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Vinyl der Woche: S&M2 – Metallica

Vinyl der Woche: S&M2 – Metallica : Gebt ihnen ’ne zweite Chance!

Metal und Sinfonie – ob das gutgeht? Eine Frage, die Metallica 1999 mit S&M nur teilweise positiv beantworten konnte. Jetzt haben die Metal-Legenden das Experiment noch einmal gewagt. Wieso es diesmal besser funktioniert.

Tschuldigung, liebe Leser. Heute wird es persönlich. Es geht nicht anders, ich muss Sie einfach mitnehmen zu meinen ersten Berührungspunkten mit härterer Musik. Es muss wohl irgendwann Anfang der 2000er gewesen sein, mitten im Hochwald. Da wollte mir doch tatsächlich jemand Metallica vorspielen. Davon  gehört hatte ich schon, klar.

Hart sollte es sein. Dreckig. Doch das was aus den voll aufgedrehten Boxen klang, war sanft. Waren das Streichinstrumente? Veräppelte mich da jemand? Nö. Es war The Ecstasy Of Gold, das Intro von S&M, dem Album, auf dem Metallica gemeinsam mit dem Sinfonieorchester aus San Francisco auftrat. Dieser Moment blieb mir in Erinnerung. Was auch immer das war, was ich da hörte, ich hatte Gänsehaut.

Springen wir schnell knapp 20 Jahre weiter. Bei dieser Vorgeschichte war klar, dass der Moment, in dem ich davon las, dass es eine Neuauflage von S&M geben würde auch der sein musste, in dem ich die Platte vorbestellte. Und dass ich diese, als sie ankam, auch ebenso laut aufdrehen musste (sorry, liebe Nachbarn!). Und siehe da: Wieder trieb mir das im Original von Ennio Morricone stammende The Ecstasy Of Gold kleine Erhebungen auf die Haut. Für mich funktionierte dieses Zusammenspiel aus Metal und Orchester.

Tschuldigung, liebe Leser. Ich wusste es nicht besser. S&M hat natürlich Schwächen. Nach einigen Jahren und etlichen Metal-Erfahrungen erkannte ich, dass die Protagonisten immer wieder nebeneinander, statt miteinander spielten. Das Album packte mich immer noch, aber mehr aufgrund der gemeinsamen Geschichte als wegen der musikalischen Finesse.

Umso schöner, dass Metallica es noch einmal probiert und mit S&M2 eine Neuauflage aufgenommen hat. Diese klingt besser als das Original. Die Mischung aus gleichbleibenden (der Einstieg mit The Ecstasy Of Gold und The Call of Ktulu) und neuen (die Songs der aktuelleren Alben) Elementen funktioniert erstaunlich gut. Auch wirkt der Einsatz des Orchesters portionierter und besser geplant – was auch daher rührt, dass Songs wie The Day That Never Comes durch die Mischung aus ruhigem Einstieg und hartem Ausstieg wie gemacht für ein orchestrales Zusammenspiel scheinen.

Was sich Metallica auf S&M2 (zum Glück) trauen: Die Sinfoniker bekommen ihr eigenes Stück vom Konzert-Kuchen, spielen Interpretationen von Prokofjew und Mossolow. Das muss man als Metallica-Fan nicht mögen, eine gelungene Abwechslung ist es allemal.

Zurück zu den eigenen Gefühlen: Spätestens bei den letzten vier Songklassikern (One, Master Of Puppets, Nothing Else Matters und Enter Sandman) katapultiert mich das Album zurück in die frühen 2000er. An die, die glauben, Metal und Klassik passen partout nicht zusammen: Tschuldigung, S&M2 beweist das Gegenteil.

In der Serie Vinyl der Woche beleuchtet der Trierische Volksfreund jede Woche eine Schallplatte. Alle Serienteile gibt es unter volksfreund.de/vinyl