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Serie Kunstwerk der Woche: Fotografin Simone Busch aus Trier

Kultur : „Die Kamera ist immer dabei“

Verunsicherung, Existenzangst, zuweilen verzweifelte Momente seien ihre ersten Reaktionen auf die angehaltene Welt des Corona-Lockdowns gewesen, erzählt Simone Busch. Die Trierer Fotografin ist eine der profiliertesten Fotokünstlerinnen der Region.

Zudem ist sie eine, die ihren Lebensraum zu ihrem ausdrücklichen Thema gemacht hat. Das hat nichts mit Kirchturmdenken oder engstirnigem Lokalpatriotismus zu tun. Auch wenn Simone Busch nachdrücklich feststellt: „Ich komme aus Trier und lebe hier. Das ist meine Stadt.“

Eher ist die Fotografin und Videofilmerin eine Entdeckerin und Erforscherin, die im scheinbar Bekannten unterwegs ist, um im Alltäglichen eine ganz neue Vielfalt sichtbar zu machen. Dabei betätigt sich die studierte Medienwissenschaftlerin seit Jahren als beredte Kommunikatorin und Geschichtenerzählerin innerhalb der Trierer Stadtgesellschaft.

Ihre Serie „RaumMann“ ist dafür ein spannendes Beispiel. Mit Hilfe eines Projektstipendiums des rheinland-pfälzischen Förderprogramms „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“ konnte das Projekt auch während der Pandemie fortgeführt werden. „Raum“ und „Mann“ bestimmen, wie der Titel ankündigt, die Film-und Fotoserie.

Um mit den Herren anzufangen: Es geht um Porträts männlicher Trierer Zeitgenossen, die sich im Leben der Stadt in unterschiedlichen Bereichen herausragend engagieren. Als Erzählung aus Bild und Ton macht Busch deren Lebensraum und Persönlichkeit lebendig erfahrbar.

Warum nur Männer? Der Blick von Frauen auf das andere Geschlecht sei nun mal ein anderer, sagt die Fotografin. Und das klingt nicht nach feministischer Selbstermächtigung, sondern nach Lust am Diversen. Stolze 75 „RaumMänner“ hat die Künstlerin so ins Bild gesetzt. Der letzte in der Serie war die Trierer Rocklegende Chris Steil, der Gründer der Band SteilFlug. Seine Vorgänger der Reihe sind der Videograf Steve Strasser und der Psychologe und Musiker Michel Juncker aka „Mambo Schinki“.

In Arbeit ist das Porträt des örtlichen Musikers, Schauspielers und Mundart-Originals Helmut Leiendecker. Um den genauen Blick geht es der Fotografin, die Fähigkeit, ein Motiv genau zu erfassen, es auszuleuchten, seine Vielschichtigkeit und atmosphärische Qualität zu verbildlichen. Schärfentiefe ist für sie nicht auf das optische System der Kamera beschränkt, sondern auch ein inhaltlicher Anspruch. Mit dem genauen Blick hapere es vielerorts in Zeiten von schnellen Handyfotos und digitaler Bilderflut sagt die Künstlerin, die auch an der Europäischen Kunstakademie unterrichtet.

Auch die Bereitschaft, sich der eigenen Realität zu stellen, sieht sie in Zeiten geschönter Instagram Porträts gefährdet. „Die Kamera ist immer dabei“, wenn Busch das sagt, klingt das nach einer innigen Lebensgemeinschaft. In der Pandemie hat die Fotografin einen neuen Kreativraum entdeckt. Hi­naus in die Natur hat es sie gezogen, weg von den verwaisten Straßen der Stadt. Wunderbares und Unbekanntes habe es da zu entdecken gegeben, sagt die Künstlerin, in deren Fotos sich kreativer Wille und Realitätssinn verbinden. Auch vor der Natur des eigenen Innenraums macht Buschs fotografische Entdeckerlust nicht halt, wie ihre stimmungsvolle Videoserie „Mone Morgenstern“ zeigt, ein Projekt , das in der Tradition der klassischen Porträts und der künstlerischen Selbstreflexion steht. Eva-Maria Reuther

Infos: www.simonebusch.de