1. Die Woch

Unsere Vereine: „Das Virus hat uns die Musik gestohlen“

Unsere Vereine : „Das Virus hat uns die Musik gestohlen“

Eingentlich wollte der Musikverein Concordia 1920 Wellen im letzten Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern. Erst seit Kurzem gibt es wieder Proben. Die Aktiven holen sich die Musik zurück.

Anfang Juni letzten Jahres sollte das 100-jährige Bestehen des Musikvereins Concordia Wellen gefeiert werden. Vorsitzender Torsten Klein erinnert sich: „Das Festzelt, die Getränke und die Schwenker waren bestellt, die Tanzband gebucht und die Gastverein eingeladen. Dann kam Corona.“

Aus musikalischer Sicht bedauert Dirigent Dirk Dostert ebenso die pandemiebedingten Einschränkungen: „Wir waren dabei, unser Jubiläumsprogramm einzustudieren, ein umfangreiches Programm aus der Vereinsgeschichte. Damit wollten wir unser Können beweisen.“ Showeffekte sollten die Feier noch abwechslungsreicher machen.

„Anfangs wusste ja keiner, wie lange das dauern wird“, erinnert sich der Vorstand. Dass es richtig ernst wird, begriffen alle, als der große Saal im Bürgerhaus geschlossen wurde, in dem immer geprobt wird. Inzwischen ist der Probenbetrieb wieder aufgenommen worden, draußen im Pavillon, aber nur, wenn es nicht regnet, denn das Bürgerhaus ist immer noch gesperrt.

In der Musik ist es wie im Sport, wer nicht trainiert, kommt aus der Übung. Was den Dirigenten noch mehr sorgt: „Auch Ausdauer und Spielleidenschaft können leiden.“

Im nächsten Jahr soll das große Fest steigen, ganz bestimmt. Durch die Wiederaufnahme des Probenbetriebes ist auch der Spaß am Spiel zurückgekehrt, und immer mehr stellt sich wieder der Gleichklang (Concordia) ein. Keiner der Musiker hat das Handtuch geworfen.

Ein Problem bleibt dem Verein jedoch erhalten: Der Mangel an Nachwuchs. So gesehen, ist die Jubiläumsfeier auch eine Werbeveranstaltung für die Zukunft der Concordia. Dirigent Dostert könnte Nachwuchsspieler auf der Trompete, dem Flügelhorn und dem Tenorhorn ausbilden. Für weitere Instrumente gibt es Musikschulen.

Die Historie mit Höhen und Tiefen

Vor 100, nein eigentlich 101 Jahren, schlossen sich acht Männer zum Musikverein Concordia Wellen zusammen. Zollassistent Kurhals leistete als erster Vorsitzender die Aufbauarbeit, unterstützt von Anton Haag, Matthias Steinmetz, Peter Pleimling I., Johann Haag, Peter Pleimling II., Johann Pütz und Bernard Beck.

Kurhals übernahm auch die musikalische Leitung als Dirigent.

Zunächst war das eigene Dorf die Bühne bei der Barbarafeier der TKDZ- Werke und Tanzveranstaltungen. Doch die Mitgliederzahlen stiegen. Stetig stieg dazu auch die musikalische Leistungsfähigkeit.

Der größte Einschnitt war jedoch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Viele Musiker kehrten nicht mehr heim. Die Überlebenden kämpften mit der Tatsache, dass inzwischen alle Instrumente verschwunden waren. Alles musste neu angeschafft werden.

Zwischen 1962 und 1976 bildete die Concordia eine Spielgemeinschaft mit Nittel. Eine gute Jugendarbeit ermöglichte danach wieder die Selbständigkeit.

Schon zum zweiten Mal schwingt Dirk Dostert den Dirigentenstab des Vereins, dem Torsten Klein vorsteht.

Das sagen drei Aktive

Horst Dostert: Auf Musik zu verzichten, das kommt für Horst Dostert nicht in Frage. Der 57-jährige Posaunist sagt: „Ich probe regelmäßig zu Hause. Aber in der Gruppe macht es halt viel mehr Spaß. Dieses Gefühl habe ich lange vermisst. Das Virus hat mir die Musik genommen, jetzt hole ich sie mir wieder zurück.“

Devin Faber: Schlagzeuger Devin Faber ist einer der Jüngsten im Verein, und den hat er als Ganzes vermisst. Der 16-jährige sagt: „Ich habe viel zu Hause gespielt. Aber das ist halt nicht dasselbe.“ Nachdem die Proben wieder begonnen haben, kann er dem Orchester wieder den Takt vorgeben – leider bislang nur im Freien.

 Ein Glück, dass es den Pavillon gibt: Dirigent Dirk Dostert darf seine Musiker derzeit nur im Freien proben lassen.
Ein Glück, dass es den Pavillon gibt: Dirigent Dirk Dostert darf seine Musiker derzeit nur im Freien proben lassen. Foto: Herbert Thormeyer
 Ältestes noch vorhandenes Foto: Das ist der Vorstand des Musikvereins Wellen im Jahr 1928.
Ältestes noch vorhandenes Foto: Das ist der Vorstand des Musikvereins Wellen im Jahr 1928. Foto: MV Wellen
 Dieses Bild entstand bei einem Ausflug nach Bernkastel im Jahr 1930.
Dieses Bild entstand bei einem Ausflug nach Bernkastel im Jahr 1930. Foto: MV Wellen
 Horst Dostert, Posaunist beim MV Wellen
Horst Dostert, Posaunist beim MV Wellen Foto: Herbert Thormeyer
 Devin Faber, Schlagzeuger beim MV Wellen
Devin Faber, Schlagzeuger beim MV Wellen Foto: Herbert Thormeyer
 Nicole Schäfer, Saxofonistin beim MV Wellen
Nicole Schäfer, Saxofonistin beim MV Wellen Foto: Herbert Thormeyer

Nicole Schäfer: Die Saxofonistin Nicole Schäfer hat mit der Musik im Alter von zehn Jahren angefangen. Sie sagt: „Während Corona habe ich die Musik sehr vermisst.“ Sowas habe sie noch nicht erlebt, so die 52-Jährige. Er jetzt werde klar, wie wichtig Musik ist: „Sie ist ein Teil von mir.“ Sie sei wieder froh, dass es wieder losgehen kann. Ganz bestimmt, wenn alle Musiker geimpft sind.