Unterm Strich – Die Kulturwoche Wenn alles endet – und Langeweile kommt

Sie kamen gleichzeitig ins deutsche Fernsehen: Das „Dinner for One“ und der „Schimpf vor Zwölf“. Während die Geburtstagsfete von Miss Sophie auch in diesem Jahr wieder gefeiert wird, kann der „Schimpf vor Zwölf“ gerade einmal auf fünf Ausgaben zurückblicken.

  n: Ein beleuchtetes Schild markiert den Eingang zur Münchener Lach- und Schießgesellschaft. Jetzt werden die letzten Scheinwerfer ausgeknipst. 

n: Ein beleuchtetes Schild markiert den Eingang zur Münchener Lach- und Schießgesellschaft. Jetzt werden die letzten Scheinwerfer ausgeknipst. 

Foto: dpa/Axel Heimken

Von 1963 bis 1971 wurde die Jahresabrechnung der einstmals berühmten Münchner Lach- und Schießgesellschaft alle zwei Jahre am 31. Dezember in deutsche Wohnzimmer hineingestrahlt. Mitwirkende waren in den Anfangsjahren Ursula Noack, Hans-Jürgen Diedrich, Jürgen Scheller, Klaus Havenstein und natürlich Dieter Hildebrandt, dessen Ruhm von allen aus der Truppe der langlebigste war. Jetzt wird in der Spötterbühne, die sich nach dem Ausscheiden der Ur-Lacher und -Schießer mehr schlecht als recht recht in der Ursulastraße 9 gehalten hat, endgültig der letzte Scheinwerfer ausgeknipst: Das Kabarett hat nach längerem Ringen Insolvenz angemeldet. Der Versuch eines Neubeginns sei unternehmerisch und persönlich gescheitert, teilten die  (zerstrittenen) Gesellschafter Bruno Jonas und Laila Nöth mit. Mit diesem Schritt mache man den Weg frei für eine altlastenfreie Übertragung der bedeutsamen Spielstätte aus der Insolvenz heraus. Vor einigen Tagen hatten sich auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und der Kulturreferent Anton Biebl für den Erhalt der legendären Kabarettbühne in München-Schwabing stark gemacht. Ein Treffen zur Vermittlung im Streit zwischen Jonas und Nöth sowie dem dritten Gesellschafter Stefan Hanitzsch war offenbar gescheitert. Ein weiteres Gespräch mit dem Teilnehmerkreis erscheine zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll, hatte Reiter im Anschluss erklärt.

Und noch einen Nachruf ist zu vermelden: Michel Deville war zeit seines Lebens nicht der prominenteste Regisseur im französischen Filmgeschäft. Dennoch hat der im Alter von 91 Jahre verstorbene Künstler mit den Größten und Berühmtesten seiner Zeit gearbeitet: Seinen Regieanweisungen fügten sich unter anderem Romy Schneider, Brigitte Bardot, Catherine Deneuve, Anna Karina und Mario Adorf. Unter seinen rund 30 Werken waren Erfolge wie „Das wilde Schaf“, „Datenschutz“, „Der Tölpel“ und „Gefahr im Verzug“. Deville, so hieß es in einem Nachruf, galt als „diskreter und schwer einzuordnender Regisseur, der seinen eigenen Weg zwischen Autoren- und Kommerzkino ging“. „Nicht zu hoch hinaus wollen, dafür aber allein“, sei sein berufliches Motto gewesen, verriet er einmal einem französischen Kulturmagazin. Und dass er bei der Arbeit „immer seinen Spaß“ gehabt habe. Mehr kann man von seinem Job nun wirklich nicht erwarten.

Devilles schwedischer Kollege Ruben Östlund dagegen, für seinen Film „Triangle of Sadness“ soeben für einen „Oscar“ nominiert, will in seinem nächsten Projekt mit dem Titel „The Entertainment System is Down” seinen Mitspielern den Spaß gründlich verderben. Im Fokus des Films stehe ein Langstreckenflug, sagte Östlund am Rande der Berlinale. „Und kurz nach dem Start teilt die Crew den Passagieren mit, dass das Unterhaltungssystem nicht funktioniert.” Also – kein Film, keine Musik, keine Videospiele am Sitzplatz – sondern nur pure Langeweile. Schon erstaunlich – früher dauerten die Langstreckenflüge bekanntlich noch länger. Und auch damals gab es kaum Berichte von gewalttätigen Auseinandersetzungen an Bord, weil die Passagiere etwa vor lauter Langeweile aufeinander losgegangen seien. Stattdessen hatte der ein oder die andere ein … Buch dabei. Schon klar, das ginge heute nicht mehr. Für jedes Gramm mehr an Gewicht verlangen die Fluggesellschaften ja inzwischen 20 Euro Aufpreis. Und die Zeiten, dass man dafür von Düsseldorf nach Dubai und zurück fliegen konnte, sind Geschichte. Östlunds Film könnte also ein sehr aktueller Kommentar zum modernen Tourismus werden … no/dpa