Umgestaltung des Moselufers in Bernkastel-Kues

Pläne für Bernkastel-Kues : Eine breite Treppe hinauf zum Gestade

Der Berliner Landschaftsarchitekt Maik Böhmer hat den Wettbewerb zur Neugestaltung des Moselvorgeländes im Stadtteil Bernkastel gewonnen. Der neue Stadtrat entscheidet, ob das Projekt umgesetzt wird.

Moderatorin Bianca Waters, Geschäftsführerin der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues, beginnt die Gesprächsrunde mit einer Frage: „Wie lange ist die Neugestaltung des Moselvorgeländes im Stadtteil Bernkastel schon Thema?“ „Darüber wird seit vielen Jahren diskutiert“, antwortet Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Er sei fast 20 Jahre im Amt und habe diese Themenstellung mit übernommen. Wolfgang Port steht seit 19 Jahren an der Spitze der Stadt. „Beim Amtsantritt habe ich stapelweise Ausarbeitungen darüber gesehen“, sagt er. Rekordhalterin ist aber Gudrun van Brandwijk von der VG-Verwaltung. Seit Anfang der 1980er Jahre hat sie das Projekt begleitet. „Ich werde in zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Ich hoffe, dass bis dahin etwas geschehen ist“, sagt sie. Die Chancen stehen gut. Ein Architektenwettbewerb, an dem sich 13 Büros beteiligt haben, hat ein einstimmiges Urteil gebracht. Wenn das Projekt, das derzeit als Parkplatz genutzte Areal teilweise umzugestalten, umgesetzt wird, dann mit dem Plan des Berliner Landschaftsarchitekten Maik Böhmer (Büro planorama).

„Die Arbeit überzeugt durch ihre klare großräumige Gliederung, einer Promenade mit Parkplätzen und zentralen Platzbereichen. Herzstück ist die Treppenanlage, die den tiefer gelegenen Uferplatz mit der Altstadt verbindet, zugleich Aufenthalts-und Sitzmöglichkeit. Die große Platzfläche ist durch Belagwechsel abgesetzt und mit Bäumen bepflanzten Gastronomieinseln in angenehmer Weise strukturiert“, heißt es unter anderem in der Bewertung der 29-köpfigen Jury aus Fachleuten und kommunalen Vertretern. Elf Jurymitglieder waren stimmberechtigt.

Maik Böhmer hat sich für seinen Plan den Parkplatzteil zwischen dem alten Bahnhof und der Brücke ausgesucht. Die mehrere Meter hohe Mauer, die bisher in diesem Bereich den Parkplatz und das Gestade trennt, soll zu einer großen Treppe umgestaltet werden. Er wolle dadurch einen attraktiven Zugang zur Mosel und umgekehrt zur Altstadt schaffen, die jedes Jahr Ziel von unzähligen Besuchern sei.

Böhmer hat gute Referenzen. In Prüm plante er den Umbau des Hahnplatzes, der demnächst fertig gestellt ist. Er wisse daher auch um die Befindlichkeiten, wenn es um den Wegfall von Parkplätzen gehe. Auch im Stadtteil Bernkastel wird es durch den Umbau weniger Parkplätze geben. Etwa 100 von derzeit 520 könnten es sein. Kompensiert werden soll das durch weitere Parkplätze an der sogenannten Thanisch Spitz im Stadtteil Kues.

Was allen Architekten vorgegeben war: Der Busparkplatz unterhalb der VG-Verwaltung soll wegfallen. Reisebusse werden dort nur noch zum Ausstieg und Einstieg halten und ansonsten in Kues Platz finden.

Zweite Vorgabe: Am Gestade, unmittelbar vor der VG-Verwaltung, soll eine Art Kreisel entstehen. Verkehrsteilnehmer, die von der Brücke in Richtung Graach/Zeltingen-Rachtig wollen, werden dann nicht mehr wie bisher über den Parkplatz geleitet, sondern fahren über den Kreisel wieder zurück in Richtung Brücke und dann am Brückenkopf geradeaus in Richtung Stadtausgang.

Zum Verständnis: Das Linksabbiegen von der Brücke ist verboten, weil es mit großen Rückstaus verbunden wäre.

In der Jury saß auch Viktor Hees, Vorsitzender der Entwicklungsagentur und Einzelhändler mit mehreren Modegeschäften. „Gestalterisch ist das sehr gelungen, besonders die Öffnung hin zur Altstadt“, lobt er den Plan des Büros planorama. „Aber wir hoffen natürlich auf einen Ausgleich bei den Parkplätzen und ein verbessertes Parkleitsystem“, fügt er an.

Auch Jurymitglied Peter Berdi, als ortsansässiger Architekt mit besonderem Sachverstand ausgestattet, spricht von einer „guten Lösung“ und hebt die „Verbindung zur Mosel“ hervor. Sollte der neue Stadtrat das Projekt genehmigen, könne die Feinplanung beginnen.

Noch einmal zurück zu Maik Böhmer. Sein erstes großes Projekt habe er mit 27 Jahren übernommen, erzählt  der mittlerweile 41-jährige gebürtige Westerwälder. Da habe er den Wettbewerb zur Neugestaltung des Rheinufers in Köln-Deutz gegen internationale Konkurrenz gewonnen. Auch dort habe er eine Treppe in den Mittelpunkt gestellt, obwohl die Ausschreibung der Stadt Köln eine solche nicht vorgesehen hatte. Die öffentliche Meinung habe ihm dann geholfen. In Deutz seien dann circa 26 Millionen Euro investiert worden, in Bernkastel-Kues dürften es – mit den Arbeiten am Gestade und am Busparkplatz –­ etwa 3 bis 3,5 Millionen Euro sein. Ein Großteil davon soll im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms als Zuschuss vom Land kommen. Es gibt dieses Geld aber nur, wenn es zu größeren optischen und baulichen Veränderungen kommt. Und die sind mit einem Parkplatzverlust verbunden.

Bernkastel-Kues habe ein besonderes Flair und weise ein außergewöhnliches Panorama auf, sagt Böhmer. Der Wunsch der Stadt, einen Teil des Parkplatzes zur Flaniermeile umzugestalten, reize ihn. „Die Leute kommen ja nicht wegen der Parkplätze nach Bernkastel-Kues“, sagt er. Dass es sie geben muss und es darüber Diskussionen gibt, weiß er aber auch.

So sieht es derzeit noch an dem von Maik Böhmer neu geplanten Teil des Moselufers aus. Foto: Clemens Beckmann

Wer sich selbst ein Bild von den Plänen machen will: Die 13 Arbeiten werden noch bis zum 26. Mai auf großflächigen Stellwänden in der Güterhalle präsentiert: täglich - auch samstags und sonntags – von 10 bis 16 Uhr. Es gibt eine fachliche Begleitung durch Mitarbeiterinnen der Entwicklungsagentur und Bauabteilung der VG.

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