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Katholische Kirche: Schluss mit der Selbstjustiz!

Katholische Kirche : Schluss mit der Selbstjustiz!

Zu den Artikeln „Hat der Trierer Bischof Stein Missbrauch vertuscht?“ (TV vom 4. Februar), „Ehemaliger Trierer Bischof soll Missbrauchspriester gedeckt haben“ und  „Eine eindeutige Warnung vor Kleriker Nr. 20“ sowie zum Kommentar „Schluss mit der Mauertaktik!“ (TV vom 6. Februar) schreiben Dr. Rainer Schnettler, Henryk Sienkiewicz und Martina Lenzen:

Stichwort „bistumsweite Auf­arbeitung durch eine unabhängige Kommission“: Läsen wir im Trierischen Volksfreund, dass die italienische Mafia ihre kriminellen Aktivitäten intern und selber juristisch mit Hilfe einer „unabhängigen Kommission“ aufarbeiten wollte, würde jeder wissen, dass das zu nichts führen wird.

Ähnlich verhält es sich möglicherweise mit dem Aufarbeitungswillen in der katholischen Kirche, in Trier und anderswo.

Unser Staat ist in Sachen Justiz immer noch außen vor, die katholische Kirche kann nach eigenen, undemokratischen Gesetzen agieren.

Es ist mehr als überfällig, dass dieser Vereinigung das Recht der Selbstjustiz durch das Rechtsmonopol des laizistischen Staates aus der Hand genommen wird. Die Staatsanwaltschaften müssen von Amts wegen aktiv werden.

Dr. Rainer Schnettler, Kasel

Als Bischof Bernhard Stein seinerzeit – nach allem, was jetzt ans Licht kommt, gibt es daran wohl keinen Zweifel mehr – seine schützende Hand über die Missbrauchspriester im Bistum Trier hielt, wurden in Deutschland weitaus schlimmere Vergehen unter den Teppich gekehrt.

Aus heutiger Sicht unverzeihlich, da es sich bei den Opfern um Kinder oder Heranwachsende gehandelt hatte.

Sollte der nach Bernhard Stein benannte Platz in Trier umbenannt werden, dann könnte Prof. Franz Ronig (1927-2019) als Pate zur Verfügung stehen. Franz Ronig, Domkapitular, Bistumskonservator und Kustos des Domschatzes , wohnte nicht nur über 40 Jahre an diesem Ort, er hat sich auch wie kaum ein anderer um den Dom verdient gemacht.

Es gab und es gibt genug gute Priester, die als gute Hirten ihr religiöses Werk ausüben oder ausgeübt haben.

Man denke auch an die Gefängnisseelsorger, die an diesem Platz über 100 Jahre den Gefangenen stets zur Seite standen.

Daher mein „neutraler Vorschlag“ zur Umbenennung dieses Platzes:  „Gute-Hirten-Platz“.

Henryk Sienkiewicz, Trier

War der sich so volkstümlich gebende Trierer Bischof Bernhard Stein so arglos? Freudig nahm er von Helmut Kohl das Bundesverdienstkreuz entgegen. Das bekam nicht jeder. Die keins bekamen, waren nicht immer die schlechtesten.

Ich erinnere mich, dass in den siebziger Jahren, als gerade französische Juden wie Claude Lanzmann über die Shoa sprachen, auch tatsächlich noch ein Fragezeichen gesetzt wurde bei uns in den Medien!

Was ist nach dem Krieg nicht alles vertuscht worden? Wie viele Nazis machten in der Bundesrepublik Karriere? Ärzte, Juristen.

Wer nichts weiß und es wissen könnte, wenn er wollte, der ist schuldig, ein Verbrecher, nicht nur ein Dummkopf.

Viele machten und machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt.

Zur Veränderung des Systems war die Kirche bislang nicht bereit. Mit Kirchensteuergeldern wurden uneheliche Priesterkinder finanziert, gleichzeitig die Sexualität nur in der Ehe gefordert ...

Aber man sollte nicht pauschalieren. Wir haben viele Geistliche, die sich bemühten und weiter bemühen.

Martina Lenzen, München