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Die Trierer Gastronomie nach der Corona-Zwangspause

Gastronomie : Das Ende der zweimonatigen Durststrecke

Ein Stück Lebensqualität hält wieder Einkehr: Impressionen vom sanften Neustart der Gastronomie, der manchen zu sanft ausfällt.

Wolfgang Tappert kann es kaum erwarten. Pünktlich um 10 Uhr am Mittwoch stehen er und seine Frau Marlies (beide 62) vor ihrer Stammkneipe Lange Theke im Trierer Margaretengäßchen auf der Matte. Das Wiedersehen mit Inhaberin Katja-Lydia Fiegler (71) fällt auch ohne Begrüßungsbussi sehr herzlich aus. Verständlich. Es ist sprichwörtlich das Ende einer Durststrecke, die satte acht Wochen dauerte.

Unmittelbar vor der verordneten Gaststättenschließung waren die Tapperts zuletzt in der Langen Theke. „Da sind wir auch beim Neustart gerne direkt dabei“, strahlt Tappert. Glücklicherweise haben er und seine Frau arbeitsfrei: „Da kann ich mir auch tagsüber mal mein geliebtes Pils vom Fass gönnen.“

Katja-Lydia Fiegler sagt: „Mein Team und ich sind ebenfalls happy, dass es endlich weitergeht. 80 Prozent unserer Gäste kommen regelmäßig. Wir sind wie eine große Familie.“ Nun ist also Familienzusammenführung angesagt – und das unter Übererfüllung der Sicherheitsvorschriften. Auf der Theke, an der ja niemand sitzen darf, steht ein nagelneuer Luftreiniger mit Kombifilter, der auch Bakterien und Viren unschädlich machen soll. „379 Euro hat mich das Gerät gekostet“, erklärt Fiegler.

Einen knappen Kilometer Luftlinie entfernt am Zurlaubener Moselufer spielen sich ebenfalls kontaktlos-herzliche Szenen nach dem Motto „Schön, dass ihr wieder da seid!“  ab. Theo Thonet (67), Besitzer auch des Paulaner-Wirtshauses nebenan, begrüßt in der Bagatelle Guido Tuschke.

Der 54-jährige Rechtsanwalt trudelt als Erster eines Freundeskreises ein, der jeden Mittwoch in der Bagatelle speist– außer eben in den vergangenen zwei Monaten. Das Wiedersehen kommentiert Manfred Lauter (69) mit einem launigen „Kinder, was seid ihr groß geworden!“

Hygienezuschlag oder Preiserhöhung sind für Thonet „absolut kein Thema. Auch im Paulaner gilt die Speisekarte, die wir für die zum 1. April geplante, aber bekanntlich ins Wasser gefallene Wiedereröffnung gedruckt haben.“ Hintergrund der „Wiedereröffnung“: Der vormalige Pächter war Ende 2019 ausgestiegen, nun führen Hausbesitzer Thonet und seine Frau Carmen (54) das Wirtshaus in eigener Regie. Der Tag eins der neuen Ära lässt sich gemütlich an. Auf der Terrasse tummeln sich mittags nur wenige Leute. „Das wird sich zum Wochenende hin ändern, wenn das Wetter richtig gut wird“, glaubt Thonet.

„Richtig gut“ fühlt sich jetzt schon Anne Junkes: „Denn diesen Tag habe ich wirklich herbeigesehnt. Heute konnte ich Corona für mich persönlich zu den Akten legen“, sagt die 68-Jährige. „Erst war ich erstmals seit drei Monaten wieder  beim Friseur, und jetzt gönne ich mir endlich auch wieder ein Open-Air-Teekränzchen mit meiner lieben Freundin Anke Glatt.“ Und zwar vor dem Delikat in der Neustraße.

Gaststättenbesuche in Trier sind am 13. Mai vor allem ein Fall für Einheimische und Stammgäste. Betriebe, die eher auf Touristen ausgerichtet sind, verzeichnen beim Gastronomie-Neustart einen überschaubaren Andrang, während etwa das Restaurant Schlemmereule im Palais Walderdorff (Domfreihof) bereits bis Samstag ausgebucht ist.

Was für Betreiber Peter Schmalen (58) allerdings eine zwiespältige Sache ist: „Wegen der Abstandsregeln können wir noch 40 Plätze an Vierer- und Sechsertischen anbieten. Aber viele Gäste kommen ,zu zweit’, was am Mittwochmittag dazu führte, dass wir mit 23 Gästen volles Haus hatten.“ Lichtblick: die steigenden Temperaturen und die damit einhergehende Belebung der Außenterrasse.

Gastro-Zwangspause beendet, doch Michael Berger (56) verschiebt die ursprünglich für den Mai geplante Eröffnung seiner neuen Burger-King-Filiale in der Trierer Simeonstraße auf Juni: „Jetzt aufzumachen halte ich für sinnfrei.“

Ein Stück Normalität hält Einkehr: Seit dem 13. Mai dürfen Gaststätten unter strengen Auflagen wieder öffnen. Foto: Roland Morgen Foto: Roland Morgen
Lange genug abgewartet – jetzt wird endlich Tee getrunken: Anke Glatte (links) und Anne Junkes vor dem Delikat in der Neustraße.  Foto: Roland Morgen

Am Mittwoch hat Berger sein Restaurant Currymeister (Neustraße) wieder an den Start gebracht. Die Pizzeria Oro (Südbahnhof) soll bald folgen.