Blindgänger in Konz wird entschärft: Was Sie über die Bombe wissen sollten

Evakuierung am Sonntag : Was Sie über die Konzer Bombe wissen sollten

Nach dem Fund eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg steht fest, dass am Sonntag, 28. Oktober, in Konz wegen der Entschärfung Ausnahmezustand herrscht. Der TV beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Bombe, die Arbeiter am Donnerstagabend gefunden haben, soll nicht hochgehen. Sollte doch etwas passieren, soll niemand verletzt werden. (Liveticker auf volksfreund.de) Deshalb wird die Konzer Innenstadt am Sonntag, 28. Oktober, im Ein-Kilometer-Radius um die Alte Straße evakuiert. Dort hatten Bauarbeiter den Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Für die Entschärfung am Sonntag heißt das: Ab 9 Uhr darf niemand mehr in den Gefahrenbereich einfahren. Ab 11 Uhr ist es verboten, sich dort aufzuhalten. Um 13 Uhr soll die Entschärfung beginnen. Das Ende der Evakuierung wird laut der Konzer Verwaltung, sobald die Entschärfung vorbei ist, über Lautsprecheransagen, die Medien und auf der Internetseite www.konz.de bekanntgegeben.

Welche weiträumigen Folgen gibt es? Ein Teil der B 51 bei Konz liegt in der Evakuierungszone. Laut der Verfügung der Verwaltung zur Bombenentschärfung ist die wichtige Verkehrsachse zwischen Trier, Konz, Saarburg, Obermosel und Luxemburg ab 9 Uhr gesperrt. Bis 11 Uhr ist zwar noch die Ausfahrt aus Konz erlaubt, die Durchfahrt durch die Evakuierungszone aber nicht mehr. Deshalb bittet die Verwaltung die Autofahrer, Konz am Sonntag großräumig zu umfahren, bis die Bombe entschärft ist.

Neben der Zugstrecke Trier-Konz-Perl, auf der seit Freitagmorgen keine Züge mehr fahren, sind am Sonntag während der Bombenentschärfung auch die Gleise Richtung Saarland und Luxemburg gesperrt. Dadurch wirkt sich die Entschärfung auf die wichtigen Verbindungen zwischen Koblenz und Luxemburg oder Saarbrücken aus. Der Regionalexpress nach Saarbrücken fährt aber zum Beispiel noch zwischen 11 und 13 Uhr. Allerdings hält er in Karthaus und nicht am Bahnhof Konz, der wegen der Evakuierungszone nicht erreichbar ist.

Der Bahnersatzverkehr auf der Obermoselstrecke bleibt laut Bahn bis Sonntagabend, 18 Uhr eingerichtet. Gleiches gilt für den Ersatzverkehr, der zwischen Saarburg und Trier eingerichtet werden soll mit Halten in Ockfen und Wiltingen. Die Bahn empfiehlt, die Verbindungen vor Reiseantritt genau zu prüfen.

Wer ist direkt betroffen?  Die Konzer Verwaltung nennt nach Abgleich mit dem Melderegister die Zahl von 6600 Menschen, die direkt im Evakuierungsbereich leben.  Sie hat eine Liste mit 55 Straßennamen veröffentlicht, in denen alle Bewohner oder ein Teil der Anlieger ihre Häuser verlassen müssen. Neben dem kompletten Stadtzentrum sind Teile der Wohngebiete Karthaus, Berendsborn und Im Canet sowie des Stadtteils Könen betroffen. Die komplette Liste ist auch auf volksfreund.de im Internet zu finden. In der Evakuierungszone liegt zudem die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus. Die für 11 Uhr geplante Messe entfällt wegen der Bombenentschärfung. Neben der katholischen Kirche ist auch die Moschee der türkisch-islamischen Union in der Dammstraße in der Evakuierungszone. Die evangelische Kirche liegt außerhalb.

Interview mit Bombenexperte

Wer braucht am meisten Hilfe? Während die meisten Menschen ihre Wohnungen und Häuser selbstständig verlassen können, brauchen manche Hilfe, vor allem die Bewohner des Seniorenheims zur Buche sowie des Behindertenwohnheims der Lebenshilfe. Mike Matthias, Kreisbereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes, kümmert sich federführend um die Evakuierung der Häuser. Das DRK klärt zurzeit noch im Detail, wie viele Menschen wohin gebracht werden müssen. Fest steht bisher nur, dass der DRK-Einsatz am Sonntag um 5 Uhr beginnt.

