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Glaube im Alltag
Adventsordnung

Warten und Geduld sind die zentralen Themen im Advent. Früher standen diese „Tugenden“ höher im Kurs und es war selbstverständlich, dass die Geduldsproben im Vorfeld von Weihnachten dazu gehörten.

Den dunklen Advent zu ertragen, halfen auch die eingestreuten Lichtfeste vom Nikolaus, Barbara und Luzia. Warten war ein konzentriertes Ausgestrecktsein auf ein frohes Fest, auf Schenken und Beschenktwerden. Warten heute scheint mir durch die frühzeitige Angebotsfülle von Nahrungsmitteln, Süßigkeiten und Geschenken kaum noch möglich. Außerdem hat das Warten im Alltag einen überwiegend negativen Touch, ob an der Supermarktkasse, am Bahnhof bei Zugverspätungen oder auf der Autobahn. Mit dieser unbefriedigenden Seite des Wartens können wir alle schlecht umgehen. Geduld zu haben gilt oft als Zumutung oder Schwäche. Könnten wir nicht mehr aus diesem dunklen und strapaziösen Teil machen? Die folgende Geschichte könnte uns einen Weg aufzeigen: Ein kleiner Junge wollte mit seinem vielbeschäftigten Vater spielen, der hatte aber keine Lust. Der Vater überlegte, wie er ihn abwimmeln konnte. In seiner Zeitschrift, die er gerade las, fand er eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild, das ihn nicht interessierte, riss er aus und zerschnippselte es in viele kleine Teile. In der Meinung, ihn lange beschäftigt zu haben, forderte er den Jungen auf, das Puzzle aus diesen vielen kleinen Einzelstücken zusammenzusetzen. Der Sohn zog sich zurück, nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild. Ungläubig fragte der ihn, wie er das geschafft habe. Der Sohn sagte: „Auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt. Durch einfallsreiches kreatives Tun den inneren Menschen in Ordnung bringen, wirkt nach außen und kann die Welt heller und menschlicher machen. In diesem Sinne noch ein vorweihnachtlicher Rat vom griechischen Philosophen Epikur: „Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinem Reichtum zu, nimm ihm einige von seinen Wünschen!“