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Ehrenamt
Molli-Reisen bringt Fußballer zum Ziel

Der Fußball-Spielkreis Mosel ehrte beim Ehrenamtstag in der Zentrale der Vereinigen Volksbank Raiffeisenbank in Wittlich seine engagierten freiwilligen Helfer.
Der Fußball-Spielkreis Mosel ehrte beim Ehrenamtstag in der Zentrale der Vereinigen Volksbank Raiffeisenbank in Wittlich seine engagierten freiwilligen Helfer. FOTO: Holger Teusch
Wittlich. Beim Ehrenamtstag des Fußballkreises Mosel wurden diejenigen geehrt, die normalerweise nicht im Rampenlicht stehen. Von Holger Teusch

„Molli-Reisen hat uns stets ans Ziel geführt“, sagt Matthias Simon. „Ohne den Helmut, von allen Molli genannt, wäre unser Verein arm dran“, so der erste Vorsitzende der Spvgg. Minderlittgen-Hupperath und spricht damit aus, was jeder weiß, aber nur selten ausgesprochen wird: Ohne die vielen freiwilligen Helfer, die Woche für Woche, oft sogar fast täglich in ihre Zeit opfern, damit gekickt werden kann, wäre der Sportbetrieb auf den Fußballplätzen der Republik unmöglich. Ob es nun die Fahrdienste sind, die Helmut Konrad bei der Spvgg. Minderlittgen-Hupperath übernimmt, ob es der Verkauf von Würstchen oder Kuchen ist, Trikots waschen, Rasen mähen oder Linien markieren, es gibt viel zu tun, damit Fußball gespielt werden kann. Dass man den Ehrenamtlichen viel mehr Aufmerksamkeit schenken müsste, darin waren sich beim Ehrenamtstag des Fußballkreises Mosel in der Zentrale der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank in Wittlich einig. „Nicht funktioniert ohne die Menschen, die in den Dörfern leben und damit ohne das Ehrenamt“, sagte Landrat Gregor Eibes.

Aber das Ehrenamt erlebt eine Krise: „Es ist im Moment noch etwas schwierig junge Menschen ins Ehrenamt zu bringen“, stellte der Moselkreis-Ehrenamtsbeauftragte Manfred Junk fest. Klassische Vereinsstrukturen sind oft nicht mehr attraktiv. „Wir müssen im Ehrenamt den Zeitgeist erkennen“, sagt deshalb der Bernkastel-Wittlicher Sportkreisvorsitzende Günter Wagner und Alois Stroh stimmt zu: „Das Ehrenamt von heute ist ein anderes, als vor 20, 30 Jahren. Darauf müssen wir reagieren“, so der Vizepräsident des Fußballverbands Rheinland.

Der Jüngste, der am Freitagabend geehrt wurde, war Pascal Thiel. Der 20-Jährige von der Spvgg. Mülheim-Brauneberg ist Nachfolger von Franziska Simon als Kreissieger der Aktion „Fußballhelden - junges Ehrenamt“. Seit Kindesbeinen ist Thiel dabei. „Ich glaube als ich angefangen habe, war der Ball so groß wie ich“, erzählt er. Als Spieler der ersten Mannschaft seines Vereins ist Thiel aktiv, betreut aber außerdem die CII-Jugend der JSG Mittelmosel. Als die zweite A-Jugend-Mannschaft plötzlich ohne Trainer dastand, übernahm Thiel diese Aufgabe zusätzlich.

FVR-Vizepräsident Alois Stroh (rechts) steckt Hans-Peter Stoffel vom SV Dörbach die Ehrenamtsnadel des Deutschen Fußballbunds ans Revers.
FVR-Vizepräsident Alois Stroh (rechts) steckt Hans-Peter Stoffel vom SV Dörbach die Ehrenamtsnadel des Deutschen Fußballbunds ans Revers. FOTO: Holger Teusch

Der Fußballhelden-Kreissieger darf sich auf eine fünftägige Bildungsreise nach Spanien, in die Nähe von Barcelona freuen. Dabei dreht sich fast alles natürlich rund ums Leder, verriet Vorjahrespreisträgerin Franziska Simon. Die 20-Jährige zeigte sich begeistert: „Ich konnte viele Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen.“

Die Fußballhelden-Auszeichnung, die zum vierten Mal vergeben wurde, sei natürlich kein Orden fürs Lebenswerk, sondern solle motivieren, den Weg weiterzugehen, betonte der FVR-Ehrenamtsbeauftragte Jörg Ehlen. Eine spezielle Zielrichtung wird auch mit dem bereits zum 21. Mal vergebenen DFB-Ehrenamtspreis verfolgt. „Der Preis wird nicht für langjähriges Engagement, sondern für ein ganz besonderes Projekt vergeben“, erklärt Walter Kirsten. Bei Werner Kalle kommt beides zusammen. „Werner Kalle hat für den SV Zeltingen-Rachtig Unglaubliches geleistet“, sagt Josef Schmitz über den ersten Vorsitzenden, der bei der Preisverleihung beruflich bedingt nicht anwesend sein konnte. Kalles Meisterwerk: der Kunstrasenplatz. „Werner hat nie aufgegeben und sich auch von Rückschlägen nicht beirren lassen“, erklärt Schmitz.

Seit elf Jahren ist Werner Kalle Vorsitzender des SV Zeltingen-Rachtig. Auf eine dreimal so lange Amtszeit kann Hans-Peter Stoffel beim SV Dörbach verweisen. Der 67-Jährige erhielt dafür die Verdienstnadel des Deutschen Fußballbunds (DFB). „Ich habe das ungefähr die Hälfte meines Lebens gemacht“, blickt Stoffel zurück und betont, das Ehrenamt sei keine Einbahnstraße: „Mir hat es auch viel zurückgegeben. Ich habe gelernt mit Menschen umzugehen, sie zu führen und habe mir viel Menschenkenntnis zugelegt.“

Darauf können auch die acht Vereinsmitarbeiter verweisen, die beim Moselkreis-Ehrenamtstag mit DFB-Ehrenamtsurkunde und -uhr ausgezeichnet wurden. Selbst hätten sie sich nie für eine solche Ehrung vorgeschlagen, wie der Vorsitzende der Spvgg. Mülheim-Brauneberg Wolfgang Thiel beispielhaft erzählte: „Warum zerrst du mich dahin“, habe Kornelia Bottler gefragt, als sie nach Wittlich fuhren. Eigentlich war es klar, denn „die Seele des Vereins“ (Thiel) ist seit drei Jahrzehnten engagiert. Aber sich selbst auf Podest heben, ist nicht das Ding der meisten Ehrenamtlichen.