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Bernkastel-Kueser Kämmerer Günter Wagner verabschiedet sich

Nach 47 Berufsjahren : Vom Weinausschenker zum Finanzchef – Bernkastel-Kues’ Kämmerer Günther Wagner geht in Ruhestand

Günter Wagner verabschiedet sich nach 20 Jahren als Kämmerer seiner Verbandsgemeinde in den Ruhestand. Doch den Sportfreunden im Landkreis wird er noch länger erhalten bleiben.

Günter Wagner war ein ganzes Berufsleben lang Verwaltungsmensch. Doch jetzt ist es damit vorbei. Denn der 65 Jahre alte Kämmerer der Verbandsgemeinde (VG) Bernkastel-Kues scheidet Ende Februar aus dem Rathaus aus. Bereits jetzt erscheint er nicht mehr zum Dienst. Denn bis Ende des Monats baut er Überstunden und Resturlaub ab.

Mehr als 20 Jahre seiner insgesamt 47 Berufsjahre hat er den Fachbereich Finanzen, Steuern und Abgaben bei der VG Bernkastel-Kues geleitet und war mit seinen 24 Mitarbeitern verantwortlich für Haushaltspläne, Ausgaben und die Einnahme von Steuern. Jede Zahlung, egal ob für Investitionen oder Gehälter, gingen über seinen Schreibtisch „Das waren rund 40 000 Vorgänge pro Jahr“, sagt er.

Erlebt hat Wagner in dieser Zeit einiges. Zum einen hat er die Haushaltspläne auf das doppische System umstellen müssen, wofür er bis heute kein Verständnis hat. „Die Kameralistik war übersichtlich, und jeder hat es verstanden“, sagt er. Das alte System über Bord zu werfen sei fahrlässig gewesen. Zudem habe die Umstellung mit den Bewertungen der Vermögensanteile immense Kosten verursacht. „Was in der Doppik zu sehen ist, hätte man im kameralistischen System genauso abbilden können“, sagt Wagner.  Kein Problem sei die Fusion mit den drei Gemeinden aus der VG Neumagen-Dhron gewesen. „Das hat reibungslos geklappt“, sagt er. Bereits ab 1993 war er als Kassenverwalter in der Finanzabteilung tätig. Das sei eine ganz spannende Zeit gewesen, denn damals sei der Burgbergtunnel gebaut und abgerechnet worden. „Da kamen Abschlagsrechnungen in siebenstelliger Höhe“, erinnert er sich.

Am 1. August 1971 hat Wagner als Verwaltungslehrling begonnen, als erster Auszubildender nach der Verwaltungsreform 1969. Nach der zweijährigen Ausbildung hat er die Beamtenlaufbahn eingeschlagen und nach der Inspektorenprüfung von 1977 bis 1983 in der Personalabteilung gearbeitet.

Doch wenn Wagner erzählt, erinnert er sich am intensivsten an die Zeit von 1983 bis 1993, als er als stellvertretender Leiter der Sozialabteilung für Renten, Kindergärten, Schulen und Sportstätten zuständig gewesen ist. Damals hat er viel mit Menschen zu tun gehabt. „Das hat mich geprägt“, sagt er. Zum einen sind es die Kriegsteilnehmer aus dem Zweiten Weltkrieg gewesen, die zu der Zeit in Rente gegangen sind. „Da haben wir viel im Archiv gesucht und uns mit alten Soldbüchern befasst“, sagt er. Zudem seien damals zahlreiche Vietnamesen nach Deutschland und an die Mosel gekommen, „viele mit bewegenden Schicksalen“, sagt er. In diese Zeit fallen zwei weitere Höhepunkte seines Berufslebens: 1988 ist in Bernkastel-Kues der erste Kunstrasenplatz in Rheinland-Pfalz angelegt worden, erinnert er sich. Das sei der Anlass gewesen, dass das Landesjugendsportfest mit bis zu 7000 Leuten in Bernkastel-Kues ausgerichtet worden sei. „Das war eine ganz große Sache“, sagt er.

Und auch an die Kurkliniken auf dem Kueser Plateau hat er eine ganz besondere Erinnerung. Als die erste 1974 gebaut wurde, kam Helmut Kohl als damaliger  rheinland-pfälzischer Ministerpräsident mit dem Hubschrauber zum Spatenstich eingeflogen. „Da durften wir als Inspektorenanwärter den Wein ausschenken“, sagt er lachend.

Was macht ein Kämmerer im Ruhestand? An Aufgaben mangelt es dem verheirateten Vater von zwei erwachsenen Söhnen und Großvater eines Enkelkindes nicht. Denn der 65-Jährige ist Vorsitzender des Sportkreises Bernkastel-Wittlich mit 220 Vereinen und 40 000 Mitgliedern. Dazu ist er Vorsitzender der SFG Bernkastel-Kues, dem größten Sportverein im Landkreis mit rund 2000 Mitgliedern, acht vollbeschäftigten Angestellten und 30 Übungsleitern.

Außerdem ist er Mitglied im Beirat der Justizvollzugsanstalt Wittlich und Kassenprüfer der europäischen Sportakademie in Trier. Doch am wichtigsten ist dem gebürtigen Monzelfelder und Wahl-Mülheimer der Ehrenvorsitz in seinem Heimatverein, dem SV Monzelfeld. Wagner: „Da bin ich stolz drauf.“