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Schifffahrt: Vier Wochen bei Wasser und Brot, in den eigenen Fäkalien liegend ...

Schifffahrt : Vier Wochen bei Wasser und Brot, in den eigenen Fäkalien liegend ...

Zur Berichterstattung über den Frachter „Ever Given“, der eine Woche lang den Suezkanal blockiert hat, schreibt Ingrid Wecker:

Fast jeder hat sie wohl gesehen, die Bilder des im Suezkanal festgefahrenen riesigen Containerschiffes „Ever Given“. Das Monster im Besitz einer japanischen Firma, unter panamesischer Flagge für eine taiwanesische Reederei unterwegs, dabei betrieben („bereedert“) von einer deutschen Vertragsfirma aus Hamburg (man lasse sich das alles mal auf der Zunge zergehen…), war auf dem Weg von China nach Rotterdam und blockierte für Tage eine der wichtigsten Schifffahrtsverbindungen der Welt. Das Schiff hatte übrigens bereits 2019 für einen Unfall in der Nähe des Hamburger Hafens gesorgt, als es bei einer Kollision mit der Fähre Finkenwerder das Fährschiff schwer beschädigte. Interessant!

Durch die Blockade auf dem Suezkanal kam es auf beiden Seiten der Wasserstraße zu dem wohl bisher größten Schiffsstau aller Zeiten. So weit, so schlecht. Worüber jedoch nur äußerst sparsam informiert wurde, ist eine ganz andere Tragödie: Auf rund einem Dutzend der im Stau befindlichen Schiffe gab es lebende Fracht! Rund 120 000 Schafe befanden sich alleine auf etlichen Frachtern aus Rumänien, wohl auf dem Weg nach Saudi-Arabien. Weitere Tausende von Rindern unter anderem aus Spanien mussten auf einigen anderen Schiffen viele, auch futtermäßig nicht eingeplante Tage, ausharren. Durch einen Artikel des ägyptischen Magazins „Ahram Online“ konnte man erfahren, dass die ägyptische Regierung schließlich dankenswerterweise rund 100 Veterinäre auf die Schiffe entsandte, um den Zustand der Tiere zu überprüfen, sie mit Futter zu versorgen und schon kranke oder zu schwache Tiere zu erlösen. Man mag sich nicht vorstellen, welche Szenen sich in den Laderäumen abgespielt haben.

Schon einige Wochen vorher hatte es Berichte gegeben, wonach mehrere Tausend Rinder auf zwei Schiffen wochenlang in den Laderäumen eingesperrt waren, weil die Bestimmungsländer sie wegen des Verdachts auf Blauzungen­erkrankung einiger Tiere nicht an Land ließen. Am Ende wurden alle Tiere noch an Bord geschlachtet, die meisten waren eh schon vorher elend verreckt. An Dehydration, Sauerstoffmangel und Hunger gestorben in ihrem eigenen Dung.

Mir kommt angesichts solcher Informationen der heilige Zorn hoch! Wieso sind solche fürchterlichen wochenlangen Langstreckentransporte für lebende Tiere nicht schon längst verboten, zumindest aus der EU? Wo bleiben Tierschutz und Mitgefühl für unsere Mitkreaturen. Wie gehen wir mit Tieren um? Warum muss immer noch Lebendfleisch in weit entfernte Länder exportiert werden, wo am Ende einer eh schon grauenvollen Reise den gequälten Tieren meist auch noch bei lebendigem Leib der Hals durchgeschnitten wird?

Ich fordere die Landwirtschaftsminister der EU-Länder auf, endlich etwas gegen diese Transporte zu unternehmen, das heißt, sie ganz konkret zu verbieten! Und zwar sofort!

Ansonsten wünsche ich mir sehnlichst, dass sämtliche für dieses unglaubliche Leid mitverantwortlichen Ministerinnen und Minister einmal in den Bauch eines Schiffes verbracht werden und dort bei Wasser und Brot in ihren eigenen Fäkalien liegend vier Wochen zubringen müssen …

Ingrid Wecker, Konz