Oliver Weiler veröffentlicht Biografie "Der Alex" über Schicksal eines jungen Hochwälder Soldaten im Zweiten Weltkrieg

Neuer Lesestoff für Hermeskeiler Schulbibliothek : Von der Schulbank in den Krieg - Biografie schildert Schicksal eines Hochwälder Soldaten

19 Jahre und 33 Tage alt war der Hochwälder Alex Weiler, als er 1943 an der Ostfront qualvoll starb. Das kurze Leben des Soldaten beschreibt sein Neffe Oliver in der Biografie „Der Alex“. Zwei Exemplare stehen in der Bibliothek des Hermeskeiler Gymnasiums, zu dem es eine besondere Verbindung gibt.

Oliver Weiler hat eine intensive Reise in die Vergangenheit und die eigene Familienhistorie hinter sich. Fünf Jahre hat er an einem Buch gearbeitet, das die kurze Lebensgeschichte seines Onkels Karl Alexander erzählt. „Der Alex“ – so lautet auch der Titel des 270 Seiten starken Werks – stammte aus Braunshausen in der saarländischen Gemeinde Nonnweiler, ging in Hermeskeil auf die damalige „Höhere Schule für Jungen“ und wurde 1942 zur Wehrmacht eingezogen. Er starb 33 Tage nach seinem 19. Geburtstag an der Ostfront.

Im Buch begibt sich Weiler auf die Spuren des jungen Mannes, rekonstruiert dessen Kindheit und den Weg zum Militärdienst. Zusammengetragen hat der Autor neben vielen Familienfotos auch alte Schulzeugnisse, Feldpostbriefe und Gedichte, die Alex als Soldat verfasste, sowie die Todesnachricht an dessen Eltern. Für das Gymnasium Hermeskeil steuerte Weiler 2013 bereits einen Lebenslauf seines Onkels zur Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Schule bei. Nun hat er zwei Exemplare seines Buchs übergeben, die künftig in der Bibliothek stehen sollen. „Der Alex ging ja auf diese Schule. Ich finde, das Buch gehört dort ins Regal“, sagt Weiler. Schulleiter Mario Düpre will seine Kollegen animieren, das Buch im Unterricht einzusetzen. Der Zweite Weltkrieg sei ohnehin Thema, sagt er: „Durch so einen lokalen Bezug wird das Ganze für die Schüler natürlich noch greifbarer.“

Für den Braunshausener, den es inzwischen beruflich ins Allgäu verschlagen hat, begann alles als „Familienprojekt“. Seinen Onkel, sagt er, habe er nur von alten Fotos gekannt und irgendwann mehr über ihn erfahren wollen. 2012 habe ihm sein Vater einiges erzählt, ihm Briefe und Fotos gegeben. Schließlich hätten die Großeltern alte Feldpostbriefe von Alex – zum Teil noch ungeöffnet – überreicht. „Das war etwas Besonderes, diese Briefe zu lesen.“

Schnell habe er 15 Seiten „Notizen“ geschrieben, dann reifte die Idee, mehr daraus zu machen. Nachforschungen bei Freunden, Verwandten und Dorfbewohnern brachten mehr Details ans Licht. Als Junge habe Alex Radfahren und Fußball gemocht und Förster werden wollen, heißt es im Buch. Dann begann die „Verführung“ durch das Regime, der Weg in die Hitler-Jugend, eine Bewerbung bei der Waffen-SS, die der Vater abblockte, und schließlich der Kriegseinsatz.

Während der Grundausbildung in Trier lernte Alex seinen späteren Kameraden Albert Kolz aus Reinsfeld kennen. Beide wurden zunächst in die Normandie zum Küstenschutz und später nach Russland versetzt. Alex fiel im Oktober 1943 nördlich von Kiew durch einen Bauchschuss, nicht durch einen Kopfschuss, wie es in der Todesnachricht an seine Eltern heißt. Sein Freund Albert habe Verwandten berichtet, dass der 19-Jährige anderthalb Tage lang schwer verwundet auf dem Schlachtfeld gelegen habe und „elendig krepiert“ sei. Während seiner Recherche erfuhr Weiler, dass Alberts Sohn Heinz Kolz die Tagebucheinträge seines Vaters aus dem Krieg 2016 veröffentlicht hatte (siehe Info).

Die letzten 14 Tage im Leben des jungen Soldaten zu rekonstruieren, sagt Weiler, sei extrem schwierig gewesen. Informationen über Alex’ Einheit, die 82. Infanterie-Division, habe er erst nach mühsamer Suche in Büchern, auf DVDs, im Internet und über das Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg aufgestöbert. Dem Leser wolle er einerseits die Umstände von damals näherbringen, andererseits darüber aufklären, „dass nicht alle Soldaten der Wehrmacht Nazis waren, sondern verführte junge Menschen, die rücksichtslos benutzt wurden“. In Alex’ Briefen von der Front könne man lesen, wie die „schiere brutale Gewalt“ und die tägliche Konfrontation mit dem Tod seine Psyche belastet hätten. „Nie wieder Krieg – das zieht sich als Botschaft durchs gesamte Buch“, sagt Weiler. Angesichts der Krise in Syrien sei dies von größter Aktualität.

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