Wo ist Hilfe zu finden? Die Verwaltung appelliert an alle Betroffenen, soweit es möglich ist, während der Evakuierungsphase bei Freunden oder Verwandten unterzukommen. Die Stadt richte ab Sonntagmorgen um 9 Uhr am Schulzentrum Konz in der Fest- und Sporthalle des Gymnasiums auch eine Notunterkunft ein.  „Am Schulzentrum stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung“, heißt es in einer Pressemitteilung. Es werde aber auch ein Buspendelverkehr aus der Innenstadt eingerichtet. Detailinformationen gibt es unter www.konz.de/fliegerbombe im Internet.

Foto: TV/Friedemann Vetter

Was ist mit dem Rest von Konz? Eine Straße sticht in der Liste der Verwaltung besonders ins Auge: die Roscheider Straße. Sie wird ebenfalls ab 11 Uhr gesperrt, Fußwege und Anliegerstraßen Richtung Zentrum ab 9 Uhr. Damit erhöht sich die Zahl der von der Entschärfung Betroffenen auf knapp 10 000. Michael Naunheim, Pressesprecher der Konzer Verwaltung, sagt auf TV-Anfrage: „Es gibt keine alternative Abfahrt aus dem Stadtteil. Die werden spätestens ab 11 Uhr gefangen sein.“

Foto: Florian Blaes

Die Roscheider Straße ist die einzige offizielle Autostrecke zu dem Wohngebiet. Außerdem gibt es nur Wirtschaftswege oder Anliegerstraßen. Kontrollen wird es dort am Sonntag wohl nicht geben. Das lang bekannte Zufahrtproblem wird im Vorfeld der Bombenentschärfung wieder heiß diskutiert. Auf Facebook läuft eine Debatte in der Gruppe „Du bist Konzer wenn ...“. Eine Bürgerin hat sich mit ihren Sorgen, was passiere, wenn es am Sonntag zum Notfall auf Roscheid komme, an die TV-Redaktion gewandt. In der Vergangenheit hatten die Roscheider genau deshalb schon mehrfach gefordert, dass eine zweite Zufahrt geschaffen wird. Im Auge hatte die Stadt Konz eine neue Trasse Richtung B 268 (Pellinger Straße) in Trier-Feyen. Die Stadt Trier müsste sich jedoch daran beteiligen, weil die Trasse über ihr Gebiet liefe. Eine Beteiligung lehnt Trier bisher jedoch ab (der TV berichtete).

Foto: Friedemann Vetter

Wer hilft? Neben der Polizei, dem Kampfmittelräumdienst und der Ordnungsbehörde der Konzer Verwaltung sind am Sonntag etliche (ehrenamtliche) Helfer von DRK, Maltesern oder freiwilligen Feuerwehren im Einsatz, damit die Evakuierung reibungslos abläuft. Die Verwaltung weist darauf hin, dass den Einsatzkräften Folge zu leisten sei.

Wer zum Beispiel Hilfe beim Verlassen seiner Wohnung benötigt, kann sich bei DRK-Bereichsleiter Mike Matthias unter der Handynummer 0176/24644960 melden.

Zudem sind zwischen 8.30 und 10 Uhr blaue Busse des Technischen Hilfswerks unterwegs, die Passagiere kostenlos zur Sammelstelle bringen. Die Konzer Verwaltung hat unter 06501/83-211 zudem eine Hotline eingerichtet, die auch am Samstag zwischen 8 und 20 Uhr sowie am Sonntag ab 8 Uhr besetzt ist.

Sonst noch? Laut Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadtverwaltung in Trier, werden auf der Trierer Seite mehrere Wirtschaftswege sowie der Moselradweg bei Zewen/Oberkirch gesperrt, weil sie in der Evakuierungszone liegen. Betroffen sei auch das Hundehaus des Tierschutzvereins Trier und Umgebung. Die Mitarbeiter des Vereins seien aber vor Ort, denn das Verwaltungsgebäude liege außerhalb des Gefahrenbereichs. Der Tierschutzverein hat trotzdem zugesagt, sich während der Evakuierung um Haustiere von Betroffenen kümmern zu können. Diese müssten in Transportboxen oder anderen geeigneten Käfigen in Zewen abgegeben werden. Wer Interesse hat, muss sich vorab unter Telefon 0171/3767326 bei der Vereinsvorsitzenden Inge Wanken oder per E-Mail unter info@tierheim-trier.de melden. Hunde könne das Tierheim nicht versorgen, sagt Wanken auf TV-Anfrage.

Die City-Initiative Trier blickt gelassen auf die Vorgänge in Konz. Dass wegen der Bombenentschärfung weniger Besucher zum Mantelsonntag nach Trier einkaufen kommen, befürchte der Verein nicht. Auf TV-Anfrage heißt es: „Wenn alles gut geht, ist der Spuk in Konz um 13.30 Uhr vorbei.“ Die Geschäfte in Trier öffnen um 13 Uhr.

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