastruktur zerschlagen. Trotzdem, so vermutet er, werden die Machenschaften rund um das Unternehmen Cyberbunker noch lange nicht aufhören. Das Interesse krimineller Kunden bestehe weiterhin. „Das Katz-und Maus-Spiel zwischen Ermittlern und Kriminellen im Internet geht auf jeden Fall weiter.“

Jede erfolgreiche Ermittlung ziehe weitere Ermittlungen nach sich. Denn mit jedem illegalen Shop, über den Drogen oder Waffen im Internet verkauft werden, der vom Netz genommen werde, gelangten die Fahnder an Daten und Adressen, die dann zu weiteren Seiten führten. Das werde wohl auch im Fall des Traben-Trarbacher Bunkers so sein, glaubt Moßbrucker. Daher würden die seit 2015 laufenden intensiven Ermittlungen sicher noch weitere nach sich ziehen.

Derzeit müssen die Experten des Landeskriminalamtes und der Zentralstelle für Cyberkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz aber erst einmal die 290 beschlagnahmten Server katalogisieren. „Die eigentliche Auswertung der Server kann erst erfolgen, wenn anhand dieser Katalogisierung entschieden wurde, in welcher Reihenfolge dies erfolgen soll“, sagt der Leiter der Zentralstelle, Oberstaatsanwalt Jörg Angerer.

Auf den Servern dürften Millionen von Daten und Adressen gespeichert sein. Und alle verschlüsselt. Diese Verschlüsselung muss erst einmal geknackt werden. Ein mühsames, schwieriges Unterfangen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass den 13 Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Cyberbunker irgendwann der Prozess gemacht werden soll. Sieben von ihnen sind verhaftet worden. Das heißt, dass ein möglicher Prozess zeitnah erfolgen muss. Zuvor muss eine Anklage vorliegen. Dazu müssen die Vorwürfe gegen die Verdächtigen hieb- und stichfest sein.

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