Rheinlandpokal 2019: Streit ums Stadion fürs Finale

Diskussion um Verbandssitz : Rheinlandpokal: Knatsch ums Finalstadion

Rund um die Auslosung der Partien bis zum Halbfinale flammt eine alte Diskussion wieder auf. Im Zentrum steht der Verbandssitz Koblenz.

Der vor zwei Jahren aufgekommene Ärger konnte nur notdürftig unter der Decke gehalten werden. Nun kocht die Diskussion wieder hoch. Sie entzündet sich an der Frage, wo Jahr für Jahr das Finale des Fußball-Rheinlandpokals ausgetragen werden soll.

Vor 24 Monaten steuerte der Fußballverband Rheinland darauf zu, immer das Stadion Oberwerth in Koblenz als Finalstadion festzulegen. Nach einem Sturm der Entrüstung von Vereins- und Fußballkreis-Vertretern in der Region Trier wurde der Plan seinerzeit erst mal wieder in die Schublade verfrachtet (der TV berichtete).

Nun scheint der Verband, der seinen Sitz in Koblenz hat, einen neuen Anlauf zu nehmen, indem er  Anfang September – also mehr als acht Monate vor dem Finale am 23. Mai 2020 – das Oberwerth-Stadion als Finalstadion der aktuellen Pokalrunde festgelegt hat.

Welche Argumente führt der Verband ins Feld?

Vor allem drei. Laut Walter Desch, Präsident des Fußball-Verbands Rheinland (FVR), müsse wegen der ARD, die erneut sämtliche Landespokalendspiele im Rahmen einer großen Live-Konferenz übertragen wird, „sehr früh“ über den Finalort entschieden werden.

Zum anderen sprächen logistische Vorteile für Koblenz – und damit auch finanzielle Aspekte. Laut FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch führe die Austragung des Endspiels außerhalb von Koblenz zu Mehrkosten „im deutlich fünfstelligen Euro-Bereich“. Beispielhaft nennt er drei Gründe:

  1. Höhere Aufwendungen für den Sicherheitsdienst, der aus Koblenz weitere Anfahrten habe.
  2. Ausgaben fürs Catering, das in Koblenz über die eigene Sportschule abgewickelt werden könne.
  3. Aufwendungen, wenn der für die Organisation des Finals notwendige Tross hauptamtlicher Mitarbeiter des FVR quer durchs Verbandsgebiet fahren müsse.

Das Beauftragen ortsnaher Sicherheitsdienste außerhalb von Koblenz ist für Desch keine wirkliche Option: „Bei der Zusammenarbeit mit Sicherheitsorganisationen ist man immer froh, wenn man nicht wechseln muss.“

Zudem sei eine frühzeitige Festlegung auf ein Finalstadion für die Vermarktung essentiell. „Wir brauchen früh Planungssicherheit, was die Vermarktung angeht, um da­rüber Einnahmen zu generieren“, sagt Bertsch. Dafür brauche man mindestens sechs Monate Vorlaufzeit. Würde der Finalort erst nach Feststehen der Endspielteilnehmer auserkoren, blieben lediglich zwei Monate Zeit.

Was sagt die ARD?

„Die ARD will von uns schon Monate vorher wissen, wo gespielt wird – für ihre Planung“, sagt Desch. Auf TV-Nachfrage klingt das seitens der ARD anders.  Auf die Frage, bis wann die Landesverbände der ARD mitteilen müssen, in welchem Stadion das Verbandspokalendspiel ausgetragen wird, heißt es: „Zeitnah, nachdem die Finalteilnehmer feststehen.“

Plant der Verband nun, Koblenz als festen Finalort festzulegen?

Walter Desch gibt sich zurückhaltend, wohlwissend um die Brisanz, die in dem Thema steckt: „Wir haben noch keinen diesbezüglichen Beschluss gefasst.“ Er versteht kritische Stimmen, die es als sinnlos erachten, ein nach der aktuellen Auslosung zumindest theoretisch mögliches Finale zwischen Eintracht Trier und dem TuS Mosella Schweich in Koblenz auszutragen. Desch: „Wenn es so kommt, ist das Pech. Es ist halt so. Ich weiß, dass die Lösung manchen wehtut. Es gibt Situationen, in denen man es nicht allen Recht machen kann.“ Zu lange mit der Finalort-Bestimmung zu warten, sei aus den genannten Gründen keine Option.

Desch verweist auf die Verbands-Verwaltung, die sich auf jeden Fall für Koblenz als Dauerlösung ausspreche – wenngleich auch eine Abstimmung im FVR-Präsidium laut Verbandschef eine deutliche Mehrheit für Koblenz als festen Finalort bringen würde.

In der Tat verweist Bertsch auf „bestimmt zehn Argumente, die zwingend dafür sprechen“, Koblenz als Dauerlösung zu bestimmen. Gleichzeitig wehrt er sich gegen unterschwellige Vorwürfe, der Verband wolle mit der Koblenz-Wahl beispielsweise Trier eins auswischen: „Wir haben ergebnisoffen diskutiert und die Entscheidung nicht aus dem Ärmel geschüttelt.“

Natürlich wäre ein jährlicher Wechsel zwischen Trier und Koblenz möglich: „Doch auch dann müssen wir uns frühzeitig festlegen. Wir können auf keinen Fall erst das Halbfinale abwarten. In dem Fall müsste dann auch in Kauf genommen werden, dass zum Beispiel ein Endspiel zwischen RW Koblenz und der TuS Koblenz in Trier ausgetragen wird.“

Kommen keine anderen Stadien in Betracht?

Das ist die große Preisfrage. Laut Bertsch und Desch kommen im Verbandsgebiet aufgrund von Sicherheitsaspekten nur noch das Stadion Oberwerth und das Trierer Moselstadion infrage. Das Salmtalstadion in Salmrohr, vor drei Jahren Schauplatz des Endspiels zwischen der TuS Koblenz und Eintracht Trier, sei zwischenzeitlich von der Polizei nur noch bis 5000 Zuschauer zugelassen. Auf TV-Nachfrage teilte Karl-Peter Jochem aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier derweil mit: „Wir haben keine Fußballstadien ,freigegeben’ oder ,abgelehnt’.“

Wie ist die Reaktion in der Region Trier?

Eintracht Trier hat im Vorfeld der Auslosung der Achtelfinal-, Viertelfinal- und Halbfinalbegegnungen beantragt, „den Endspielort in dieser Spielzeit wie auch in Zukunft erst dann final zu benennen, wenn mögliche Teilnehmer der Partie auch absehbar sind oder gar feststehen“. Zustimmung kommt vom FSV Tarforst. „Wir haben dies bereits vor einiger Zeit diskutiert und kamen zu dem Ergebnis, dass es überhaupt kein Problem darstellen kann, relativ kurzfristig – zwei Monate vorher – die Endspielorte festzulegen“, sagt der FSV-Vorsitzende Werner Gorges. Auf Widerhall stießen die Eingaben beim Verband nicht.

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