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Westwallmuseum Konz sammelt Stücke aus dem zweiten Weltkrieg

Geschichte : Von Wehrmachtshelme bis „Affen“: Konzer Westwallmuseum sucht Gegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg

Das Westwallmuseum Konz hat jetzt einen Behälter, in den Sachspenden aus Kriegszeiten sauber deponiert werden können. Was Betreiber Sascha Berweiler damit vorhat - und welche Teile des Bunkers saniert werden müssten.

Die deutsche und die Europaflagge hat Sascha Berweiler über den Eingang des Westwallbunkers in der Konzer Granastraße 25 gehängt. Es sind die Symbole für Freiheit und Frieden. Für das krasse Gegenteil steht die Bunkeranlage mit dem putzigen Namen „Villa Gartenlaube“.

„In Kriegszeiten stand der Bunker mitten in einer Schrebergartenanlage“, erklärt der Anbieter von Führungen und Ausstellungen als Mahnung, welch hohes Gut Frieden und Demokratie bedeuten.

Doch es gab ein Problem: Freunde dieser Initiative stellten immer wieder historische Fundstücke einfach vor den Bunkereingang. „Da wurde Militärgeschirr in den Blumentopf gelegt, Bücher lagen im Regen“, bedauert Berweiler. Einige der historischen Werke konnte der gelernte Buchbinder noch retten, andere mussten entsorgt werden. Damit das nicht weiter passiert, hat er sich aus einem Baumarkt eine Box besorgt und neben dem Eingang aufgestellt. Hier können die historischen Fundstücke sauber und trocken auf ein zweites Leben im Museum warten.

Was beim Konzer Westwallmuseum abgegeben werden kann

Gesucht sind weitere Sachen, die viel über das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu erzählen haben: Auszeichnungen, Dokumente und Fotos. Die Spendenbox ist rund um die Uhr zugänglich, wird aber auch videoüberwacht. Gerade hat er ein paar verrostete Wehrmachtshelme erhalten, für die er passende Präsentationsständer baut. Auch zwei „Affen“ sind schon abgegeben worden. So nannten die Landser die Wehrmachtsrucksäcke, die mit Kuhfellen eine braune Farbe hatten.  

Und was ist mit Waffen? Da wird Sascha Berweiler sehr vorsichtig: „Da greift das Kriegswaffenkontrollgesetz mit strengen Vorgaben“, erklärt er. Auf jeden Fall will er dafür vorher angerufen werden (Tel: 0178/ 8817014), um entsprechende Schritte abzustimmen.

Die abgegebenen Gegenstände sollen in themenbezogene Ausstellungen eingebaut werden. In der neuen Besichtigungssaison will Berweiler an das Zusammentreffen von Alliierten und Bevölkerung erinnern.

Vor Corona kamen rund 1000 Besucher pro Jahr. Danach vielleicht noch 300. „Mit 2G sind Besichtigungen weiterhin möglich. Abstände werden durch Bodenmarkierungen gesichert“, erklärt der Herr des Bunkers. Ziel bleibe weiterhin, das Gefühl zu vermitteln, wie es ist, als Zivilist mitten in einem Krieg zu sein.

Fundiert aufarbeiten will das Bernhard Gross. Der ehrenamtliche Denkmalpfleger der Landesdenkmalpflege bezieht auch die Villa Gartenlaube in seine Abhandlung mit ein und ist inzwischen ein anerkannter Fachmann für den zivilen Luftschutz der damaligen Zeit.

Warum Kriegsschäden bis heute Probleme bereiten

„Dieser Bunker ist eine sehenswerte und erhaltenswerte Anlage, die noch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit braucht, vor allem mehr Schulführungen“, wünscht er sich.

Ein weit größeres Problem als durchnässte Bücher ist das marode Dach an der oberirdischen Rückwand, die durch eine Sprengung in den späten Kriegstagen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Die Wand muss stabilisiert und abgedichtet werden“, erklärt Berweiler. Dafür hofft er auf einen Zuschuss von der Verbandsgemeinde Konz, denn das übersteigt das Engagement der gesamten Familie.

Bernhard Gross lobt dieses Engagement: „Die Familie Berweiler steckt da mehr Geld rein, als jemals durch Eintritte erwirtschaftet werden kann.“ Beide geben den Tipp ab: Haushaltsauflösungen können beispielsweise eine Fundgrube für künftige Ausstellungsstücke sein und: „Sehen Sie doch mal auf dem Dachboden oder im Keller nach.“