Abstiegswirrwarr: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Abstiegswirrwarr: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Im vergangenen Jahr haben alle Vereine, die noch einen Monat nach dem Saisonende in Relegationen um Auf- oder gegen Abstiege kämpften, geglaubt, dass sich ein solches Tohuwabohu nicht wiederholen könne. Jetzt, einen Spieltag vor dem regulären Saisonende in den meisten Ligen sollte man sich mit dem Motto anfreunden: "Wiederholung nicht ausgeschlossen".

Koblenz. Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Diese Redewendung bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man die möglichen Folgen sportlicher und finanzieller Entwicklungen im Amateurfußball betrachtet. Wer aus der Ober- und der Rheinlandliga absteigen muss, ist derzeit reine Spekulation. Diese beiden Klassen mit insgesamt zehn Teams aus der Region haben das Geschehen nur teilweise selbst in der Hand. Sie sind außerdem abhängig davon, was einige Etagen darüber geschieht. Zum Beispiel muss Drittligist Rot Weiss Ahlen aufgrund seiner Insolvenz (siehe Seite 17) zwangsabsteigen. Der nächste Bezugspunkt ist die TuS Koblenz. Beim Regionalligisten hat sich der Hauptsponsor zurückgezogen, der Etat von knapp vier Millionen Euro ist nicht länger zu halten, es droht der finanzielle Kollaps.
Von welcher Liga müssten diese Teams aufgefangen werden? Zunächst von der Regionalliga. Wenn dieser Fall eintritt, dann steht höchstwahrscheinlich mindestens ein weiterer Verein als Absteiger fest. Der FC Homburg zum Beispiel müsste von der Oberliga Südwest aufgefangen werden, aus der dann wiederum ein Verein mehr - also insgesamt fünf - in die Verbandsligen absteigen. Ab jetzt wird es ganz verworren. Wer muss von der Rheinlandliga, wer von der Verbandsliga Südwest und wer vom Saarland aufgenommen werden?
Zu Beginn der vergangenen Woche stiegen die Hoffnungen der Rheinlandligisten, da die SG Bad Breisig, die unabhängig von allen Planspielen als Absteiger aus der Oberliga feststeht, ihren Rückzug angekündigt hatte. Die Freude, dass es einen Absteiger weniger geben würde, war wohl verfrüht. Inzwischen scheint eine Kehrtwende möglich. Ein Triumvirat um den ehemaligen Nationalspieler Jürgen Kohler, der in Bad Breisig wohnt, hat seine Hilfe angeboten. Findet das Konzept von Kohler und seinen Mitstreitern Deniz Bakir und Ralf Käther Zustimmung, gehen die Breisiger in die Rheinlandliga und mit ihnen zumindest noch Eisbachtal, im schlimmsten Fall auch noch Wirges und/oder Eintracht Trier II.
Steigen zwei Oberligisten in die Rheinlandliga ab, hat diese Klasse vier Absteiger zu verkraften. Für jeden weiteren mehr muss auch ein zusätzlicher ins Gras beißen.
Nach dem Tabellenstand vor dem letzten Spieltag sind Lahnstein und Ellscheid nicht mehr zu retten. Bullay (31 Punkte), Dörbach (32), Wirges II (33) und Linz (34) machen die potenziellen weiteren Absteiger unter sich aus. Da Wirges II involviert ist, muss der Blick nochmals nach oben gerichtet werden, wo Wirges I noch nicht gerettet ist. Steigen die Westerwälder aus der Oberliga ab, muss Wirges II sowieso runter in die Bezirksliga. Steht die Reserve also auf einem Abstiegsplatz, passiert nichts weiter, wenn nicht, tauschen sie mit einem potenziellen Absteiger den Platz. Der ist aber dann nicht gerettet, sondern muss in die Relegation mit den Bezirksliga-Zweiten. Ist dieser Verein mit einem weiteren punktgleich, muss zuvor noch ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden. Wenn dieser Fall eintritt, dann stehen Verband und Vereine vor demselben Szenario wie nach der Saison 2009/2010. Die "Verlängerung" würde sich dann nicht nur bis weit in den Juni hinein ziehen, sondern sich nach unten bis in die Kreisligen auswirken. Ein einziges Wirrwarr also.

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