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Basketball
Wer gewinnt, der zahlt – Gladiators Trier vor dem ersten Playoff-Halbfinale

Trifft mit seinem neuen Club heute Abend im Playoff-Halbfinale auf seinen Ex-Club: Sebastian Herrera (mit Ball).
Trifft mit seinem neuen Club heute Abend im Playoff-Halbfinale auf seinen Ex-Club: Sebastian Herrera (mit Ball). FOTO: sjs / Sebastian J. Schwarz
Trier. Früher Trier, heute Crailsheim: Zu Beginn der Playoff-Halbfinal-Serie in Crailsheim heute Abend (19.30 Uhr/www.airtango.live) hat sich der TV mit einem jungen Mann unterhalten, der beide Clubs sehr gut kennt. Von Marek Fritzen
Marek Fritzen

Natürlich hat er es geschaut. Komplett. Von vorne bis hinten. Dabei war ihm doch von Beginn an schon klar, wie das Ding ausgeht. „Ich wusste es, wirklich. Nachdem die das in Spiel vier noch gedreht hatten, war ich mir sicher, dass sie auch Spiel fünf gewinnen werden“. „Die“ – das sind die Römerstrom Gladiators. Er – das ist Sebastian Herrera, 20 Jahre alt, geboren in Santiago de Chile, Abitur am Max-Planck-Gymnasium (MPG) in Trier, zwischen 2014 und 2017 bei der TBB und den Gladiators Trier unter Vertrag und mittlerweile Stammspieler bei Basketball-Zweitligist Crailsheim Merlins.

Seit dem vergangenen Samstag hat Herrera mit den Merlins spielfrei. Zuvor hatten sie Playoff-Viertelfinal-Gegner Hanau auch im dritten Spiel der Serie nicht den Hauch einer Chance gelassen, die Hessen mit 99:75 aus der Halle gepustet, und die Serie locker mit 3:0 für sich entschieden. Seitdem wartete Herrera gespannt, ob es im Halbfinale tatsächlich zum Wiedersehen mit seinem alten Club von der Mosel kommt. „Spiel vier und fünf habe ich mir angesehen“, erzählt Herrera am Freitag. Er ist sich sicher: „Der Knackpunkt, ganz klar, das war Triers Aufholjagd im vierten Duell. Sie geben einfach niemals auf, sind eine enorm kämpferische Mannschaft.“

Zudem, so hat der 20-Jährige beobachtet, habe sich sein Ex-Club in dieser Saison offensiv verbessert. „Sie scoren mehr, sind noch gefährlicher geworden. Hinzukommt immer noch eine sehr gute Defense.“

Selbstverständlich habe er nach dem Trierer Halbfinal-Einzug am vergangenen Mittwoch ein paar Nachrichten an seine ehemaligen Teamkollegen verschickt. „Ich habe sie ein bisschen provoziert, ihnen mitgeteilt, dass es immer schön sei, gegen alte Kumpels zu gewinnen“, sagt er lachend. Und da ist noch was: „Wer die Serie gewinnt“, berichtet der Flügelspieler, „der muss im Mallorca-Urlaub mit Kili, Simon & Co. nach der Saison ein bisschen was ausgeben.“

2014 war es, als  der ehemalige sportliche Leiter der TBB Trier, Frank Baum, Seba Herrera beim Albert-Schweitzer-Turnier – der inoffiziellen U-18-Weltmeisterschaft in Mannheim – entdeckte, ihn im Anschluss von Chile an die Mosel lotste. In der Nähe von Trier lebte Herrera fortan in einer Gastfamilie, besuchte das MPG und spielte für die TBB, später für die Gladiators in der 2. Liga. Heute ist er Trier noch immer eng verbunden, kommt regelmäßig zurück in seine Lieblingsstadt.

Bei den Merlins entwickelt sich der Mann mit der Trikotnummer 7 hervorragend. Kommt durchschnittlich auf 23 Minuten, acht Punkte und zwei Assists. Als „solide“ bezeichnet Herrera selbst seine Leistungen, „man kann sich immer noch verbessern“, findet er.

Wenig Verbesserungspotenzial zeigten dagegen die Merlins während der Hauptrunde. 27 von 30 Spielen gewann das Team des finnischen Trainers Tuomas Iisalo. Die Playoffs miteingerechnet fuhren die Merlins zuletzt sogar 14 Siege am Stück ein. Ende Dezember in Trier allerdings, da setzte es eine der seltenen Pleiten: 70:76 hieß es da am Ende bei den Gladiators. Sebastian Herrera erinnert sich noch gut daran: „Wir haben dort so schlecht als Team zusammengespielt, echt schlimm. Das wollen wir unbedingt wieder gutmachen.“

Insgesamt erwarte er „viele enge Spiele“ im Halbfinale. „Es wird nie einfach, Trier gibt nie auf – wir aber auch nicht.“

Und dann kommt der Moment, in dem Herrera noch einmal herzlich zu lachen beginnt. Angesprochen auf seinen früheren Trainer Marco van den Berg, der nach dem Halbfinal-Einzug seiner Gladiatoren im Gespräch mit dem TV angekündigt hatte, für die Serie gegen Crailsheim noch „einige Tricks in petto“ zu haben, entgegnet der Deutsch-Chilene Herrera: „Ich bin gespannt, ich bin wirklich gespannt.“

Das erste Playoff-Halbfinale zwischen den Crailsheim Merlins und den Gladiators Trier steigt am Samstagabend um 19.30 Uhr in der Arena Hohenlohe in Ilshofen. Das Spiel wird im Internet auf www.airtango.live übertragen. Spiel zwei ist am Dienstag in Trier (20 Uhr).