Die Illuminale in Trier hat viele Besucher erfreut

Die Woche im Blick : Die Region leuchtet und braucht Mut

Es war ein beeindruckendes Schauspiel am vergangenen Wochenende: Der Trierer Dom diente als Leinwand, die Illuminale lockte rund 20 000 Zuschauer in die Stadt. Der Applaus machte deutlich: Es war richtig, diesmal wieder größer zu planen.

Die Illuminale ist eben – so viel Ehrlichkeit ist notwendig – der Platz, an dem Lichtkunst die Massen erreichen muss. Und diese Kunst muss eingängig sein. Schon alleine die technisch anspruchsvolle Projektion sorgte für den notwendigen Aha-Effekt und dafür, dass die Besucher zufrieden waren. Ebenfalls notwendig ist eine gewisse Größe der Hauptattraktion: Mit der Domfassade war diese gegeben und die Sicht war von vielen Punkten sehr gut. Dass es zur Abendstunde teils sehr eng war, ist den Verantwortlichen bewusst – das zeigten die Reaktionen auf Anmerkungen in den sozialen Netzwerken. In den nächsten Jahren geht es also darum, die Massen zu leiten. Und ansonsten stets zu überraschen und weiter viele Menschen anzulocken.

Die Illuminale machte aber zudem eines deutlich: Selbst eine Stadt wie Trier muss immer wieder Neues wagen, um attraktiv zu bleiben. Sie muss überraschen, um jüngere Menschen anzuziehen. Und sie muss ihre Stärken selbstbewusst und modern präsentieren. Der Ansatz, sich in der Mitte Europas zu positionieren, ist verständlich, aber wenig hilfreich. Denn einerseits gibt es geografisch viele Orte, die dies von sich behaupten, und andererseits ist es bei unseren Anschlüssen – besser: Nicht-Anschlüssen – an den Fernverkehr so, dass wir zunächst ganz offensichtlich am Rande Deutschlands liegen.

Dies muss übrigens für die ganze Region nicht nur ein Nachteil sein. Unsere Nähe zu Luxemburg, Belgien, Frankreich ist nicht nur mit Blick auf die Arbeitsmöglichkeiten spannend. Wer bei uns seinen Urlaub verbringt, hat die Chance, von hier aus vier Länder zu erkunden. Dazu ist es aber notwendig, die Chancen des Tourismus konsequent zu nutzen. Nur wenn die Hotels hier etwa durchgehend hochattraktiv sind, werden sie für mehr als eine Nacht genutzt. Und nur wenn wir erkennen, dass das schönste Unesco-Welterbe nur dann angemessen präsentiert wird, wenn die Umgebung die passende ist, hat unsere Region die Chance, die Touristen anzulocken, die wirklich hochinteressant sind: diejenigen, die nicht nur einmal mit dem Bus durchreisen, sondern diejenigen, die hier übernachten, essen, einkaufen.

Trier leuchtet und die jüngsten Arbeitslosenzahlen zeigen, dass in der gesamten Region keiner Angst haben muss, dass die Lichter ausgehen. Der City Campus, bei dem sich parallel zur Illuminale Hochschule und Universität präsentierten, machte dabei ebenfalls Hoffnung. Ebenfalls die Ankündigung, dass beide ihre Studiengänge im Gesundheitsbereich bündeln wollen. Doch auch hier muss eines klar sein. Ein Gesundheitscampus ist nur dann anziehend, wenn er vor allem eines ist: besser als die Konkurrenz und die ist nicht nur, aber auch mit Blick nach Mainz oder Luxemburg riesig. Wie bei der Illuminale ist daher hier eines wichtig: groß zu denken und etwas zu wagen.

t.roth@volksfreund.de

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