Zahllose Geschosse und Munitionssteile bei Sanierung im Heckenland gefunden

Straßenbau : Funde sprengen den Kostenrahmen

Wo gebaut oder saniert wird, gibt es häufig Überraschungen im Boden. Mancherorts werden Reste römischer Siedlungen entdeckt. An zwei Kreisstraßen nach Dodenburg sind die „Bodenschätze“ eher unerfreulicher Natur: Dort werden in großen Mengen Geschosse, Munition und kleine Eisenteile gefunden, die wohl Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg sind. Und das hat Folgen.

Baustellen sind selten hübsch anzusehen. Das gilt auch für die Kreisstraßen 40/136 zwischen Sehlem und Dodenburg. Überall sind die Bankette abgetragen. Dabei entstehen zum Teil regelrecht neue Hänge aus Erdreich. Neben der Straße sind regerechte Gruben zu sehen. Viele rote kleine Pfeiler stecken im Erdreich.

Die kleinen Pfeiler markieren Stellen, an denen Kampfmittel geortet wurden, die per Bagger freigelegt werden. Und es sind viele rote Markierungen. Allerdings: Viele kleine Eisenteile, Munition beziehungsweise Munitionsreste und sogar Granaten von bis zu 21 Zentimetern Durchmesser sind vom Kampfmittelräumdienst bereits entfernt worden. Doch das Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. Das erfuhren die Mitglieder des Kreisausschusses im Landkreis Bernkastel-Wittlich in der jüngsten Sitzung.

Offenbar befanden sich in dem Areal früher ein Munitionslager, einen kleiner Flugplatz sowie eine Panzerstellung. An mehreren Stellen sei Artillerie- und Infanteriemunition versprengt worden. Das habe aber im Vorfeld niemand gewusst, sagte Burkhard Born von der Kreisverwaltung in der Kreisausschusssitzung. Teilweise finden sich im Boden mehr als drei Splitter pro Quadratmeter. Und damit man eine ungefähre Vorstellung von der Dimension des Ganzen bekommt: Gefunden wurden unter anderem 393 Kilogramm Munitionsteile (siehe Info).

Hinzu komme, dass die derzeitige Oberfläche nicht mit dem Ursprungsniveau von 1945/46 übereinstimme. In manchen Bereichen sei Material aufgetragen worden. Und es sei zu Hangrutschungen gekommen. Die Munition liege teilweise so tief im Boden, dass die Sonden nicht darauf reagieren. Die Kreisstraßen werden von 4,50 bis fünf Meter auf sechs Meter verbreitert. Derzeit werden deshalb die Bankette ausgekoffert, um Sickerleitungen zu verlegen. Anschließend soll mit dem sogenannten Kaltrecycling-Verfahren die Oberschicht der Straße mit einer Riesenfräse abgetragen, zerkleinert und mit anderen Stoffen vermischt werden, so dass das Material an Ort und Stelle für eine Frostschutzschicht wiederverwendet werden kann.

Allerdings sollte eine solche Fräse nicht gerade auf eine Granate treffen. Die Folge: Eine Spezialfirma muss mit einem aufwendigen Verfahren an die Aufgabe herangehen.

Und deshalb ist laut Vorlage für den Kreisausschuss eine weitere Baubegleitung durch die Spezialfirma Tauber, Hauptsitz in Münster/Westfalen, erforderlich. Allerdings weiß niemand genau, was die Fachleute erwartet.

Eines ist klar: Die Erdarbeiten durch die Suche nach den Kampfmitteln werden „weiter erschwert und benötigen mehr Zeit“ (Verwaltungsvorlage) – Kosten und Dauer nach oben offen. Das Fazit: Das Vorhaben wird wohl deutlich teurer als geplant. 3,9 Millionen Euro sollte der Ausbau ursprünglich kosten. Das war Stand der Dinge im November 2018. Im März kam ein Aufschlag von knapp 60 000 Euro dazu.

Doch auch damit kommt man bei der Kreisverwaltung wohl nicht aus. „Sobald die Mehrkosten abgeschätzt werden können, erfolgt eine neue Information des Kreisausschusses“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Und was heißt das für den Zeitplan? Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bis Herbst 2019 abgeschlossen sein.

Ob die Verkehrsteilnehmer tatsächlich länger als geplant mit den Bauarbeiten und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten leben müssen, ist fraglich. „Wir versuchen, das zeitlich zu kompensieren“, sagt Born. Beim Landesbetrieb Mobilität ist man genauer: Die Firma Franz Lehnen möchte die Verzögerungen durch weiteres Personal auffangen, sodass die Fertigstellung des Bauvorhabens wie geplant in diesem Herbst sein soll.

Viele rote Markierungen (großes Foto) gibt es an den Kreisstraßen 40/136. Sie deuten auf Munition und Geschosse aus dem zweiten Weltkrieg hin. Auch Exemplare wie diese (kleines Foto ) wurden gefunden. Bei der Sanierung der Straßen müssen diese unschädlich gemacht werden.  Fotos (2): Christine Catrein/ Landesbetrieb Mobilität. Foto: Landesbetrieb Mobilität

Allerdings: Ab einem gewissen Ausmaß an Funden sei das Kaltrecyclingverfahren nicht mehr möglich. Dann müsse vollausgebaut werden. Aber Burkhard Born geht derzeit nicht davon aus, dass es dazu kommt.

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