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Die Schutzengel des Frühaufstehers unter den Ironman-Triathleten

Trier : Die Schutzengel des Frühaufstehers

Unter dem Slogan „Clowns und Helden“ will der Trierer Peter Joecken seinen 50. Triathlon über die Ironman-Distanz für einen guten Zweck absolvieren. Zum 25. Mal startet er am 7. Juli im Triathlon-Mekka Roth.

Peter Joecken müsste nicht mehr früh aufstehen. Der 64 Jahre alte ehemalige Pflegedirektor am Hermeskeiler Krankenhaus ist seit einem Jahr im Rente. Während seines Berufslebens lief er entweder noch vor der Morgendämmerung durch Trier oder fuhr während der Sommerzeit um vier Uhr von Trier zur Arbeit. „Danke für den Ruwer-Hochwald-Radweg!“, sagt Joecken noch heute. Denn auch wenn er nicht mehr so früh aufstehen muss, um sein Training zu absolvieren, hat er diese Gewohnheit beibehalten. Trainingseinheiten auf dem gelobten Radweg inklusive.

Frühaufsteher haben einfach mehr vom Tag. Einziger Unterschied für Joecken zum Berufsleben: Jetzt kann er sich ein Mittagsnickerchen zur Erholung leisten. Für das, was der drahtige Senior vor hat, darf er nämlich die Regeneration nicht vernachlässigen. Joecken plant in diesem Jahr im Mai und Juli seinen 49. und 50. Triathlon über die Ironman-Distanz von 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einem Marathonlauf (42,195 Kilometer).

Am 7. Juli, acht Tage nach seinem 65. Geburtstag, gibt es bei der Challenge Roth sogar ein doppeltes Jubiläum. „Ich habe Ende 2018 Bestandsaufnahme gemacht und gemerkt, dass ich schon 24 Mal in Roth gefinisht habe und das mein 25. Start meine 50. Langdistanz sein könnte“, erzählt Joecken. Dazu muss er Ende Mai auf Lanzarote zwar noch zum 49. Mal bei einem Ironman ins Ziel kommen. Darin sieht der Sportler von Tri Post Trier aber kein Problem: „Viele sagen, das ist verrückt, aber meine Regeneration ist außergewöhnlich gut.“

Sowieso ist nach so vielen Rennen über die Ironman-Distanz vieles anders, als zu Beginn der 1990er Jahre, als Joecken mit dem Ausdauersport begann. „Die Aufregung ist der Routine gewichen“, sagt er. Er weiß mittlerweile ganz genau, was zu tun ist. Anders als 1989, als der passionierte Surfer ziemlich unbedarft am Triathlon im saarländischen Losheim teilnahm. „Damals bin ich Letzter geworden. Ich glaube schon nach der ersten Radrunde hat Jürgen Zäck mich überrundet“, erzählt Joecken. Aber sein Ehrgeiz war geweckt. Ein Jahr später kam er in Roth erstmals über die Ironman-Distanz ins Ziel.

Das Rennen in Bayern ist immer noch sein liebstes, obwohl er auch gerne auf Lanzarote (Im Mai zum 13. Mal) startet und sich mehrmals für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert hat. Gestartet ist er aber nur einmal, 2014, beim berühmtesten Triathlon der Welt. „Hawaii hat finanziell so ins Kontor geschlagen. Da waren 10 000 Euro weg“, erzählt er. Während andere süchtig werden, zieht es Joecken auf eine andere Vulkaninsel: Lanzarote „Ich halte das Rennen für noch anspruchsvoller“, sagt er.

Sein Favorit ist und bleibt aber Roth. Mit seinem 25. Start (Joecken: „Ich weiß nicht, ob jemand schon so oft in Roth im Ziel war.“), seiner 50. Ironman-Distanz, initiiert er deshalb zusammen mit Michel Descombes, dem von Marathonläufen bekannten französischen Lauf-Clown, unter dem Slogan „Clowns und Helden“ eine Charity-Aktion. Die Hälfte seines gesparten Startgelds (als Jubilar startet Joecken kostenlos) und die möglichen Prämien für Altersklassensieg und -streckenrekord will Joecken zugunsten des Hospizvereins Hilpoltstein/Roth spenden. Zusätzlich bietet er schon jetzt und am Rother Triathlon-Wochenende vor Ort zusammen mit Descombes Schutzengelkieselsteine mit Symbolen der Triathlon-Disziplinen Schwimmen, Rad fahren und Laufen an.

„Ich dachte mir, als Triathlet muss man der Challenge und der Region Roth etwas zurückgeben“, erklärt Joecken. Die Stimmung beispielsweise im Zuschauerspalier des Solarer Bergs, die gern mit der Atmosphäre beim legendären Tour-de-France-Anstieg nach Alpe d'Huez verglichen wird, sei einfach einmalig. Die soll ihn trotz Knie-Operation im Winter zum Altersklassen-Streckenrekord treiben. Der liegt bei 11:41 Stunden für die insgesamt rund 226 Kilometer. „Elf bis elfeinhalb Stunden sind realistisch“, glaubt Joecken.

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