NATUR

Zum Artikel "Pilze sammeln [… ]" (TV vom 22. Oktober):

Jäger schießen auf so ziemlich alles, was sich im Wald bewegt - jetzt auch auf Pilzsammler, zumindest verbal. Laut Volksfreund warnt der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz (LJV) vor "Ruhestörungen" und "Stressbelastung" der Wildtiere durch Pilzsammler. Im Grunde ist\'s ein schlechter Witz: Ausgerechnet ein Verband, der für Treibjagden und Drückjagden verantwortlich ist, macht sich um die Auswirkungen des Pilzsammelns auf die Psyche der Waldtiere Gedanken. Denn eine echte Ruhezeit, im Sinne von Stressvermeidung für die Tiere, ist von den Jägern gar nicht vorgesehen. So dürfen zum Beispiel Wildschweine sowie Jungtiere von Marderhund, Waschbär, Fuchs und Dachs ganzjährig bejagt werden. Ein Blick in die rheinland-pfälzische Abschussbilanz ("Jagdstrecke" genannt) gibt Aufschluss über das Ausmaß der Jägeraktivitäten: 2013/2014 wurden allein beim Rehwild 79 453 Tiere erlegt. Auf dieser Liste der Tier-Todesopfer stehen aber auch 40 359 Wildschweine, 25 244 Füchse, 4056 Dachse und 5746 Hasen. Unruhe im Wald gibt es also das ganze Jahr über: vom Hochsitz aus, durch Treibjagden und die sogenannte Fallenjagd. Die Hauptjagdsaison beginnt im Oktober bis in die Wintermonate hinein. Die krassesten Ruhestörer sind Treib- und Drückjagden. Hier ziehen Treiber mit Hunden durch den Wald und bringen das Wild "auf die Beine", "drücken" es in Richtung Schützen. Wer also ist hier der Störenfried? Oder könnte es etwa sein, dass der Zweck der jägerlichen Ermahnung ein ganz anderer ist, nämlich eine verbale Jagd auf zivile Nutzer des Waldes? Fühlen sich die Jäger durch Familienausflüge in den Wald womöglich in ihrer Vorstellung der Nutzung des Waldes als Jagdrevier gestört? Das liefe hinaus auf: "Die Moral von der Geschicht: Stört Jäger bloß beim Jagen nicht!" Gisela Taureck, Alf/Mosel