Gesellschaft

Zum Artikel "Beschneidung: Kaum Hoffnung auf schnelle Regelung" (TV vom 23. Juli):

Die Infragestellung der Beschneidung in Deutschland nimmt in meinen Augen verwunderliche Züge an. Die "Verteidigung" des Kindeswohls steht dabei in einer Weise im Vordergrund, die in keinem angemessenen Verhältnis der "Bedrohung" dieses Wohls durch die professionelle Beschneidung steht, wenn es um den jüdischen Jungen acht Tage nach der Geburt geht, um dessen Wohl ja doch die Eltern selbst Sorge tragen. Auf ein breites Unverständnis stößt offenbar die religiöse Begründung diese Brauchs. Hier sind wir auf die Deutung der Juden selbst angewiesen, die seit Jahrtausenden in der Beschneidung ein unaufgebbares Zeichen ihrer religiösen Identität sehen. Ich halte die Äußerung von Frau Merkel für menschlich und politisch klug, wenn sie sagt, sie wolle nicht, "dass Deutschland das einzige Land der Welt sei, in dem Juden nicht ihre Riten ausüben dürfen". Gisela Steinbach, Trier