Der einzige Lebensmittelladen in Wincheringen (Pinnel) hat geschlossen

Herz des Dorfes : Einziger Lebensmittelladen in Wincheringen zu - 2300 Menschen ohne Einkaufsmöglichkeit

Nachdem das Lebensmittelgeschäft in Wincheringens Dorfmitte geschlossen hat, müssen Menschen ohne Auto schauen, wie sie zum Einkaufen kommen. Betroffen sind besonders die Älteren. Ihnen fehlt zudem ein Treffpunkt. Die Gemeinde sucht nach Lösungen.

78 Jahre lang gingen beim Lebensmittelgeschäft Pinnel im Ortskern von Wincheringen Gemüse, Konserven und Brötchen über die Ladentheke. Ende Juni war damit Schluss. Betreiberin Petra Pinnel musste schweren Herzens schließen. Nach dem Tod ihres Mannes im Februar hat sie das Geschäft, in das viele Stammkunden kamen, zusammen mit den Angestellten noch weitergeführt – bis es nicht mehr ging.

Die aktuelle Situation Nun steht der Ort an der Obermosel mit seinen 2320 Einwohnern ohne Laden da. Den Menschen bleibt vor Ort lediglich noch eine Bäckerei und eine Metzgerei. Ortsbürgermeister Elmar Schömann sagt: „Viele haben mir gesagt: ,Uns fehlt was.’ Und dabei ging es nicht nur um die Versorgung. Es ging auch um die Kontakte. Viele Menschen haben sich dort getroffen.“ Ein rollender Laden, der nicht überall hält, und die Wagen von Serriger Hof und der Käserei aus Saarburg-Kahren, die donnerstags von 10 bis 12 Uhr nach Wincheringen kommen, könnten das Loch nicht stopfen. Insbesondere ältere Menschen ohne Auto seien betroffen. Sie sind nun auf Familie, Freunde und Nachbarn angewiesen. So wie Mathilde Philipps (91). Sie greift schon länger auf die Hilfe von Nachbarin und Großnichte zurück, weil ihre Beine nicht mehr so mitspielen. Bei Pinnel hat sie früher „immer Leute aus dem Dorf getroffen“. Die Unterhaltung dort fehle ihr. Der Seniorennachmittag einmal pro Jahr in einer Gaststätte ist für sie die einzige regelmäßige Möglichkeit, andere ältere Menschen zu treffen. Doch sei sie in diesem Jahr fast an der Stufe vor der Gaststätte gescheitert.

In Wincheringen sind laut Statistischem Landesamt 300 Einwohner zu Hause, die älter als 65 Jahre sind. 76 von ihnen sind 80 plus. Die Gemeinde ist dabei, weitere Übergangslösungen für den Einkauf zu unterstützen. Schömann: „Jüngere Leute haben angeboten, andere zum Einkaufen mitzunehmen. Noch bin ich Ansprechpartner, aber das soll bald anders organisiert werden.“ Positiv sei, dass sich auch Neubürger gemeldet hätten. Doch generell stellt Schömann fest: „Wir sind in Not.“

Neuer Markt geplant Doch langfristig soll mehr passieren: Die Gemeinde möchte einen neuen Supermarkt ansiedeln. Dies wird nicht im alten Ladengeschäft in der Ortsmitte gehen, weil dieses laut Schömann für potenzielle Betreiber zu klein ist. Der Ortsbürgermeister berichtet, dass die Gemeinde einen Investor und einen Betreiber für einen neuen Laden, einen Vollsortimenter, an der Hand hat. Mehr könne er nicht verraten, mit der Firma sei vorerst Stillschweigen vereinbart worden. Das interkommunale Einzelhandels- und Zentrenkonzept, das lange zwischen Nittel und Wincheringen abgestimmt wurde, lasse großflächigen Einzelhandel bis 2000 Quadratmeter in Nittel zu. 1900 Quadratmeter sollen es werden und 170 Parkplätze (der TV berichtete). Den Standort, den die Gemeinde in einem zweiten Anlauf ins Auge gefasst hat, liegt an der Luxemburger Allee unterhalb des Baugebiets Auf Mont mit Blick auf Luxemburg. Die Änderung des Bebauungsplans ist laut Schömann in Gang gesetzt. Da die Fläche Ausgleichsfläche ist, sucht die Gemeinde derzeit nach Ersatz. Der Investor muss zudem eine weitere Ausgleichsfläche finden, wenn er den Markt baut. Macht zusammen 24 000 Quadratmeter, die gebraucht werden. Läuft alles optimal, könnte der Supermarkt frühestens im Spätherbst 2021 öffnen. Schömann hofft inständig, dass dies klappt.

Treffpunkte für Jung und Alt Doch der Ortschef sieht weiteren Nachholbedarf für seinen Ort, in dem nun eine soziale Mitte fehlt. Schömann: „Wir haben auch kein Bürgerhaus und keinen Jugendraum.“ Der einzige Raum der Gemeinde befinde sich in der ehemaligen Wäscherei und werde für Ratssitzungen genutzt. Er ist recht klein und stickig. Der Neubau anstelle der Turnhalle könnte an dieser Stelle Abhilfe schaffen. Eine Mehrzweckhalle mit Trennwänden soll entstehen, die vielseitig genutzt werden könne. Auch jetzt finden Kappensitzungen und Konzerte des Musikvereins in der Turnhalle statt, doch ist dort laut Schömann „alles sehr eng und nicht mehr zeitgemäß“. Die Finanzierung der Mehrzweckhalle steht noch nicht, wie die Verbandsgemeindeverwaltung Saarburg-Kell berichtet. Ein Antrag für das Förderprogramm Investitionsstock werde für 2020 bearbeitet, heißt es. Schömann denkt auch schon weiter in die Zukunft. Auf ganz lange Sicht kann er sich vorstellen, dass die Ortsgemeinde ein Bürgerhaus baut.

Foto: TV/Marion Maier
Foto: TV/Marion Maier

Für die jungen Leute will der Ortschef den Nebenraum des Bauhofs umbauen. Aus dem Jugendraum wolle sich die Gemeinde ganz raushalten – sofern dies funktioniere. 50 bis 60 Jugendliche warten laut Schömann auf diesen Treffpunkt. 220 Wincheringer seien zwischen zwölf und 17 Jahren alt. Und der Ort wächst weiter. Auf Mont sind die nächsten 50 Bauplätze geplant. Zum Jugendraum sagt Schömann: „Sobald die Baugenehmigung vorliegt, werden wir den Umbau/Ausbau beginnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir Ende Oktober die Einweihung feiern werden.“

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