Leserbrief Hindenburgstraße: Es gibt Probleme genug anzupacken

Ihre Meinung : Es gibt genug Probleme anzupacken

Geschichte

Zum Bericht „Hindenburgstraße, der nächste Versuch“ (TV vom 18. November):

Da kommt man doch aus dem Staunen nicht mehr raus. Um gleich mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu beginnen: Die Tatsache, dass Hindenburg Steigbügelhalter von Hitler war, gehört sicherlich zu den dunklen Seiten deutscher Geschichte. Aber es gehört dazu.

Hindenburg war legitim ernannter Reichspräsident. Und dann gilt es doch, die Dinge auch so zu akzeptieren. Niemand von heute war Zeitzeuge und direkt über alle Hintergründe und die genaue Situation informiert. Durch das Abschrauben eines Straßenschilds wird die Geschichte jedenfalls nicht rückgängig gemacht. Im Zweifel ist es halt die etwas andere Form eines Mahnmals.

Meine Erwartungshaltung an gewählte Volksvertreter ist eine andere, als sich zum x-ten Mal über einen Straßennamen zu streiten. Dabei werden Dinge in die Diskussion interpretiert, die völlig überzogen sind.

In Trier gibt es wahrlich Probleme genug, die es anzupacken gilt. Meines Erachtens beschwert man sich zu Recht über die langen Stadtratssitzungen. Wenn ich im Zusammenhang mit dem Straßennamen ein Zitat des Ortsvorstehers Trier-Mitte/Gartenfeld lese („Es kam auch schon der Vorschlag auf, dass Frauen bevorzugt als mögliche Namenspatroninnen in den Blick genommen werden“): Da fällt mir nichts mehr ein. Das sind ja Themen und Probleme. Da dauern die Sitzungen ja noch nicht lange genug.

Zu dem zitierten Argument („Gerade in einer Zeit, in der Versuche zunehmen, die Schreckensherrschaft von 1933 bis 1945 zu relativieren, soll dieser Wegbereiter des Dritten Reichs nicht mehr die Ehre behalten, Namensgeber einer Straße zu sein“) bin ich der Meinung, dass wir auf dem Niveau jeden Stein in Trier umdrehen müssten.

Vom römischen Reich über Karl Marx bis zum Zweiten Weltkrieg. Da finden wir Steigbügelhalter genug.

 Vielleicht kommt das Thema aber nur nach dem Motto auf: Was nicht sein soll, darf nicht sein. Dann freue ich mich schon auf die Diskussion, wenn in Trier die Karl-Benz-Straße und die Rudolf-Diesel-Straße in Wiebke-Windkraft-Allee und Sonja-Solarstrom-Weg umbenannt werden sollen.

Mehr von Volksfreund