Das Programm der Kammermusikalischen Vereinigung Trier

Kammermusik : Klavier, Klavier, Klavier!

Nur scheinbar monoton: Das Saisonprogramm der Kammermusikalischen Vereinigung Trier.

Gelegentlich entsteht auch bei Kammermusik-Reihen ein gewisser Nachholbedarf. Um das Klavierquartett jedenfalls machte die Kammermusikalische Vereinigung Trier bislang einen weiten Bogen. Das muss reiner Zufall gewesen sein. Die Besetzung mit Klavier, Violine, Viola und Violoncello gehört in der Kammermusik keineswegs zu den absoluten Ausnahmen. Umso erfreulicher, dass am Mittwoch, 23. Oktober, mit dem „Notos Quartett“ ein Klavierquartett die Saison 2019/20 im Trierer Kurfürstlichen Palais eröffnet. Damit rückt eine Gattung in den Mittelpunkt, die Sinfonik, Konzerte und Kammermusik beispielhaft verbindet. Mit Mozarts Klavierquartett KV 493 vom Juni 1786 steht zudem ein musikalisches Juwel auf dem Programm. Und mit Dvoraks dramatischem Quartett op. 87 und dem Quartettsatz a-Moll des damals 18-jährigen Gustav Mahler hat das „Notos-Quartett“ zwei weitere Kostbarkeiten parat.

Dieser Start ist wie ein Motto. Er eröffnet eine Reihe weiterer Kammermusikwerke mit Klavier. Das „Berlin Piano Trio“ hat Haydns beliebtes „Zigeunertrio“ im Programm, aber vor allem gewichtige Trios von Schumann, Martinu und Dvorak (3. Konzert, 22. Januar). Das „Trio con brio Copenhagen“ (5. Konzert, 4. März) spielt Beethovens „Geistertrio“ und Tschaikowskys a-Moll-Trio op. 50 – die Trauermusik auf Tschaikowskys verstorbenem Freund Nikolai Rubinstein.  Akustische Visitenkarte zu Konzertbeginn ist eine Komposition des Dänen Bent Sörensen (*1958) mit dem vielversprechenden Titel „Phantasmagoria“.

Wo ein Quartett mit Klavier auftritt und überdies zwei Klaviertrios, da ist ein Duo nicht mehr fern. Geigerin Nina Karmon und Oliver Triendl am Klavier eröffnen das 4. Kammerkonzert am 12. Februar mit Beethovens Sonate op. 30/2, greifen mit Prokofjews Sonate op. 94a voll in die Tasten und Saiten und beschließen ihren Auftritt durchaus unüblich mit einem Opus 1: der Violinsonate von Toivo Kuula (1883-1918). Kuula, finnischer Komponist und Schüler von Jean Sibelius, schrieb die Sonate im Jahr 1907. Er gilt als „wertkonservative, aber impulsive Begabung“ (Tomi Mäkelä).

Im aktuellen Saisonprogramm der Kammermusikalischen Vereinigung ist Ensemblemusik ohne Klavier damit in der Minderheit. Dafür lockt das Ma’alot-Bläserquintett im 2. Konzert am 13. November mit Musik aus Mozarts „Cosi fan tutte“, arrangiert für Bläser von Ensemblemitglied Guido Schäfer. Auch Ligetis sechs Bagatellen, Milhauds südfranzösisch-stimmungsvolle Musik „Cheminée du roi René“ und ein Bläserquintett (1876) von Claude Taffanel (1844-1908), Vater der französischen Flötenspielkunst, heben sich von klassisch-romantischer Normalität deutlich ab.

Bei traditioneller Kammermusik gehören die publikumswirksamen Höhenflüge längst zur Vergangenheit. Dennoch zieht die Kammermusikalische Vereinigung unbeirrt ihre Konzertreihe durch. Sie setzt dabei nicht auf Breitenwirkung, sondern richtet sich an die Besucher, die Adorno einmal „gute Zuhörer“ nannte. Die halten ihrer Vereinigung die Treue. Auch die moderate Erhöhung der Abo-Preise nach langen Jahren auf jetzt 115 Euro (für fünf Konzerte) hat bislang zu keinem Besucher-Exodus geführt. Freilich sinkt die Zahl der Unterstützer langsam aber stetig; das Saisonprogramm verzeichnet noch 42 so genannte Patronate. Das ist etwas weniger als bisher.

Die Kammerkonzerte im Kurfürstlichen Palais 2019/2020.

1. Kammerkonzert am 23. Oktober: Werke von Mahler, Mozart und Dvorak. Notos Quartett.

2. Kammerkonzert am  13. November: Werke von Mozart/Schäfer, Ligeti, Milhaud und Taffanel. Ma’alot Bläserquintett

3. Kammerkonzert am 22. Januar 2020: Werke von Haydn, Schumann, Martinu und Dvorak. Berlin Piano Trio

4. Kammerkonzert am 12. Februar: Werke von Beethoven, Prokofjew und Kuula. Nina Karmon, Violine, Oliver Triendl, Klavier

5. Kammerkonzert am 4. März: Werke von Sörensen, Beethoven und Tschaikowsky. Trio con brio Copenhagen

Beginn aller Konzerte: 20 Uhr Eintrittspreise an der Abendkasse: 27 Euro, für Besucher unter 25 Jahren: 12 Euro. Für Studierende an Universität und Hochschule Trier im Rahmen des „DiMiDo“-Projekts Eintritt frei. Vorverkauf: Musikhaus Kessler (0651/73102) und ticket-regional.

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