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So war das Konzert von Pianist Finghin Collins im Kloster Karthaus in Konz  

Klavierkonzert : Musik, die nicht auftrumpft, sondern erzählt: So war das Konzert von Pianist Finghin Collins in Konz

Der irische Pianist Finghin Collins im Festsaal von Kloster Karthaus. So wunderschön war dieses Konzert:

„Brahms und Alban Berg liegen weit auseinander“, sagte Finghin Collins. Und spielte im Kloster Konz-Karthaus genau dagegen an. Unter den Händen des irischen Pianisten verbanden sich Bergs Sonate op. 1 und die späten Klavierstücke op. 119 von Johannes Brahms zu einem echten Gleichklang der musikalischen Ideen. Und die beiden h-Moll-Akkorde am Ende der Berg-Sonate und zu Beginn bei Brahms, sie waren wie ein  klingendes Scharnier – Abschluss und Auftakt zugleich. Collins spielte beide in großer Ruhe aus. Und beschwor damit jene kostbaren, herrlich schwebenden Momente, in denen die Zeit stillsteht und die Hörer den Atem anhalten.

Es war ein Höhepunkt in einem Konzert, das reich war an Schönheiten. Wie viel robuste und offensive Energie bringt Collins auf im Prélude und der Gigue von Bachs dritter Englischer Suite! Zu welchem Klangreiz entwickelt er die spätromantisch vage Harmonik der Sarabande im selben Werk! Gelegentlich beugt sich Collins weit über die Tastatur, als wolle er an Glenn Gould erinnern. Und vielleicht greift Collins’ Bach-Stil tatsächlich etwas auf von den Interpretationen des großen Kanadiers. Aber Collins kopiert nie. Er hat seinen eigenen, immer schlüssigen Stil. In den „Harmonies du Soir“, den „Abendharmonien“, bezieht er von Anfang an überzeugend Distanz zum Klischee des inhaltsleeren Virtuosen Liszt. Ja, diese Musik hat etwas von einem Breitwand-Gemälde. Aber damit verbindet sich ein Klang von atemberaubender Größe und Intensität. Collins muss dabei nichts demonstrieren. Wo Liszt eng und angestrengt wirken kann, da entfaltet sich dessen Musik bei ihm, als hätte sie Flügel. Und mit einem Mal war es, als entwickle sie sich weit über die Grenzen des eher kleinen, voll besetzten Festsaals Karthaus hinaus.

Und dann Schubert. Die vier Impromptus Deutsch-Verzeichnis 935 hat man auch als Klaviersonate verstehen wollen. Aber Collins versuchte erst gar nicht, diese Stücke in eine viersätzige Form zu zwingen. Sie stehen für sich – echtester Schubert mit all seinen Schönheiten und Eigenheiten. Die Musik kommt ohne lautstarke und virtuose Überredungskunst aus. Sie trumpft nicht auf, sondern erzählt. Sie löst Akkordschläge in fließende Melodielinien auf. Und vor allem: Collins  kann jenes melancholische Glücklichsein vermitteln, das bei Schubert einzigartig ist.  „Dem ist nichts hinzuzufügen“, sagte der Pianist zu Schuberts Kompositionen. Und spielte dann doch noch eine Zugabe seines irischen Landsmannes John Field (1732-1837). Es war das erste Konzert in Karthaus seit zweieinhalb Jahren. Auch das ein Anlass zu Freude und Genugtuung. Der Festsaal war mit 120 Besuchern voll besetzt.