Marathon : 16 000 laufen durchs Zirkuszelt

Beim ING Night Marathon in Luxemburg wird mit dem Kenianer Moses Mosop der schnellste Marathon-Debütant aller Zeiten erwartet. Die Rekordzahl von 72 Musik-Hotspots ist die Grundlage für die schon legendäre Atmosphäre.

16 000 Läufer aus 114 Nationen, der jüngste gerade mal eineinhalb Jahre alt, der älteste 86, 72 Mal Musik entlang der Strecke, 300 Sambatrommler, mehr als 1000 Lampions im Pétrussetal, der ING Night Marathon kreuz und quer durch die luxemburgische Hauptstadt verspricht auch bei der 14. Auflage eine Veranstaltung der Superlative zu werden. Von 100 000 Zuschauern entlang der Strecke sprechen die Organisatoren der Agentur Step by Step alljährlich. Nachzählen lässt sich das schwerlich. Jedenfalls drängen sich die Menschen am Marathonabend auf und vor allem am Rand der Laufstrecke. Die Stimmung: Jedes Mal rekordverdächtig!

Ein Rekordmann wird am 1. Juni erwartet. Das gab Organisationsleiter Erich François bei der Abschluss-Pressekonferenz zur diesjährigen Auflage am Dienstag in Luxemburg bekannt. So schnell wie der Kenianer Moses Mosop lief noch nie ein Mensch bei seinen ersten Marathon (42,195 Kilometer). Nach 2:03:06 Stunden war der 33-Jährige 2011 beim Boston-Marathon im Ziel. Das war schneller als der damalige Weltrekord von Haile Gebrselassie aus Äthiopien (2:03:59 Stunden, Weltrekord seit vergangenen Herbst 2:01:39 Stunden des Kenianers Eluid Kipchoge). Allerdings ist die Bostoner Punkt-zu-Punkt-Strecke wegen ihres tendenziellen Gefälles nicht rekordfähig.

Das kann Mosop in Luxemburg nicht passieren. Viel Arbeit steckt in dem Parcours, der so im Groben zwar seit 2006 gelaufen wird wegen Bauarbeiten aber alljährlich überarbeitet werden muss. 2019 so viel, wie noch nie. „Ich hatte in den 13 Jahren noch nie so viele Probleme die Strecke fertig zu bekommen“, erzählte François. Die neue Straßenbahn (Tram) bietet zwar neue Möglichkeiten für Zuschauer, im Bahnhofsviertel wird allerdings noch an der Trasse gearbeitet. Auf den fertiggestellten Abschnitten auf dem Kirchberg muss man Fahrplan und Lauffluss in Einklang bringen. „Das hat uns viel Hirnschmalz gekostet“, so François. An zwei sogenannten Tram-Schleusen werden die Läufer von Helfern (insgesamt sind am 1. Juni 1200 Freiwillige im Einsatz) so geleitet, dass einerseits die Sportler weder warten noch mehr laufen müssen, noch der Straßenbahnverkehr ruhen muss.

Selbst kurze Wartezeiten dürfte für etliche der laut François 16 000 Teilnehmer aber sowieso kein großes Problem sein. Die Stimmung und der Trubel sind das eine, die abwechslungsreiche, aber auch schwierige Strecke das andere, was den Luxemburg-Marathon zum Event für Lauf-Genießer machen. Neu in diesem Jahr: ein Zirkuszelt, durch das auf dem Glacis gelaufen wird.

Erstmals in der 13-jährigen Geschichte vermeldete François gestern keinen Teilnehmerzuwachs: „Wir hatten dieses Jahr das große Pech, das wir in den Ferien gelandet sind. Wir haben die 16 000 wieder. Etwas später als sonst, aber dafür viel mehr Läufer aus dem Ausland.“ Aus den Firmen des Großherzogtums seien etwa 2000 Meldungen weniger eingegangen. Wegen der am kommenden Wochenende in Luxemburg beginnenden Pfingstferien seien viele in Urlaub, mutmaßt François. Die freien Plätze gingen an Läufer, die aus dem Ausland anreisen. Angesichts von Läufern aus 114 Nationalitäten aus 38 Ländern gibt es nur noch wenige weiße Flecken auf der Teilnehmer-Weltkarte des Luxemburg-Marathons.

Mehr von Volksfreund