Mein GARTEN

Meine Oma fragte immer: "Wer hat Mut, den zu trinken?" Der Satz über bitteren Wermut-Tee kam mir wieder in den Sinn, als ich im Gartencenter eine Edelraute streifte. Wie Wermut gehören die silberlaubigen Schmuck- und Heilkräuter zur gleichen Gattung der Artemisien.

Diese hier aber roch weder nach verdauungsförderndem Kampfer noch nach Motten verscheuchenden Duftsäckchen. Die Sorte trug den Namen Parfum d\'Ethiopia - also Parfüm aus Äthiopien. In dem nordafrikanischen Land soll ja die Wiege der Menschheit liegen. In die frühe Entwicklungsphase des Menschen fällt die Verarbeitung der Sinnesreize im Stammhirn. Und genau dort ist das Riechen verankert. Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn beim Riechen Kindheitserinnerungen, Gefühle und ganze Bilder aufkommen. Hier nun entfaltete sich ein Marktstand voll eingelegter Oliven. Wirklich: Es roch wie Oliven in Kräuteröl. Die Edelraute war gekauft. Appetitliche Duftpflanzen sind eine echte Bereicherung in der Sommerflor-Gestaltung. Immer häufiger werden Kräuter mit Blumen kombiniert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Viele Kräuter fördern andere Pflanzen in ihrem Wachstum und halten ihnen Schädlinge vom Leib. Artemisien-Sorten allerdings, die stark riechen, können andere Pflanzen mit ihren Wurzelausdünstungen stören. Meine Edelraute pflanze ich daher in einen eigenen Topf und nutze sie als mobilen Diplomaten, der zwischen knallbunten Sommerfarben vermittelt. Sie haben eine Frage an unsere Gartenexpertin Kathrin Hofmeister?Dann schreiben Sie an garten@volksfreund.de. Die für alle Hobbygärtner spannendsten Fragen werden im Volksfreund beantwortet. Mehr dazu unter www.volksfreund.de/garten Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne