Unesco-Weltkulturerbe in Trier: Neue Vorschläge für die Barbarathermen

Denkmalschutz : Wie geht es mit Triers Welterbe weiter?

Ein Dach bekommen die Barbarathermen wohl nicht – obwohl es dafür nun spannende Entwürfe gibt. Dennoch ist für das Trierer Römererbe so manches geplant.

Die Stimmen der Podiumsgäste hallen durch den hohen Schutzbau aus Glas und Stahl. Immer wieder bleiben oben Passanten stehen und schauen durch die riesigen Scheiben hinab auf die rund 100 Menschen, die sich zwischen den römischen Mauern der Viehmarktthermen Gedanken machen, wie sich die römischen Mauern der Barbarathermen am besten bewahren und präsentieren lassen. Eine einst prächtige römische Badeanlage, die heute als Ruinenfeld zwischen maroden Zäunen abseits des pulsierenden Herzens der Stadt liegt. „Die Thermen präsentieren sich nicht so, dass man da unbedingt hingehen müsste“, sagt TV-Chefredakteur Thomas Roth, Moderator des Abends – und Matthias Sieveke, Dekan des Fachbereichs Gestaltung an der Hochschule Trier, stimmt ihm zu: Im Vergleich zu den Kaiserthermen oder dem Dom fehle den Barbarathermen der Glanz. Dabei könne man ihre Bedeutung als Weltkulturerbe gar nicht hoch genug einschätzen. Nach den Traiansthermen in Rom waren sie die zweitgrößten des gesamten römischen Imperiums.

In einem Seminar haben Architekturstudenten Dachkonstruktionen entworfen, die den römischen Resten einen angemessen glanzvollen Rahmen verleihen sollen. Entwürfe, die bis zum 2. Juni in den Viehmarktthemen ausgestellt werden. Darunter sind transparente Kuppeln, schwarze Faltdächer, riesige Fachwerkkonstruktionen. Manche erinnern an Ausgrabungszelte, andere an Baumkronen. Und alle, das unterstreichen die Architekturprofessoren Bernhard Sill und Frank Kasprusch, wären realisierbar und geeignet, die Ausgrabung vor Wasser, Unwettern und UV-Licht zu schützen. Und doch wird am Montagabend schnell deutlich, dass wohl keines dieser Dächer gebaut wird. Thomas Metz, Chef der Generaldirektion Kulturelles Erbe, betont zwar mehrfach, wie sehr er das Engagement und die Ideen der Nachwuchsarchitekten schätzt. Er betont allerdings auch, dass er ein Schutzdach für den falschen städtebaulichen Ansatz hält. Und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen sei das, was heute zu sehen ist, nur ein Viertel der Thermen. Da müsse man sich Spielräume erhalten, die gesamte Anlage eines Tages erfahrbar zu machen – und wenn nur mit unterschiedlich farbigen Bodenbelägen. Ausgraben müsse man sie dafür nicht. Zum anderen sei ein Schutzdach eine Überformung. Man erlebe etwas ganz anderes als das, was einst war. Die Konservatorin des Bistums, Barbara Daentler, hingegen hat eine „kleine Schwäche“ für einen Schutzbau. Die filigranen Baumkronendächer würden ihr gut gefallen.

Aber wie soll es nun weitergehen mit der Badeanlage, die auch nach Ansicht der Studentinnen Ines Streit und Ina Leinenweber nicht so präsentiert wird,  wie man das bei Weltkulturerbe erwarten würde?

Metz kündigt an, dass zunächst weiter saniert und konserviert wird. In ein bis zwei Jahren sei es so weit, dass man alle provisorischen Schutzdächer entfernen könne. Seit 2015 ist die Anlage über einen provisorischen Steg zu besichtigen, der mit Schau-Tafeln über das einst so prunkvolle Bad informiert. Dennoch räumt Uwe Mahler, der zuständige Referent für die Trierer Römerbauten, ein: „Da kann man noch recht viel tun“. Insbesondere in den Flächen selbst lasse sich mehr visualisieren. Aktuell fällt es beim Blick auf Wiesen und Mauern schwer, sich vorzustellen, wo die Badebecken lagen.

Doch nicht nur für die Barbara­thermen stehen Veränderungen an. Nach mehrfachem Nachhaken des Moderators lässt sich Metz entlocken, dass es in den kommenden ein bis zwei Jahren heikle Fragen zu klären gibt. Denn die Unesco erwartet einen Managementplan, in dem Pufferzonen für das Trierer Welterbe festgelegt werden. 1986 waren diese noch keine Pflicht. Inzwischen muss  jedoch festgeschrieben werden, was im Umfeld erlaubt ist und was nicht. Eine Frage, bei der es angesichts des angespannten Trierer Wohnungsmarkts reichlich Interessenskonflikte geben dürfte.

Triers Baudezernent Andreas Ludwig informiert aus dem Publikum darüber, dass es 2020 mit den sechs Millionen Euro teuren Arbeiten an der Römerbrücke losgeht. 2021 soll der neu gestaltete Platz mit Kreisel an der westlichen Seite der antiken Brücke fertig werden. Noch etwas länger werden die Trierer warten müssen, bis sich die Porta Nigra schöner präsentiert: Bis Mitte der 20er Jahre sollen die Bushaltestellen an einen neuen Busbahnhof in die Nordallee verlegt werden. Erst dann können die Straßen entfernt und ein neuer, größerer Vorplatz gestaltet werden. Wie dieser aussehen soll, dürfte im Zentrum weiterer Podiumsdiskussionen stehen.

Eine Ausstellung in den Viehmarktthermen zeigt Entwürfe für die Barbarathermen. Foto: TV/Katharina de Mos
Silvia Bohl und Helen Schneider haben dieses filigrane Dach entworfen. Foto: Hochschule Trier
Überdachung mit Fachwerk: Entwurf von Christoph Briel und Angela Meyer. Foto: Hochschule Trier

Am Montag sind sich alle einig, dass die Debatte über die Barbarathermen sinnvoll ist – auch, wenn erst mal kein Dach gebaut wird. Schon deshalb, weil sie das herausragende Denkmal wieder ins Bewusstsein der Stadt holt und Verbesserungen anregt.

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