Ein Rückzug vom Rückzug und die Folgen

Kommunalwahl : Ein Rückzug vom Rückzug und die Folgen

Im Morbacher Ortsbezirk Bischofsdhron rumort es. Die drei Kandidaten um das Amt des Ortsvorstehers sind sich offenbar nicht grün.

Händeringend wurde in jedem dritten Dorf in der Region Trier ein Bürgermeister beziehungsweise Ortsvorsteher gesucht. Ohne Erfolg. In 195 Dörfern fällt am 26. Mai deshalb die Urwahl für diese Ämter aus. Im 900-Einwohner-Ort Bischofsdhron dagegen haben die Menschen die Qual der Wahl: Gleich drei Kandidaten bewerben sich um das Ehrenamt. Das ist eher unüblich. Dahinter steckt ein Rück­zug vom Rückzug, eine unbedacht geleistete Unterschrift und ein runder Geburtstag.

Das sagt Mitbewerber Raimund Fey: Raimund Fey, Betriebsleiter bei der Bundeswehr in Kappel, schildert die Situation aus seiner Sicht. Der amtierende Ortsvorsteher Christian Köhler habe 2019 aus beruflichen Gründen nicht mehr antreten wollen. Er habe dies auch bekanntgegeben und dazu aufgerufen, dass sich Interessenten melden. Anschließend hatte der Ortsbeirat Männer und Frauen eingeladen, die interessiert seien, ein Amt zu übernehmen. Fey, der „schon immer politisch engagiert war“, bekundete dort Interesse, die Nachfolge von Köhler anzutreten. „Ich traue mir das Amt zu und habe Lust“, habe der verheiratete 55-Jährige dort gesagt.

Beweisen müsse er sich nichts: „Ich war schon als Soldat im Kosovo und als Zivilist in Afghanistan.“ Später habe Köhler Fey auch im Ortsbeirat als Kandidat vorgestellt. „Die Reaktion war positiv“, blickt der gebürtige Wederather zurück. Auch bei einem Treffen der Freien Wählergruppe Morbach (FWM), der beide angehören, habe Köhler Fey als Kandidaten und möglichen Nachfolger vorgestellt – sagt Fey, der seit 1991 in Bischofsdhron lebt. Er sei stets davon ausgegangen, die Rück­endeckung von Köhler für dessen Nachfolge zu haben.

Doch dann sei alles anders gekommen. Wochen später habe der amtierende Ortsvorsteher erneut seine Unterlagen im Morbacher Rathaus abgegeben, just an dem Tag, als die Bewerbungsfrist ablief. Verärgert ist Fey nach eigenen Worten, weil Köhler ihn über seine Entscheidung, wieder anzutreten, nicht informiert habe. Erfahrungen im Ortsbeirat habe er übrigens nicht. Allerdings habe er für die Freien Wähler bereits für den Landtag kandidiert. Bei den zwei Kontrahenten blieb es übrigens nicht. Busfahrer Frank Leis habe ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen.

Das sagt Amtsinhaber Christian Köhler: „Ja, das stimmt“, sagt der 45-jährige Vater von drei Kindern, auf die Frage, ob er zunächst nicht wieder antreten wollte und später seine Meinung geändert habe. Er sei zehn Jahre lang Mitglied im Ortsbeirat gewesen und fünf Jahre Ortsvorsteher. Er habe das Ruder in Bischofsdhron eigentlich abgeben wollen. Denn der Meister für Elektrotechnik will sich nach eigenen Angaben beruflich verändern und bei seinem Unternehmen eine andere Funktion übernehmen. Aber er sei überzeugt davon, dass er beide Aufgaben unter einen Hut bekomme. Und warum der Meinungswandel? „Ich hätte mir gewünscht, dass es jemand macht, der bisher bereits im Ortsbeirat mitgearbeitet hat.“ Vielleicht ein Rentner oder jemand, der in der Nähe arbeitet und Ortstermine besser wahrnehmen könne. Die beiden Kandidaten, die sich dann meldeten, seien kommunalpolitisch bislang nicht in Erscheinung getreten. Und warum habe er seine Mitbewerber von seiner Entscheidung  nicht informiert? Frank Leis habe zuvor gar nicht mit ihm über die Wahl gesprochen, sagt Köhler. Und Raimund Fey habe er im Dorf nicht getroffen. Köhler bestreitet auch, Fey bei der FWM als möglichen Nachfolger vorgestellt zu haben. „Das hat er schon selbst gemacht.“ Köhler ist bei der FWM Morbach zweiter Vorsitzender, Fey Vorstandsmitglied. Der Herausforderer habe auch Unterstützungsunterschriften sammeln müssen. Da habe er zunächst auch unterschrieben. „Das war ein Fehler“, räumt Köhler ein.

Das sagt Mitbewerber Frank Leis: Auch der 43-jährige Busfahrer war von der erneuten Kandidatur Köhlers überrascht worden. Der Wunsch, dass er – Leis – kandidiere, sei von mehreren Bischofsdhronern an ihn herangetragen worden. Und: „Ich wollte, dass die Bürger die Wahl haben“, sagte er weiter. Sie sollten sich zwischen zwei Kandidaten entscheiden können. Und das habe damals nicht so ausgesehen. Zwar habe er „eher wenig“ kommunalpolitische Erfahrungen, aber er sei ein echter „Dhreena Jung“. Er ist Vorsitzender des Wandervereins Bischofsdhron. Gemeinsam mit Ehefrau Simone betreibt er die Küstereien in Bischofsdhron, Wenigerath und Gutenthal. Und warum dann die Kandidatur als Ortsvorsteher? „Es reizt mich, den Ort voranzubringen.“ Als er später erfuhr, dass der Amtsinhaber erneut kandidiert, sei er völlig überrascht gewesen. „Dann hätte ich es wahrscheindlich nicht gemacht“, sagt Leis.

Die Info-Veranstaltung: Wer sich ein Bild von den Kandidaten machen möchte, kann dies tun. Zumindest von den beiden Herausforderern. In einer Info-Veranstaltung stellen sich Raimund Fey und Frank Leis am Dienstag, 14. Mai, vor. Warum ist Christian Köhler nicht dabei? „Ich wusste nichts von dem Termin“, antwortet der amtierende Ortsvorsteher.

Aber selbst wenn er ihn rechtzeitig gekannt hätte, würde er wohl nicht kommen. Denn an dem Tag hat Köhlers Ehefrau Ramona ihren 40. Geburtstag. Und davon wiederum will Fey nichts gewusst haben. Und Leis? „Ich wusste nicht, dass Ramona nullt“, sagt er spontan auf die Frage. Dass sie Geburtstag hat, vermutlich doch. Denn Leis und Köhler sind beinahe Nachbarn. Und sie kennen sich gut. Immerhin ist Christian Köhler der Patenonkel einer der Töchter von Frank Leis. Ob das nicht die Beziehung zwischen den beiden belastet? „Nein, ich kann das trennen“, sagt Leis.

Frank Leis. Foto: privat
Christian Köhler. Foto: privat

Die Info-Veranstaltung: Sie findet statt am Dienstag, 14. Mai, ab 19.30 Uhr im Freizeitzentrum in Bischofsdhron.

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