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Minden will sich nicht an den Kosten für die Kita Irrel beteiligen

Familie : Kita-Neubau: Ein Ort spielt nicht mit

Beim Neubau der Kita in Irrel ist derzeit nicht mit einer finanziellen Beteiligung der Einzugsgemeinde Minden zu rechnen. Diese weigert sich, sich an den Kosten des Projekts zu beteiligen.

„Wir sind raus aus der Nummer“, sagt Franz-Josef Ferring und bezieht sich damit auf einen kürzlich im Volksfreund erschienen Beitrag zum geplanten Neubau der Kita in Irrel.  Dort war zu lesen, dass die Kosten des Bauvorhabens auf die sieben Einzugsgemeinden Irrel, Echternacherbrück, Alsdorf, Niederweis, Menningen, Minden und Kaschenbach gemäß der Einwohnerzahl verteilt werden. Das stimmt auch soweit. Der Punkt ist nur: Minden weigert sich, seinen Anteil von 6,66 Prozent zu übernehmen.

Ferring, Ortsbürgermeister in Minden, verweist auf einen Beschluss des Gemeinderats vom Mai 2018. Damals hatte der Rat eine finanzielle Beteiligung am Kita-Neubau abgelehnt – einstimmig. Die Entscheidung hatte der Rat unter anderem damit begründet, dass es nicht hinnehmbar sei, dass sich das Land und auch der Kreis kaum an den Kosten beteiligten.

Das war 2018 und wie der Orts-Chef Ferring erklärt, habe sich an dieser Auffassung seitdem nichts geändert. Die Gemeinde sei bereits mit mehr als einer halben Million Euro verschuldet. Zudem ist Ferring der Auffassung, dass ein Umbau der Kita am derzeitigen Standort günstiger wäre als der nun geplante Neubau auf dem rund 100 Meter Luftlinie entfernten Grundstück neben dem Irreler Schulzentrum.

Hoch verschuldet ist aber nicht nur Minden, sondern auch die Ortsgemeinde Irrel, die als größte Einzugsgemeinde 42,5 Prozent der Kosten tragen muss. Das sind nach Abzug der Zuschüsse rund 2,35 Millionen Euro. Damit sich der Bau der Kita nicht noch weiter verzögert, hat sich Irrel dazu bereit erklärt, den Anteil der Mindener zu übernehmen. Das aber auch nur vorerst.

Es ist zu erwarten, dass die Irreler das Geld zurückfordern werden. Zumal der für die Einteilung der Kita-Bezirke zuständige Kreis vorerst an der Einteilung des Einzugsbereichs festhält, die Kinder aus Minden also auch weiterhin die Kita in Irrel besuchen dürfen und sollen.

Herbert Theis, Ortsbürgermeister von Irrel, hat durchaus Verständnis dafür, dass sich sein Amtskollege in Minden über die fehlende Unterstützung seitens des Landes ärgert. Dass die Nachbargemeinde sich deshalb aber nicht an den Kosten für den Kita-Neubau beteiligen will, ist aus seiner Sicht „nicht gerade solidarisch“.

Und zu der weiteren Kritik aus Minden, was den Standort und die Frage Sanierung oder Neubau angeht, sagt Theis, dass man sich in Irrel im Vorfeld durchaus auch mit der Option befasst habe, die Kita am derzeitigen Standort umzubauen. „Doch dafür wäre das Grundstück zu klein“, sagt Theis. Zudem hätte man die Kinder dann ja auch noch während der Baumaßnahme woanders unterbringen müssen.

Den ebenfalls aus Minden kommenden Vorwurf, die Gemeinde Irrel profitiere von dem Umzug am meisten, weil sie dadurch das derzeitige Kita-Gelände anders nutzen oder an einen Investor verkaufen könne, will Theis auch nicht stehen lassen.  Schließlich sei das Grundstück, auf dem die neue Kita errichtet werde, ebenfalls im Eigentum der Gemeinde und darüber hinaus deutlich größer. Außerdem sei das neue Gebäude so geplant worden, dass es bei Bedarf um zusätzliche Gruppen erweitert werden könne.

Auch Verbandsbürgermeister Moritz Petry hätte sich gewünscht, dass sich das Land stärker an dem Projekt beteiligt. Er ist auch Vorsitzender des Kita-Ausschusses der Ortsgemeinde Irrel, in dem die Einzugsgemeinden vertreten sind. „Wir haben natürlich in Mainz mit Nachdruck versucht, eine höhere Förderung zu bekommen“, sagt Petry, aber da sei nichts zu machen gewesen. Und irgendwann habe man dann schließlich auch eine Entscheidung treffen müssen.

Ob die Gemeinde Irrel auf dem Mindener Anteil sitzen bleiben wird oder aber sich die Rückerstattung einklagen wird, bleibt abzuwarten. Theis jedenfalls will eine juristische Auseinandersetzung vermeiden. „Ich hoffe, dass es sich die Mindener vielleicht doch noch anders überlegen“, sagt der Irreler Ortsbürgermeister. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Entscheidung im Interesse der Eltern aus Minden ist.“